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Handball
MT Melsungen rüstet sich für den Angriff

 Mit der Verpflichtung von Nationaltorhüter Silvio Heinevetter beweist der Handball-Bundesligist MT Melsungen, dass er gewillt ist, in die deutsche Spitzengruppe um Flensburg, Kiel und Mannheim vorzustoßen.
Mit der Verpflichtung von Nationaltorhüter Silvio Heinevetter beweist der Handball-Bundesligist MT Melsungen, dass er gewillt ist, in die deutsche Spitzengruppe um Flensburg, Kiel und Mannheim vorzustoßen. FOTO: dpa / Marijan Murat
Melsungen. Der Handball-Bundesligist verpflichtet deutsche Nationalspieler wie Torhüter Heinevetter und will Titel gewinnen. dpa

Ob Silvio Heinevetter ein Fan der „Ahle Wurscht“ ist oder einen Sinn für Fachwerkbauten hat, ist nicht bekannt. Es dürften aber weder die kulinarischen Spezialitäten noch die baulichen Sehenswürdigkeiten sein, die den Handball-Nationaltorwart spätestens im Sommer 2020 aus der Millionenmetropole Berlin in die nordhessische Provinz zur MT Melsungen ziehen. Vielmehr reizt den Routinier ein ambitioniertes sportliches Projekt, das zudem finanziell sehr ordentlich unterfüttert ist – der Angriff auf das Bundesliga-Establishment.


„Der Weg in die nationale Spitze wird nicht leicht. Deshalb sind wir dabei, den Kader in die richtige Richtung zu bringen“, begründet MT-Vorstand Axel Geerken in einem Interview der Zeitung „Hessische Niedersächsische Allgemeine“ die personelle Aufrüstung des derzeitigen Tabellenfünften. Dazu gehören auch die Verpflichtung von Nationalspieler Kai Häfner, der wie Heinevetter zur Saison 2020/2021 kommt, sowie die langfristige Vertragsverlängerung mit Rückraum-Kanonier Julius Kühn bis 2024. „Das möchten wir als eindeutigen Beleg für unsere sportlichen Ambitionen in den kommenden Jahren verstanden wissen“, betont Geerken.

Künftig tummeln sich fünf deutsche Nationalspieler bei den Nordhessen, die dann das Gros der deutschen Auswahl stellen werden. In einem ersten Schritt hatte der Verein im Sommer 2017 neben Kühn bereits Rechtsaußen Tobias Reichmann und Abwehrhüne Finn Lemke verpflichtet. Auch der Völklinger Yves Kunkel, der 2018 vom SC DHfK Leipzig kam, hat bereits Länderspiele bestritten, wird von Bundestrainer Christian Prokop aktuell aber nicht berücksichtigt. Dennoch ist auch der Linksaußen ein zentraler Baustein des Neuaufbaus.



„Wir haben noch viel vor und wollen zunächst unter die besten fünf Teams der Bundesliga kommen. Aber das soll noch nicht alles sein. Ich glaube, dass wir Spieler uns damit nicht zufrieden geben werden“, sagt Kühn und richtet eine Kampfansage an die etablierte Konkurrenz um Meister SG Flensburg-Handewitt, Rekord-Champion THW Kiel und die Rhein-Neckar Löwen: „Ich möchte mit der MT gern um mindestens einen Titel mitspielen.“

Innerhalb weniger Jahre hat sich der Verein von einer grauen Maus der Liga zu einer attraktiven Adresse im deutschen Handball entwickelt. Das liegt in erster Linie an der großzügigen Unterstützung des Hauptsponsors (B. Braun), eines ortsansässigen Unternehmens für Pharma- und Medizinbedarf, das weltweit operiert und im Vorjahr einen Umsatz von mehr als sechs Milliarden Euro verzeichnete.

Hinzu kommen ein klares sportliches Konzept und ein gutes Klima in der Mannschaft von Trainer Heiko Grimm, der deutlich schneller und flexibler spielen lässt als in den Jahren zuvor. „Unser Ziel muss es sein, dass wir mittelfristig in Zusammenhang mit den besten fünf Teams der Liga genannt werden. Langfristig wollen wir uns in den Top fünf festsetzen“, sagt Grimm.

Dazu beitragen soll auch Heinevetter, um dessen Verpflichtung die MT gekämpft habe, „wie man es sonst nur für eine tolle Frau macht“, meint der 34-Jährige. Das war bei seinem derzeitigen Verein Füchse Berlin nach zehn Jahren nicht mehr der Fall, weshalb sich Heinevetter mit Geschäftsführer Bob Hanning zofft. Wer Recht hat, ist unklar. Fakt ist aber: Neben der sportlichen Klasse wird Heinevetter durch seine Beziehung mit Schauspielerin Simone Thomalla auch Glamour nach Nordhessen bringen – vielleicht sogar früher als erwartet.

„Wir werden ab sofort den Torhüter-Markt sondieren“, sagt Hanning, nachdem Thomalla bei Instagram ein Bild postete, auf dem ein kleines Männchen mit dem Hinweis zu sehen ist: Lügen haben kurze Beine. „Mehr habe ich dazu nicht zu sagen! Manchmal braucht man halt 10 Jahre um zu verstehen“, schrieb die 54-Jährige dazu.

Im Grundsatz fühlt sich Heinevetter falsch wiedergegeben. Trotz wochenlanger Bemühungen seinerseits um ein Gespräch habe ihm Hanning zu verstehen gegeben, dass es für ihn kein unterschriftsreifes Angebot der Füchse geben werde. „Jetzt behauptet er im Nachhinein das Gegenteil“, sagt Heinevetter.

Hanning erklärt, dass Vertragsgeschichten grundsätzlich nicht an die Öffentlichkeit gehörten, „aber nun zwingt er mich dazu. Fakt ist: Silvio ist unser teuerster Spieler, seine Leistungen in den vergangenen anderthalb Jahren waren durchwachsen, und wir sind nicht so zufrieden, wie man es von einem Weltklasse-Torhüter erwarten darf.“ Der MT Melsungen ist das egal. Sie freut sich auf Heinevetter – und die offensichtlich rosige Zukunft.