Handball Erfolg ohne „Hollywood“ und „große Fresse“

Berlin · Mit dem Sportvorstand Stefan Kretzschmar setzt der Handball-Bundesligist Füchse Berlin zu einem Höhenflug an.

 Seit Anfang Januar ist Stefan Kretzschmar (rechts) neuer Sportvorstand der Füchse Berlin. Geschäftsführer Bob Hanning (links) hört ihm zu.

Seit Anfang Januar ist Stefan Kretzschmar (rechts) neuer Sportvorstand der Füchse Berlin. Geschäftsführer Bob Hanning (links) hört ihm zu.

Foto: dpa/Andreas Gora

Der Derbysieg gegen Magdeburg, seine bisherige Erfolgsgeschichte in der Hauptstadt, sein 47. Geburtstag: Stefan Kretzschmar hätte viele Gründe für eine zünftige Party gehabt, doch für ein rauschendes Fest fehlte dem neuen Sportvorstand des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin schlicht die Kraft.

„Ich habe mich abends schön auf die Couch gelegt und Golf geschaut. Danach wollte ich eigentlich noch das NBA-Allstar-Spiel schauen, doch ich bin noch vor Mitternacht eingeschlafen“, sagte Kretzschmar mit Blick auf die Nacht von Sonntag auf Montag, seinem Ehrentag. Statt feucht-fröhlicher Fete ging es am Abend noch zum Essen mit den Schwiegereltern, das war’s.

Kretzschmar ist ruhiger geworden. Die großen Partys überlässt er inzwischen anderen, sein voller Fokus gilt seiner neuen Aufgabe in Berlin. Der Sieg im Verfolgerduell gegen den SC Magdeburg am Sonntag rundete eine perfekte Woche für ihn ab. „Es herrscht momentan ein hoher Zufriedenheitsgrad. Spieler, Trainer und Fans in der Halle – alle sind glücklich“, sagte Kretzschmar: „Man spürt, es geht voran.“

Das hat freilich nicht nur, aber auch nicht unwesentlich mit dem Namen Kretzschmar zu tun. Fünf Siege holten die Füchse zuletzt. Als Tabellendritter hat der Club vor dem Saison-Endspurt mittlerweile wieder Tuchfühlung zur Spitze. Und mit dem Transfer von 2,15-Meter-Gigant Dainis Kristopans gelang Kretzschmar in der vergangenen Woche ein echter Coup.

„Dass wir ein bisschen Richtung Champions League schielen, ist klar“, sagte Kretzschmar: „Ich bin aber kein Freund davon, nach einem Sieg mit einem Tor gegen Magdeburg den Fehde-Handschuh gen Kiel in den Ring zu werfen. Wir tun gut daran, realistisch zu bleiben. Uns fehlt noch eine ganze Menge im Vergleich zu Kiel, allein budgetär sind das vier, fünf Millionen Euro.“

Kretzschmar wirkt geerdet. Mit den Berlinern hat er in den kommenden Jahren große Ziele, will den Club zusammen mit Geschäftsführer Bob Hanning („Wir haben ein sehr harmonisches Verhältnis“) an die nationale Spitze führen. Doch Realismus soll dabei stets an erster Stelle stehen – eine Tugend, die er bei den Fußballern von Hertha BSC zuletzt offensichtlich vermisst hat.

Ob die Vision vom „Big City Club“ oder der Abschied von Jürgen Klinsmann: Die jüngsten Vorgänge bei Hertha BSC, einem mächtigen Mitbewerber auf dem Berliner Sportmarkt, kann Kretzschmar nicht nachvollziehen. „Natürlich gehört es zum Teil des Selbstverständnisses von Clubs in der Hauptstadt, erfolgreich sein zu wollen, doch das sollte nie aufgesetzt sein, sondern mit Qualität unterfüttert“, sagte er: „Das mit Jürgen Klinsmann wirkte aufgesetzt, theatralisch und ein bisschen zu viel nach Hollywood.“

Ambitionierte Ziele stünden auch der Hertha gut, sie sollten aber realistisch sein. „Träumereien können dir da ganz schnell auf die Füße fallen. Da gilt man schnell als Mannschaft mit großer Fresse“, sagte Kretzschmar. Und seine Ziele mit den Füchsen? Man wolle „in zwei bis drei Jahren als absolutes Spitzenteam wahrgenommen werden.“

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