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WM 2022 in Katar: ​Darf man bei WM-Toren überhaupt jubeln?

Kolumne: Katar – die wüste Winter-WM : Darf man bei Toren überhaupt jubeln? Über das deutlich andere WM-Gefühl 2022

Die Begeisterung für die Fußball-WM in Katar hält sich in Deutschland in Grenzen. Das spürt jeder. Aber siegt die Liebe zum Fußball am Ende doch und lässt die Diskussionen um die Menschenrechte vergessen?

Diese Weltmeisterschaft ist anders. Meinungsfreiheit, Menschenrechte, Rufe nach Boykott. Ganz viele Menschen lassen den Fernseher in diesen Tagen tatsächlich aus. Es geht auch erstaunlich selten um Fußball, wenn er angeschaltet ist.

Polen gegen Saudi-Arabien? Das muss man sich nicht geben

Und was, wenn doch? Fühlt sich das an wie immer? Siegt die Liebe zum Fußball letztlich doch und macht alles vergessen, worüber die Weltöffentlichkeit diskutiert? Als Richarlison am vergangenen Donnerstag diesen spektakulären Seitfallzieher gegen Serbien ins Netz nagelte, zuckte der eigene Körper auf der Couch kurz zusammen. Kein euphorisches Aufspringen, kein Jubel, eher ein verhaltener Blick nach links und rechts – darf man bei WM-Toren in Katar überhaupt jubeln?

Meine Quote an gesehenen WM-Spielen ist überschaubar. Das war auch schon mal anders. Polen gegen Saudi-Arabien? Das muss man sich nicht geben. Aber wenn die besten Teams auf dem Rasen stehen, die Stars der Szene, dann kommt man als Fußballer doch nicht drumherum, oder?

Nervenkitzel in Stadien steigt – und in den Wohnzimmern?

Als der Franzose Adrien Rabiot am Samstag gegen Dänemark wie Richarlison abhob und den Ball perfekt traf, war dieses Zucken wieder da. Rabiot schoss drüber, und die Frage nach der Erlaubnis eines emotionalen Gefühlsausbruchs schnell verflogen.

Die K.o.-Spiele in Katar rücken näher, der Nervenkitzel in den Stadien steigt. Jetzt beginnt die Phase, in der Helden auf dem Rasen geboren werden. In den Wohnzimmern in Deutschland läuft dann aber auch mal der Superhelden-Film im anderen Sender.