Welt-Referee und Werbe-Ikone Collina feiert 60. Geburtstag

Fußball : Welt-Referee und Werbe-Ikone: Collina feiert 60. Geburtstag

Italiener ist inzwischen Schiedsrichter-Chef bei der Fifa.

Die Debatten um härteres Durchgreifen oder mangelnde Autorität waren Pierluigi Collina zu seinen besten Zeiten völlig fremd. Wenn „Glatze Gnadenlos“ mit weit aufgerissenen Augen und einem Karton in der Hand einen Übeltäter ins Visier nahm, trollte sich der Sünder meist zügig. Es ist vor allem das Charisma des Italieners, der an diesem Donnerstag sein 60. Lebensjahr vollendet, das ihm den Ruf des besten Fußball-Schiedsrichters der Geschichte einbrachte.

Tatsächlich wurde Collina von 1998 bis 2003 sechs Mal in Folge zum Welt-Referee des Jahres gewählt. Das hat vor und nach ihm keiner seiner Kollegen geschafft. Den Aufstieg zum weltweit bekanntesten Schiedsrichter schaffte Collina aber nicht nur wegen seiner Leistungen. Es war seine markante Erscheinung, die ihn berühmt machte. Schuld daran war eine gesundheitliche Beeinträchtigung. Im Alter von 24 Jahren erkrankte Collina an einer Autoimmunkrankheit, bei der das eigene Immunsystem die Haarfollikel angreift. Bei Collina führte die Krankheit zum kompletten Verlust der Körperbehaarung – einschließlich Augenbrauen und Wimpern.

„Ich verlor meine Haare in einer Zeit, als dieser Look längst keine Mode wie heute war“, sagt Collina: „Damals wurde mir ernsthaft gesagt: Jetzt pausierst du mal ein paar Monate mit dem Pfeifen, vielleicht wachsen die Haare ja wieder.“

Seiner Karriere schadete die Krankheit nicht – im Gegenteil. Der unverwechselbare Mann aus Bologna stieg zur Werbe-Ikone auf. Reklame für Uhren, Sportartikel, Tiefkühlkost, Modefirmen und Autos machten den verheirateten Vater zweier Töchter zum Millionär. „Der Look wurde zu einer Art Markenzeichen und einige sagten: Die Glatze hat dir zum exponierten Image geholfen. Stimmt“, gibt Collina unumwunden zu: „Wäre ich aber als Schiedsrichter grottenschlecht gewesen, hätte ich keine Finals nur wegen des Kahlkopfs geleitet.“

Seine Laufbahn trieb Collina stets weiter voran. Über seine Erfahrungen als Schiedsrichter schrieb er das auch in Deutschland erschienene Buch „Was mich der Fußball über das Leben lehrte“. Lehren ist heute die Hauptaufgabe Collinas. Schließlich wurde er vor zehn Jahren Chef der Schiedsrichter-Kommission bei der Uefa. Vor drei Jahren übernahm Collina dasselbe Amt dann auch beim Weltverband Fifa.