Erfolgs-Trainer Gislason und Jacobsen vor dem Abschied

Handball : Schillernde Figuren vor dem Abschied

Alfred Gislason und Nikolaj Jacobsen verlassen nach dem letzten Spieltag die Handball-Bundesliga.

Alfred Gislason zieht es in den häuslichen Garten zu seinen Rosen, Nikolaj Jacobsen in die Heimat zu seiner Familie. Im 59 Jahre alten Isländer und dem 47-jährigen Weltmeister-Trainer aus Dänemark verliert die Handball-Bundesliga am Saisonende zwei schillernde Trainer-Figuren. „Sie haben die Liga geprägt, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem Schluss ist“, sagt Deutschlands Handball-Legende Heiner Brand: „Bei beiden ist sicher Wehmut dabei, aber auch Vorfreude auf ruhigere Zeiten.“

Während Jacobsen schon in der Vorwoche beim letzten Heimspiel seiner Rhein-Neckar Löwen einen emotionalen Abschied erlebte, möchte sich Gislason nach elf Erfolgsjahren beim THW Kiel am liebsten mit dem Meistertitel in den sportlichen Ruhestand verabschieden. „Es war eine wundervolle Zeit und eine große Ehre, diesen Verein zu trainieren“, sagt er vor seinem letzten Bundesligaspiel an diesem Sonntag (15 Uhr) gegen den TSV Hannover-Burgdorf und dem Fernduell mit Spitzenreiter Flensburg. Zwei Punkte liegt der THW dahinter und muss auf einen Patzer der SG beim Bergischen HC hoffen. Das Torverhältnis spricht für Kiel.

22 Jahre lang hat Gislason in der Bundesliga gearbeitet, fünf Mal wurde er zum Trainer des Jahres gekürt. 1997 kam der Rotwein-Liebhaber aus Island zum VfL Hameln, zwei Jahre später wechselte er zum SC Magdeburg. Dort nahm seine Erfolgs-Karriere richtig Schwung auf: 2001 gewann er mit dem Traditionsverein erstmals die Meisterschaft und den EHF-Pokal. Ein Jahr später folgte der Champions-League-Triumph. Noch heute wohnt der Vater von zwei Söhnen und einer Tochter mit Ehefrau Kara um die Ecke in dem kleinen Dorf Wendgräben – und will auch dort bleiben.

Einem zweijährigen Intermezzo beim VfL Gummersbach (2006 bis 2008) folgte der Wechsel zum THW Kiel, mit dem er 20 Titel gewann: je sechs Mal die Meisterschaft und den DHB-Pokal, vier Mal den Supercup, zwei Mal die Champions League sowie je einmal den EHF-Pokal und die Club-WM. „Er hat da Akzente gesetzt“, würdigt Brand den Isländer: „Der Meistertitel wäre ein glanzvoller Abschied für ihn.“

Auch wenn das Feuer längst nicht erloschen ist, hat sich Gislason bewusst für den Rückzug entschieden. „Ich werde dieses Jahr 60. Es ist Zeit, an eine neue Trainer-Generation zu übergeben“, sagt er. Filip Jicha soll als sein Nachfolger die Erfolgs-Ära fortsetzen. Für seine eigene Zukunft hat Gislason noch keine konkreten Pläne. Nur eines ist klar: Der Historiker will Abstand vom Handball, der sein ganzes Leben bestimmte. „Ich werde versuchen, die Zeit ohne den Drei-Tage-Rhythmus und acht Stunden beim Videostudium zu genießen“, sagt der leidenschaftliche Rosenzüchter. Wie lange er das durchhält, weiß der frühere Rückraumspieler selbst nicht: „Ich würde es gerne schaffen, bis ins neue Jahr eine Pause zu machen.“ Danach könne er sich ein neues Engagement vorstellen – allerdings nicht mehr in der Bundesliga. Es sei naheliegend, sich dann „mit einer Nationalmannschaft zu beschäftigen“.

So wie es Jacobsen tut, der nach fünf Jahren bei den Rhein-Neckar Löwen aufhört und sich künftig neben Ehefrau Lenette und seinen drei Kindern nur noch der dänischen Auswahl widmet. „Es ist einfach alles zu viel geworden. Ich habe lange Zeit nicht gut geschlafen“, begründet Jacobsen den Teil-Rückzug aus seiner Doppelfunktion.

Meister-Macher Nikolaj Jacobsen verlässt die Rhein-Neckar Löwen. Foto: dpa/Uwe Anspach

Mit den Löwen gewann er seit der Amtsübernahme 2014 zwei Mal die Meisterschaft, den DHB-Pokal und drei Mal den Supercup. Er hinterlässt eine Lücke, die Kristjan Andresson schließen soll. „Nikolaj hat den Jungs eine unglaubliche Siegermentalität eingehaucht“, sagt der sportliche Leiter Oliver Roggisch.

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