Fußball Infantino gibt sich als gnädiger Wegbereiter

Frankfurt · Trotz der Rücksicht des Weltverbands-Chefs und der Verschiebung der neuen Club-WM droht im Fußball ein Terminchaos.

 Gianni Infantino, der Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa, will für sein Prestige-Projekt, die neue Club-WM, einen neuen Termin suchen.

Gianni Infantino, der Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa, will für sein Prestige-Projekt, die neue Club-WM, einen neuen Termin suchen.

Foto: dpa/Ding Ting

Die Verlegung der EM war gerade einmal zwei Stunden alt, da trat Gianni Infantino als gnädiger Wegbereiter der historischen Entscheidung auf die Bühne. „Solidarität, gegenseitiger Respekt und Verantwortung“, betonte der Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa, seien insbesondere in diesen Zeiten unabdingbar. Und natürlich war er deshalb auch bereit, auf sein Prestigeprojekt zu verzichten.

Die Club-WM, Infantinos neueste Gelddruckmaschine, muss plötzlich nicht mehr im Sommer des kommenden Jahres ausgetragen werden. Die Fifa und ihr umtriebiger Chef räumen den Platz – ausgerechnet zugunsten der Europäischen Fußball-Union (Uefa), des ewigen Rivalen, der somit die paneuropäische EM-Endrunde (11. Juni bis 11. Juli) genau ein Jahr später als geplant austragen kann.

Es muss befürchtet werden, dass Infantino für seine Großzügigkeit im Gegenzug ebenfalls Zugeständnisse gefordert und erhalten hat. Die Uefa gilt schließlich als großer Kritiker der Club-WM, der Gegenwind wird in Zukunft abnehmen. „Die Fußballgemeinschaft muss Einigkeit und Altruismus zeigen“, wurde Uefa-Präsident Aleksander Ceferin in der Mitteilung des europäischen Dachverbands zitiert, der bei dem Turnier acht Teams stellen soll.

Die sind mittlerweile durchaus angetan vom neuen Format der Club-WM, die nach einer Reform im vergangenen Jahr künftig alle vier Jahre mit 24 Mannschaften ausgespielt wird. Die Premiere findet in China statt, wo unter anderem Wuhan als Austragungsort vorgesehen ist. Über einen neuen Zeitpunkt will Infantino mit seinen Fifa-Kollegen diskutieren, „sobald mehr Klarheit über die aktuelle Situation herrscht“.

Spekuliert worden war zuletzt über eine fixe Antrittsprämie für jeden Teilnehmer von rund 50 Millionen Dollar, dem Sieger winken angeblich weitere 115 Millionen Dollar. Ein nettes „Schmerzensgeld“ angesichts des ohnehin bereits vollgepackten Terminkalenders, der wegen der Corona-Pandemie und der derzeitigen Zwangspause in den kommenden Monaten und Jahren noch dichter aussehen dürfte. Denn die Verschiebung der EM bringt nicht nur Vorteile.

Abgesehen davon, dass zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht feststeht, wann wieder gespielt werden kann, haben sich die Clubs und Ligen in Europa für den Fall der Fälle ein knallhartes Programm auferlegt. Bis zum 30. Juni sollen die Meisterschaften beendet werden, der Uefa dürfte zudem einiges daran liegen, die Champions und Europa League auszuspielen. Es drohen also ausnahmslos englische Wochen.

„Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Uefa, Ligen und Clubs wird umgehend alle relevanten Angelegenheiten diesbezüglich prüfen“, teilte die Uefa mit. Auf viel Freizeit sollten sich die Profis aber nicht einstellen: Im kommenden Sommer findet bekanntlich die EM statt, ein Jahr später muss die Winter-WM in Katar berücksichtigt werden, zudem soll irgendwann auch wieder in der Nations League ein neuer Sieger gekrönt werden. Dies war ursprünglich für Anfang Juni 2021 vorgesehen. Und dann ist da ja noch die Club-Weltmeisterschaft. Wann auch immer diese steigt, in Europa muss der neue Termin klaglos akzeptiert werden. „Der Fußball hat mit Offenheit, Solidarität und Toleranz sein bestes Gesicht gezeigt“, sagte Ceferin, als er sich am Dienstag artig bei Infantino bedankte. Gleiches wird künftig nun auch von ihm und der Uefa erwartet.

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