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Wiedersehen mit dem „Fels“ van Dijk

Fußball : Wiedersehen mit dem „Fels“ van Dijk

Die deutschen Nationalspieler schwärmen von Europas Fußballer des Jahres. Dem Niederländer winkt eine weitere Ehrung.

Jürgen Klopp adelt ihn als „absoluten Weltklassespieler“, für Joachim Löw ist er ein „Fels in der Brandung“: Virgil van Dijk ist vor dem Klassiker zwischen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und Oranje an diesem Freitag in Hamburg (20.45 Uhr/RTL) in aller Munde. Im Land der früheren Offensiv-Künstler Johan Cruyff, Marco van Basten oder Patrick Kluivert ist der Innenverteidiger der große Star.

Nach einer überragenden Saison mit dem FC Liverpool und dem Gewinn der Champions League durfte sich der 28-Jährige zuletzt über eine besondere Ehrung freuen. Als erster Abwehrspieler seit dem Italiener Fabio Cannavaro im Jahr 2006 wurde van Dijk zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. „Er ist ein super Spieler, die Auszeichnung spricht für sich, ich freue mich für ihn“, sagte der Leverkusener Jonathan Tah.

Van Dijk selbst bedankte sich artig bei „meiner Familie und all meinen Teamkameraden. Ohne sie hätte ich das nicht erreichen können“, sagte er: „Es war ein langer Weg. Aber ich brauchte es so. Ich war niemand, der als 18-Jähriger schon seinen Weg gemacht hat. Ich bin sehr stolz, diesen Preis zu bekommen.“

Die höchste aller Auszeichnungen ist für van Dijk ebenfalls möglich. Gemeinsam mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, die er bereits bei der europäischen Ehrung hinter sich ließ, steht der Liverpooler in der Endauswahl um den Titel des Weltfußballers. Die Verleihung ist am 23. September in der Mailänder Scala. Van Dijk wäre erst der zweite Niederländer nach van Basten 1992, dem diese Ehre zuteil wird.

84,5 Millionen Euro ließ sich Klopp den Niederländer Anfang 2018 kosten, nie zuvor wurde für einen Verteidiger so viel Geld gezahlt. Doch die Kritiker, die es unmittelbar nach der Bekanntgabe zuhauf gab, mussten schnell gestehen, dass van Dijk jeden Cent wert ist. Der Aufschwung der Reds ist eng mit dem Namen des 1,93-Meter-Hünen verbunden. Er stabilisierte die Defensive gemeinsam mit Torwart-Neuzugang Allison, sodass die Offensive um Mohamed Salah und Sadio Mané so richtig glänzen konnte.

„Virgil ist einer der Besten, wenn nicht sogar der Beste“, sagte der zuletzt in Topform aufspielende Timo Werner vom Bundesliga-Spitzenreiter RB Leipzig anerkennend: „Wenn man neben ihm steht, wird es relativ schnell dunkel. Wenn er in der falschen Richtung steht, bekommt man wenig Sonne ab.“

Gebürtig aus Breda stammend, spielte sich van Dijk in seiner Heimat schon in frühen Jahren in den Fokus. „Mit Jugendspielern werden ja oft Witze gemacht, oder sie werden gefoppt – aber das war bei ihm nicht der Fall“, sagte der frühere niederländische Nationalspieler Pieter Huistra dem kicker: „Alle Spieler hatten sofort das Gefühl: Der macht uns besser.“

Eine anfänglich problematische Vorliebe zu Pizza und Pommes, als er 2010 von Willem II zum FC Groningen wechselte, bekamen die Verantwortlichen schnell in den Griff. „Das ist ein Beispiel seines Lernprozesses in der Entwicklung zum Top­sportler“, sagte Huistra.

„Er wurde über viele Jahre unterschätzt“, sagte Bundestrainer Löw, „aber in den letzten zwei, drei Jahren, vor allem auch bei Liverpool, ist er der Fels in der Brandung, auch bei der Nationalmannschaft.“ Und Vereinstrainer Klopp unterstrich: „Es gibt im Moment tatsächlich keinen Besseren. Dementsprechend glücklich sind wir, dass wir ihn bei uns in Liverpool haben.“

Auf die deutsche Offensive wartet in Hamburg also jede Menge Arbeit, um an van Dijk vorbeizukommen. Unmöglich ist das aber nicht, wie die DFB-Elf im März zeigte. Im ersten Aufeinandertreffen in der EM-Qualifikation in Amsterdam gewann das Löw-Team mit 3:2.