Verbleib von Boateng beim FC Bayern wieder ein Thema

Fußball : Boateng ist kein Fremdkörper mehr

Ein Verbleib des Ex-Nationalspielers beim FC Bayern ist plötzlich wieder ein Thema. In der Vorbereitung überzeugt er.

Jérôme Boateng wirke wie „ein Fremdkörper“. Es wäre für den Verteidiger besser, „sich einen neuen Verein zu suchen“, sagte Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß in aller Deutlichkeit. Acht Wochen ist das her, ein Abschied des Rio-Weltmeisters galt damals als sicher. Und jetzt? Boateng ist immer noch beim deutschen Fußball-Rekordmeister – sogar ein Verbleib scheint inzwischen nicht mehr ganz ausgeschlossen.

Das Thema sei „noch nicht final entschieden“, sagte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge am Rande eines Besuchs der Bayern im Space Center der Nasa in Houston – zur allgemeinen Überraschung. Man werde nun „in aller Ruhe abwarten, wir müssen auch schauen, was noch auf dem Transfermarkt passiert. Dann werden wir mit ihm besprechen, wie wir weiter vorgehen.“

So radikal wie bei Hoeneß klang dies längst nicht mehr. In der bisherigen Vorbereitung präsentiere sich der 30 Jahre alte Abwehrspieler „sehr gut“, ergänzte der Bayern-Boss auf der Münchner US-Tour sogar wohlwollend. Auch Trainer Niko Kovac war plötzlich voll des Lobes für Boateng, den er zum Ende der vergangenen Saison weitgehend ignoriert hatte: „Das war so, wie wir ihn alle kennen. Sportlich gesehen bin ich mit ihm sehr zufrieden.“

Boateng hatte in der Nacht auf Sonntag beim 3:1 der Bayern gegen Real Madrid 90 Minuten gespielt – und überzeugt. Dass er unmittelbar danach aus Texas nach Deutschland zurückflog, sorgte sofort wieder für Spekulationen über einen bevorstehenden Wechsel. Die spontane Abreise habe jedoch „exklusiv private Gründe“, betonte Rummenigge.

So oder so, die Situation bleibt verworren – für beide Seiten. Boateng sieht sich als Stamm- und Führungsspieler. Angesichts der millionenschweren Einkäufe von Lucas Hernández und Benjamin Pavard sowie der Konkurrenz von Niklas Süle droht dem ehemaligen Nationalspieler in München aber erneut eine Saison in einer undankbaren Nebenrolle. Kollege Mats Hummels hatte diese Gefahr für sich auch gesehen und ist zurück bei Borussia Dortmund – Boateng ist noch da.

Die Bayern wiederum wollen sich keinen unzufriedenen Boateng leisten, der seinen Missmut erneut offen zur Schau trägt und so für Unruhe sorgt. Bisher gibt es offenbar aber keinen adäquaten Abnehmer, der zum einen Boatengs hohen Ansprüchen genügt und zum anderen die Ablöse in Höhe von rund 15 Millionen Euro bezahlt.

Aktuell schweigt Boateng zu seiner Zukunft, zuletzt hatte er aber seine Ambitionen unterstrichen. „Ich möchte keinesfalls meine Karriere ausklingen lassen, im Gegenteil. Gerade nachdem ich in der letzten Saison so oft gebremst wurde, will ich zeigen: Ich bin noch voll da. Ich brenne immer noch. Ich bin heiß“, betonte er zuletzt im kicker.

Dabei überraschte er auch mit der Aussage, sich „klar“ vorstellen zu können, „dass es auch beim FC Bayern“ weitergehen könne. „Ich werde hier bestimmt nicht wegrennen. Situationen verändern sich schnell“, sagte Boateng, dessen Vertrag noch bis 2021 läuft. Auch Kovac hatte zum Start der Vorbereitung erklärt, dass man „niemanden abschreiben“ dürfe. Fremdkörper hin oder her.

Mehr von Saarbrücker Zeitung