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Karlsruher SC: KSC denkt an Planinsolvenz während Corona-Krise

Fußball-Zweitligist ist finanziell klamm : Die „charmante“ Planinsolvenz

Finanziell angeschlagener Karlsruher SC könnte sich Corona-Krise zunutze machen.

Der Schnappschuss vor dem Stadion beschreibt die prekäre Lage des Karlsruher SC ganz gut. Dort auf dem weißen Schild, wo üblicherweise in blauen Lettern der nächste Gegner angekündigt wird, steht aktuell nämlich: nichts. „Kein Heimspiel in Sicht“, twitterte der KSC – und begründete damit auch die Gedankenspiele der Verantwortlichen über eine Insolvenz in Eigenverantwortung.

„Diese Lösung klingt generell erst mal charmant, natürlich auch wegen der Ankündigung der Deutschen Fußball-Liga“, sagt KSC-Geschäftsführer Michael Becker. Die DFL hatte in der vergangenen Woche nach der virtuellen Mitgliederversammlung mitgeteilt, dass im Falle einer Insolvenz vom üblichen Abzug von neun Punkten in dieser Saison aufgrund der Coronakrise abgesehen wird. Der badische Traditionsclub könnte sich somit ohne sportliche Folgen sanieren, bei einem Klassenverbleib in der kommenden Saison in der 2. Liga weiterspielen. Allerdings warnte Becker vor einer Entscheidung ohne Beratung, denn „so ein Entschluss hinterlässt auch Geschädigte, der Verein würde zudem an Vertrauen verlieren“.

Vor diesem Hintergrund stehen den Beteiligten intensive Gespräche bevor. Auf der Internetseite des KSC ist die Rede von einer Einbeziehung „aller Interessensgruppen“ in den Prozess, also von: „Mitgliedern, Fans, Partnern, Investoren und Hauptgläubigern“. Vor allem die müssten den Planungen zustimmen – was angesichts von kolportierten Verbindlichkeiten in zweistelliger Millionenhöhe ambitioniert werden dürfte. Die hohen Verpflichtungen sind größtenteils Altlasten unter anderem aus den Jahren in der 3. Liga. Um die zu begleichen, hatte der Verein die Profimannschaft 2019 zunächst in eine GmbH und Co. KGaA ausgliedert und dann einen Aktienverkauf gestartet. „Dies klappt aufgrund der Corona-Krise aktuell aber nicht wie erhofft“, äußerte Becker.

Der Geschäftsführer hatte bereits vor wenigen Tagen ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Situation gezeichnet. „Vorausgesetzt die TV-Gelder kommen“, sagte der 35-Jährige, „sind wir nach aktueller Planung bis zum 30. Juni gut aufgestellt.“ Allerdings: Wer weiß derzeit, ob schon bald wieder gespielt werden kann?

Und was wird geschehen, wenn wie von einigen Experten prophezeit erst im kommenden Jahr wieder in vollen Stadien der Ball rollen wird? Die Zuschauereinnahmen des KSC haben in etwa den Umfang von einem Drittel der TV-Erlöse. Auf Dauer würde der langjährige Bundesligist Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit kaum stemmen können.