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Traum vom Profi erfüllt sich in Nachwuchsleistungszentren (NLZ) selten

Bilanz der Nachwuchsleistungszentren : Der Traum vom Profi erfüllt sich selten

Nur 70 von 5588 Talenten schaffen den Sprung: Die Talentsuche und -förderung ist und bleibt eine Dauerbaustelle im deutschen Fußball. In den Nachwuchsleistungszentren soll es künftig weniger Kontrolle und mehr Innovation geben.

Der Traum vom Profifußballer erfüllt sich selbst für Toptalente nur selten. 70 Spieler aus den Leistungszentren schaffen jährlich den Sprung in die 1. oder 2. Bundesliga. Diese Zahl gab die Deutsche Fußball Liga jetzt in Frankfurt bekannt. „Die Prozentzahl ist einstellig und wirklich sehr klein“, räumte Daniel Feld, Leiter Nachwuchs und Leistungszentren bei der DFL, ein. Genauer gesagt liegt sie zwischen 1,2 und 1,3 Prozent. Mit neuen Methoden will die Dachorganisation die Förderung in den Zentren vorantreiben, die für die Proficlubs Voraussetzung der Lizenzierung sind.

Nach DFL-Angaben werden durchschnittlich 5588 Spieler im Alter von zwölf Jahren an in den Zentren ausgebildet und spielen in 279 Mannschaften. Nach dem EM-Debakel der deutschen Nationalmannschaft 2000 wurden die Nachwuchsleistungszentren zur Pflicht gemacht. Als Deutschland 2014 Weltmeister wurde, konnte sich der Deutsche Fußball-Bund rühmen, dass Stars wie Thomas Müller, Manuel Neuer und Mario Götze in diesen ausgebildet worden waren. Das frühe Aus bei der WM 2018 in Russland hat die Sorge um den Nachwuchs wieder vergrößert – auch wenn zuletzt die deutsche U21 im EM-Finale stand.

„Irgendwann im Fernsehen zu sein und berühmt werden“ – dieser Wunsch eines U19-Spielers des FC Bayern München in einem DFL-Spot spiegelt den Wunsch der speziell geförderten Talente wider. Denn insbesondere beim Branchenprimus, der mit dem jüngsten Bau des „FC Bayern Campus“ neue Maßstäbe setzte, ist die Durchlässigkeit gering, der Weg nach oben ganz schwer.

Auch sonst gelingt der Sprung ins Profigeschäft sehr selten. Verbände und Vereine verstehen die Eliteförderung als Schule fürs Leben und als einen Prozess, wo eben nicht alle ganz oben ankommen. Zumal DFL, DFB und Clubs für sich in Anspruch nehmen, dass die Bildungsarbeit bei den Talenten nicht vernachlässigt, sondern zusätzlich gefördert wird – zum Beispiel durch Eliteschulen. „Da sind wir im Vergleich mit vielen anderen Ländern führend“, sagte Feld.

Seit 2001 haben die Clubs 1,57 Milliarden Euro in die Nachwuchsleistungszentren investiert. Das Alter der Bundesliga-Spieler sei von 27 auf 25 Jahre gesunken. Insgesamt gibt es – zusammen mit den Leistungszentren des DFB in der 3. Liga oder weiter darunter – 57 davon. So verfügen auch die Regionalligisten SV Elversberg und 1. FC Saarbrücken über ein NLZ.

Damit müssten saarländische Talente nicht mehr den Weg aus der Heimat antreten, wie es in den vergangenen 15 Jahren oft passiert ist. Dass aber dieser Weg keine Erfolgsgarantie bietet und man auch ohne den Weg über ein NLZ Nationalspieler werden kann, zeigten und zeigen Beispiele wie Philipp Wollscheid oder Jonas Hector (1. FC Köln). Manchmal spielt auch einfach das Glück eine Rolle – ein Trainer, der an den Nachwuchsspieler glaubt, mehrere Verletzungen bei den Profis auf der Position, die das Talent spielt. Also: Einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Über den Weg saarländischer Nachwuchsspieler auf dem Weg zum Profi hatte die SZ schon in einer Serie ausführlich berichtet.

Die Zertifizierung für die Zentren der Proficlubs hatte bisher eher überprüfenden Charakter, dabei mussten über 700 Kriterien abgehakt werden. Was für einige Kritik in den Vereinen gesorgt hat. „Bisher haben wir Zeugnisse geschrieben, jetzt schreiben wir Entwicklungspläne“, erklärte DFL-Sprecher Christopher Holschier die künftige Strategie. Die Vergabe von Sternen gibt es nicht mehr.

„Verbände und Clubs nehmen eine noch aktivere Rolle ein als bisher“, sagte Andreas Nagel, DFL-Direktor Sport & Nachwuchs. „Schließlich ist es unser gemeinsames Ziel, dass der deutsche Fußball zur Weltklasse gehört.“ Feld sprach von Qualitätsmanagement: „Das ist das, was wir noch mehr bei den Clubs verankern wollen.“

Dass DFL und DFB mit ihrem Konzept international schon länger nicht mehr alleine glänzen können, wissen die Verantwortlichen natürlich. „Man darf nicht verhehlen: Die Engländer haben da sehr viel aufgeholt und teilweise eingeholt. Wir sehen uns aber nach wie vor in einer Spitzenposition innerhalb der europäischen Top-Fünf-Ligen“, sagte Feld.