Handball: Martin Heuberger kehrt als Trainer der deutschen U21 zurück

Heuberger kehrt zurück : Aus der Amtsstube auf die Trainerbank

Nach seiner unglücklichen Zeit als Bundestrainer nahm Martin Heuberger eine Auszeit vom Handball. Jetzt feiert der Fachmann, der mit dem deutschen Nachwuchs EM- und WM-Titel feierte, bei der U21-WM seine Rückkehr.

Martin Heuberger war mit seinem Bürojob im Landratsamt Ortenaukreis durchaus zufrieden. „Ich habe in der Personalentwicklung gearbeitet. Das hat mir mit vielen netten Kollegen auch Spaß gemacht“, sagt der 55-Jährige: „Handball ist aber noch mal eine andere Nummer. Das war schon immer mein Ding. Es gibt für mich nichts Schöneres.“

Fast fünf Jahre war der frühere Bundestrainer von der sportlichen Bildfläche verschwunden. Statt in den großen Arenen zu dirigieren, arbeitete er nach seinem Aus im Jahr 2014 am Schreibtisch. Als ihm der Deutsche Handballbund (DHB) im Dezember überraschend den Job des obersten Nachwuchstrainers anbot, war Heuberger sofort wieder Feuer und Flamme. Bei der U21-Weltmeisterschaft in Spanien feiert er nun seine Rückkehr auf internationaler Ebene.

Am Dienstag starteten die Deutschen mit einem 43:25-Sieg gegen Argentinien in Pontevedra im Nordwesten der iberischen Halbinsel in das Turnier. Vom Titel will Heuberger noch nicht sprechen, aber mit seiner ambitionierten Mannschaft ist dieser durchaus möglich. Weitere deutsche Gegner in Vorrundengruppe D sind Dänemark (Mittwoch, 18 Uhr), Chile (Freitag, 14 Uhr), Norwegen (Samstag, 20 Uhr) und Island (Montag, 14 Uhr). Die Achtelfinals stehen ab Mittwoch in einer Woche an, das Finale steigt am 28. Juli.

„Es ist viel passiert, wenn ich die Spieler sehe, die hier herumlaufen“, sagt Heuberger: „Gerade im athletischen Bereich.“ Längst ist er wieder voll in seine Sportart eingetaucht, die er nie so ganz losgelassen hat. „Ich war stiller Beobachter, war schon am Geschehen dran, habe Bundesligaspiele gesehen und natürlich auch die Nationalmannschaft“, sagt Heuberger. Aber eben am Fernseher, seltener in der Halle.

Nach seinem Abschied vom DHB hatte der Fachmann für sich einen harten Schnitt vollzogen und wieder als Diplom-Verwaltungswirt gearbeitet. Zuvor hatte Heuberger zwölf Jahre im Verband gewirkt. Äußerst erfolgreich vor allem im Nachwuchs. Mit den Junioren holte er 2009 und 2011 WM-Gold, 2004 und 2006 dazu EM-Titel. Aktuelle Nationalspieler wie Uwe Gensheimer, Silvio Heinevetter oder Patrick Wiencek profitierten von seiner Arbeit.

Der schwierige Bundestrainer-Job als Nachfolger des legendären Heiner Brand lag Heuberger weniger. Nachdem unter seiner Regie die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012, die EM 2014 und die WM 2015 verpasst wurde, entschied sich der DHB gegen eine Vertragsverlängerung. An den sportlichen Kompetenzen Heubergers zweifelte in der Szene aber niemand. „Gemeinsam mit Wolfgang Sommerfeld hat er im Nachwuchsleistungssport Strukturen aufgebaut und vieles entwickelt, das wir heute als alltäglich empfinden“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer und stattete Heuberger wieder mit einem Vertrag bis 2023 aus.

Das erste halbe Jahr hat dem Rückkehrer Heuberger seither „Riesenspaß“ bereitet, nun hofft er bei der WM auf starke Leistungen. Mit Sebastian Heymann (FA Göppingen) und Torhüter Till Klimpke (HSG Wetzlar) hat der U21-Trainer zwei Spieler im Kader, die auch schon in der A-Auswahl unter Christian Prokop ran durften. Weitere sollen folgen. Generell sei der Austausch mit Prokop sehr gut, sagt Heuberger. Beide telefonieren regelmäßig und tauschen sich über die verschiedenen Spieler aus. Für Heuberger ist im Prinzip vieles wie früher, außer dass damals noch Brand Bundestrainer und damit sein erster Ansprechpartner war.

Und Heuberger bereut es nicht, seine Amtsstube wieder gegen die Trainingshalle eingetauscht zu haben. Es fühle sich „schon sehr gut an, zurück zu sein“, sagt er.

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