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„Ich mache das, was ich liebe“
Folger zurück im MotoGP-Zirkus

Jonas Folger.
Jonas Folger. FOTO: ap, AF
Jonas Folger ist nach einer mehr als einjährigen Pause wieder auf eine MotoGP-Maschine gestiegen. Der 25-Jährige genoss seine ersten Kilometer als Yamaha-Testfahrer, wollte über mögliche Renneinsätze aber nicht groß reden.

Da, wo alles angefangen hat, macht Jonas Folger die ersten Schritte auf dem langen Weg zurück. In Valencia ist der Rennfahrer in dieser Woche ziemlich genau zwei Jahre nach seinem Debüt auf einer MotoGP-Maschine und einer mehr als einjährigen Pause bei Tests wieder mit der Yamaha M1 unterwegs. Der Rückkehrer ist dankbar für die Chance, will aber nicht zu weit in die Zukunft blicken.


Freiwillig hatte der 25-Jährige aus Oberbergkirchen seinen Platz für die gerade abgelaufene Saison in der Motorrad-WM geräumt. Im Frühjahr, Monate nachdem bei ihm eine Transport- und Stoffwechselstörung (Gilbert-Syndrom) festgestellt worden war, sah sich Folger der Herausforderung in der Königsklasse nicht gewachsen. Heute geht es ihm viel besser.

"Ich fühle mich großartig. Ich hatte viel Zeit, mich auszuruhen und an mir zu arbeiten", sagte Folger vor seinen ersten Runden auf dem Circuit Ricardo Tormo. Mit Radfahren und Motocross hat er sich auf die Aufgabe vorbereitet, ganz so wie früher. Außerdem konnte Folger im Sommer in Spanien mehrmals auf weniger leistungsstarken Moto2-Maschinen von Kalex testen.



"Ich habe mit Kalex langsam angefangen. Ich wollte die Chance nutzen, es gab keinen Druck", sagte Folger. Und auch jetzt fühle er keine übermäßig große Erwartungshaltung vom Arbeitgeber. "Ich mache das, was ich liebe - ohne Druck. Das ist schön."

Folger stieg zur Saison 2017 aus der Moto2 in die MotoGP auf. Nach dem Saisonfinale 2016 in Valencia war er beim traditionellen Test, wie er auch jetzt wieder stattfindet, erstmals für den Rennstall Tech3-Yamaha gefahren und direkt schnell gewesen. Auch als Rookie überzeugte Folger, Highlight war sein zweiter Platz auf dem Sachsenring. Doch dann begann die Leidenszeit.

Ende September fuhr Folger im Vorjahr in Alcaniz sein bislang letztes MotoGP-Rennen. Nun tastet er sich langsam wieder heran. Der fünfmalige Grand-Prix-Sieger ist Teil des von Yamaha neu geschaffenen europäischen Testteams. Dass der japanische Hersteller ihn für die Rolle ausgewählt hat, darf Folger als Vertrauensbeweis verstehen.

"Ich muss in den Rhythmus kommen, Selbstvertrauen aufbauen, die Leute kennenlernen", sagte Folger. Es gehe darum, etwas zu lernen und Spaß zu haben - ohne den Job zu vergessen: "Wir wollen das Motorrad besser machen. Ich muss herausfinden, wo die Probleme liegen", erklärte Folger.

Für das Comeback muss er sich auch bei Superstar Valentino Rossi bedanken. Der Yamaha-Werksfahrer aus Italien hatte sich für ihn stark gemacht, ebenso dessen spanischer Teamkollege Maverick Vinales, der die Tests am Dienstag dominierte. Folger belegte beim Auftakt den 22. Platz unter 25 Fahrern, mit 2,394 Sekunden Rückstand auf Vinales.

"Es hat sofort wieder riesigen Spaß gemacht, auf der Yamaha zu sitzen. Die Elektronik funktioniert mittlerweile ganz anders, als ich es vor zwei Jahren gewohnt war. In dieser Hinsicht muss ich mich noch umstellen", sagte Folger.

Ob er im kommenden Jahr mit Wildcards Rennen fahren wird, so wie sein Landsmann Stefan Bradl (Zahling) in dieser Saison für Honda, sei offen. "Es ist zu früh, darüber zu reden", sagte Folger: "Vielleicht gibt es eine Chance." Die Prioritäten liegen (noch) woanders.

(sid/old)