| 16:19 Uhr

Aus bei Handball-EM
Rückendeckung und Zweifel: DHB-Coach Prokop im Fokus

Bundestrainer Christian Prokop steht nach dem Aus bei der Handball-EM in der Kritik. Foto: Monika Skolimowska
Bundestrainer Christian Prokop steht nach dem Aus bei der Handball-EM in der Kritik. Foto: Monika Skolimowska FOTO: Monika Skolimowska
Hamburg. Die Rolle von Handball-Bundestrainer Christian Prokop rückt nach dem enttäuschenden Auftritt der Nationalmannschaft bei der EM in Kroatien in den Fokus. dpa

Handball-Experten und Funktionäre waren sich am Tag nach dem Aus des Titelverteidigers uneinig, ob das schwache Abschneiden Prokop anzulasten ist. „Man sollte jetzt nicht anfangen, an Christian Prokop zu zweifeln“, sagte Ex-Bundestrainer Heiner Brand am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Jeder Trainer zahlt mal Lehrgeld. Das ist im Vorjahr Dagur Sigurdsson und zuvor auch mir passiert.“



Ganz anders äußerte sich Trainer Michael Roth vom Bundesligisten MT Melsungen: „Man muss kein Handball-Fachmann sein, um zu sehen, dass es zwischen Trainer und Mannschaft nicht richtig gepasst hat“, sagte der 44-malige Nationalspieler. „Das ging schon vor dem Turnier mit bestimmten Personalentscheidungen los. Man kann als Trainer ja ein System im Kopf haben, aber man muss es an die Mannschaft anpassen und nicht seine Vorstellungen mit Gewalt platzieren.“

Trainer Kai Wandschneider von der HSG Wetzlar mutmaßte: „Da scheint irgendetwas führungsmäßig nicht gestimmt zu haben. Die Kommunikation scheint in allen Bereichen gestört zu sein. Wenn es intern aber nicht stimmt, kann man nicht erfolgreich Handball spielen.“ Prokop habe „in seinem geschützten Umfeld in Leipzig“ hervorragende Arbeit geleistet. „Aber wahrscheinlich lässt sich das nicht auf die Nationalmannschaft übertragen“, sagte Wandschneider.

Rückendeckung für Prokop gab es hingegen auch vom Liga-Verband HBL: „Wir sollten nicht alles verfluchen und verdammen. Die Eindrücke sind noch zu frisch, als dass man aus der ersten Emotion heraus Urteile fällen sollte“, betonte HBL-Präsident Uwe Schwenker. Geschäftsführer Frank Bohmann sah keinen Grund, den Trainer infrage zu stellen. „Er hat sein erstes Turnier gemacht und Erfahrungen gesammelt. Er wird sich selber hinterfragen“, sagte Bohmann.

Schwenkers Rat lautete, „ruhig und gelassen“ die EM zu analysieren. Die erste Gelegenheit dazu bestehe in der nächsten Woche im Rahmen des Allstar-Games der Nationalmannschaft (3. Februar) gegen eine Bundesliga-Auswahl in Leipzig. „Dort gibt es eine schon lange anberaumte Präsidiumssitzung des DHB. Dann werden wir eine vernünftige Analyse vornehmen, offen und transparent einige Fragen stellen und diese beantworten“, sagte Schwenker.



Der HBL-Präsident erinnerte an bevorstehenden Aufgaben wie die Heim-WM im nächsten Jahr und Olympia 2020. „Deshalb brauchen wir ein starke Nationalmannschaft. Da stehen wir als Bundesliga genauso in der Verantwortung.“

Enttäuschung herrscht bei den Top-Clubs der Bundesliga. „Im Verhältnis zur letzten EM ist das ein Rückschritt. Wir hatten alle große Erwartungen. Aber kaum einer hat sein Leistungsniveau erreicht“, sagte Dierk Schmäschke von der SG Flensburg-Handewitt. THW Kiels Sportlicher Leiter Viktor Szilagyi ergänzte: „Die fehlende Konstanz zog sich wie ein roter Faden durch das Turnier.“ Geschäftsführerin Jennifer Kettemann von den Rhein-Neckar Löwen sagte: „Es gab auch positive Dinge, die man hervorheben muss. Zum Beispiel, dass die Abwehr sehr gut war.“

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