Türkische Nationalspieler zeigen Militärgruß beim 1:1 gegen Frankreich

Skandal in der EM-Qualifikation : Wieder ein militärischer Gruß aus der Türkei

Das erneute Salutieren der türkischen Nationalspieler beim 1:1 in Frankreich drängt das Sportliche in den Hintergrund.

Als die meisten seiner türkischen Mitspieler vor den feiernden Fans den rechten Arm zum militärischen Gruß hoben, senkte Kaan Ayhan den Kopf. Der Abwehrspieler von Fortuna Düsseldorf tippte seinen Vereinskollegen Kenan Karaman kurz an und wendete sich dann zügig ab. Beim Verlassen des Platzes führte Ayhan (24) noch einen Disput mit seinem Mitspieler Merih Demiral, weil er kein Interview mit dem türkischen Fernsehsender führen wollte.

Und so endete ein eigentlich großer Fußballabend für den gebürtigen Gelsenkirchener, der beim respektablen 1:1 (0:0) im EM-Qualifikationsspiel der Türkei bei Weltmeister Frankreich per Kopf den Ausgleich (82.) erzielt hatte, frustrierend. Das erneute Salutieren seiner Teamkollegen beim Torjubel und nach dem Schlusspfiff drängte das Sportliche in den Hintergrund. Die Geste wird als Bezug auf die Offensive türkischer Streitkräfte in Nordsyrien gewertet und könnte für den türkischen Verband Konsequenzen haben, denn es ist ein Wiederholungsfall. Bereits drei Tage zuvor hatten türkische Nationalspieler beim Heimsieg gegen Albanien (1:0) beim Torjubel salutiert – darunter auch Ayhan und Karaman. Im Stade de France verzichteten die beiden aber auf den Militär-Gruß.

Das Regelwerk der Uefa verbietet politische Äußerungen in Stadien. Der europäische Verband gab am Dienstag bekannt, „erst die offiziellen Spielberichte zu analysieren und dann über etwaige Maßnahmen zu entscheiden“. Sanktionen von einer Ermahnung über eine Geldstrafe bis hin zu einer Platzsperre oder gar Punktabzüge sind möglich. Eine harte Strafe gilt aber als unwahrscheinlich, weil die Uefa den Spielern nachweisen müsste, dass sie mit der Geste tatsächlich die umstrittene Türkei-Offensive in Nordsyrien befürworten. Ayhan und Karaman hatten nach dem Albanien-Spiel ihrem Verein Fortuna Düsseldorf versichert, dass es sich bei ihnen lediglich um eine „Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen“ gehandelt habe.

Wenn es nach dem türkischen Nationaltrainer Senol Günes geht, gibt es nichts aufzuarbeiten. „Bei diesem militärischen Gruß geht es nicht darum, eine negative Haltung zu demonstrieren“, sagte der 67-Jährige: „Wir wollen nicht, dass unsere Soldaten in ein anderes Land gehen. Aber wenn es hier in Frankreich Gewalt gäbe, denke ich, dass die Franzosen dasselbe tun würden wie wir.“ Man habe mit der Aktion lediglich „unsere Soldaten unterstützen“ wollen. Merih Demiral von Juventus Turin etwa ging beim Salutieren voller Inbrunst voraus und versuchte auch energisch, Mitspieler wie Ayhan zum Mitmachen zu bewegen.

Die Geste hat längst auch in Deutschland Nachahmer gefunden. Nachdem im Bereich des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) am vergangenen Wochenende Spieler bei mindestens zwei Partien nach Toren in Richtung der Zuschauer salutiert hatten, teilte der BFV mit, dass „ein solches provozierendes Verhalten nicht toleriert und jeder einzelne Fall zur Anzeige vor dem Sportgericht gebracht wird“.