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Saisonabbruch oder Geisterspiele? Handball kämpft ums Überleben

Handball : Die Handballer klammern sich an jeden Strohhalm

In der Bundesliga werden Rufe nach einem vorzeitigen Saisonabbruch laut. Doch es gibt auch konkrete Pläne für eine Fortsetzung der Spielzeit.

Vorzeitiger Saison­abbruch? Davon will Frank Bohmann nichts wissen. Zumindest noch nicht. „Ich kann mir vorstellen, dass es im Mai unter gewissen Bedingungen wieder losgehen kann“, sagte der Geschäftsführer der Handball Bundesliga (HBL).

Im Schatten des großen Fußballs kämpft der Handball ums wirtschaftliche Überleben und entwirft dabei fieberhaft Szenarien, die aktuell unterbrochene Spielzeit doch noch zu beenden. Sogenannte Geisterspiele, von Bohmann treffend als „Medienspiele“ bezeichnet, könnten womöglich auch im Handball die Lösung sein. „Wenn die Politik entscheidet, dass Veranstaltungen im Mai wieder möglich sind, dann brauchen wir uns nicht mit Abbruch-Szenarien zu befassen. Dann haben wir eine ganz neue Sachlage“, sagt Bohmann eindringlich. Die Fortsetzung der Saison sei eine „ernsthafte“ Option: „Wir müssen genau abwägen, welchen Preis wir dafür bereit sind zu zahlen.“

Genau diese Frage dürfte an diesem Donnerstag und Freitag entscheidend sein, wenn erst das HBL-Präsidium und dann die Clubchefs zur Beratung zusammenkommen. Angesichts der schweren wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind erstmals aber auch öffentlich Stimmen zu vernehmen, die einen Abbruch der Spielzeit postulieren.

Eine von ihnen gehört Jürgen Schweikardt. Der Trainer und Geschäftsführer des TVB Stuttgart tendiert „zu einem Abbruch der Saison“. Von Geisterspielen hält er nicht viel, da sie für die Clubs ein Minusgeschäft darstellen würden. „Sportlich wäre das vielleicht die fairste Lösung“, sagt Schweikardt, doch wirtschaftlich schwierig, da etwa ein Viertel der Einnahmen aus dem Ticketing komme. Ausgaben wie der Hallenmiete stünden im Falle von Geisterspielen keine adäquaten Einnahmen gegenüber. Die TV-Gelder machen im Gegensatz zum Fußball im Handball nur rund fünf Prozent des Gesamtetats aus.

Bohmann sieht die Zwänge seiner Clubs, ihm sind die Probleme bewusst. Dennoch müsse man sich mit dem Thema „Spielen ohne Zuschauer“ auseinandersetzen. Um die Kosten zu senken, könnte beispielsweise in kleineren Hallen gespielt werden. „Wenn es uns gelingt, uns auf bestimmte Standards zu einigen, dann wollen wir sportlich einen Meister ermitteln“, sagt Bohmann, der aber betont, einen Konsens aller Teams erreichen zu wollen. Betroffen sind davon auch eine Reihe von Saarländern, die aktuell in der Handball-Bundesliga spielen: Daniel Fontaine (Bergischer HC), Jerome Müller (Eulen Ludwigshafen, ab kommender Saison TVB Stuttgart), Lars Weissgerber (HSG Wetzlar) und Yves Kunkel (MT Melsungen).

Klar ist momentan nur eines: „Wir fangen mit Sicherheit nicht am 23. April wieder an“, sagt Bohmann. Eine Verlängerung der Bundesliga-Spielpause bis in den Mai hinein gilt als sicher. Allen anderen Entscheidungen will HBL-Geschäftsführer Bohmann nicht vorgreifen, seine Hoffnung auf eine Fortsetzung der Saison lebt.