Filip Jicha ist als neuer Trainer des THW Kiel Nachfolger von Gislason

Handball-Bundesliga : Der Name Jicha klingt wie ein Versprechen

Als Profi hat er alles gewonnen. Jetzt startet der ehemalige Welthandballer aus Tschechien in seine zweite Karriere als Trainer des THW Kiel. Dort tritt er nach dem Abgang von Alfred Gislason in große Fußstapfen.

Mit frischer Urlaubsbräune um die Nase und einem erwartungsfrohen Lächeln auf den Lippen betrat Filip Jicha seinen neuen Hoheitsbereich: Nach dem Ende der erfolgreichen Ära Alfred Gislason gibt künftig der Tscheche in der Kabine des Handball-Rekordmeisters THW Kiel den Ton an. Am vergangenen Sonntag startete der 2,02 Meter große Hüne in seine erste Vorbereitung als Cheftrainer.

Zu sehr auf den Pfaden seines hochdekorierten Vorgängers Gislason will Jicha dabei nicht wandeln. „Ich mache vieles anders. Jeder Trainer hat seine eigene Persönlichkeit, seine eigene Philosophie. Ich will meinen eigenen Weg gehen“, sagte der 37-Jährige voller Energie und Elan. Nach dem Aufgalopp standen am Montag erste Leistungstests an.

Der Name Jicha klingt in Kiel noch immer wie ein Versprechen. Als verantwortlicher Coach ist der einst beste Spieler der Welt aber ein Neuling, der THW beförderte ihn schon nach einem Jahr zum Assistenten von Gislason und geht in der Personalie durchaus ein Risiko ein.

Jicha ist entschlossen, das Vertrauen zurückzuzahlen: „Ich habe die Erwartung, dass wir uns als Mannschaft entwickeln. Und ich habe persönlich das Ziel, dass sich jeder meiner Spieler weiterentwickelt.“ An der Seite des neuen Geschäftsführers Viktor Szilagyi will er in allen Wettbewerben angreifen.

Doch Jicha weiß um die Schwere der Aufgabe. „Als Mannschaft auf fünf Hochzeiten zu tanzen heißt, dass wir die Vorbereitung optimal nutzen müssen, um unsere Stärken noch stärker zu machen. Ohne Grundlagen hat kein Team dieser Welt Erfolg, diese vier bis fünf Wochen Vorbereitung sind die Basis für Erfolg“, sagte Jicha, der 2010 Welthandballer war und 2017 seine Karriere beendete.

Triumphe in der Champions League, in der Liga und im Pokal – als der Rückraumkoloss Jicha noch selbst für die Tore der Zebras sorgte, zählte der THW zur absoluten Spitze in Europa. Mit Jichas Abschied zum FC Barcelona im Sommer 2015 begann an der Förde eine Zeit des Umbruchs. Vier Jahre in Folge verpasste der erfolgsverwöhnte Club die Meisterschaft – eine Ewigkeit für Kieler Verhältnisse.

In Gislasons Abschiedssaison mit Rang zwei in der Liga, dem Pokalsieg und einem Triumph im EHF-Cup mehrten sich aber wieder die positiven Signale. Große Talente wie der Schwede Lukas Nilsson oder der Österreicher Nikola Bilyk wachsen in größere Rollen, 2020 kommt in Sander Sagosen ein Weltklasse-Athlet von Paris St. Germain hinzu.

Auf die Ankunft des Norwegers kann Jicha aber nicht warten, er will schon in der kommenden Saison durchstarten. Seinen Akku hat er im Familienurlaub mit viel sportlichem Programm aufgeladen für eine lange Saison, die mit dem Supercup in Düsseldorf gegen Meister SG Flensburg-Handewitt am 21. August beginnt.

Nach dem Bundesliga-Auftakt gegen Frisch Auf Göppingen vier Tage später wird es dann schon richtig anstrengend. Der THW hat eine Wildcard für die Club-WM „Super Globe“ vom 27. bis 31. August in Saudi-Arabien erhalten. Und auch in der Champions League ist das Schwergewicht der Branche nach einem Jahr Abstinenz wieder vertreten. „Wir sind wieder dort, wo der THW Kiel hingehört. Es muss unser Ansporn sein, uns stets mit den Besten messen zu wollen“ – Jicha ist bereit, die durchaus schwierige Aufgabe anzupacken.

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