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Rangnick hört als Sportdirektor bei RB Leipzig auf, Krösche Nachfolger

Fußball : Rangnick wird auf eigenen Wunsch „Außenminister“

Abschied von RB Leipzig: Der 60-Jährige gibt seinen Posten als Sportdirektor auf, um sich um die Red-Bull-Standorte in den USA und Brasilien zu kümmern.

Ralf Rangnick verabschiedete sich fast ohne Wehmut von seinem Lebenswerk und freute sich schon auf seinen neuen Job als weitreisender „Außenminister“. Der 60-Jährige verlässt auf eigenen Wunsch den Pokalfinalisten RB Leipzig, um als Fußball-Chef die Red-Bull-Clubs in New York (USA) und Bragantino (Brasilien) auf ein neues Niveau zu heben. Profitieren soll davon irgendwann auch Leipzig, wo Rangnick aber nur noch in beratender Funktion tätig ist.

„Das ist eine extrem reizvolle und fordernde Aufgabe für mich“, sagte Rangnick bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Leipzig, bei der auch sein Nachfolger als Sportdirektor offiziell bestätigt wurde: Markus Krösche kommt von Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn und unterschrieb einen Vertrag bis 2022.

Rangnick konnte sich eine Rückkehr auf diesen Posten nach seinem höchst erfolgreichen Jahr als Interimstrainer nicht mehr vorstellen. „Dann wären Entwicklungsschritte nur im kleinen einstelligen Prozentbereich möglich gewesen“, sagte er. Durch seine neue Arbeit könne man aber vielleicht „zu internationalen Topclubs aufschließen, die jetzt noch sehr weit weg sind“.

Der erste Gedanke an eine Luftveränderung sei ihm schon vor Monaten im Urlaub „unter der Dusche“ gekommen, verriet Rangnick. Zehn Tage nach seinem letzten Spiel, dem verlorenen Pokalfinale gegen Bayern München (0:3), machte er Nägel mit Köpfen. Rangnick, der fortan bei Red Bull angestellt ist, sieht in der Entwicklung der Konzern-Clubs in Nord- und Südamerika enormes Potenzial. Zumal die Uefa-Regularien, wonach in europäischen Wettbewerben vertretene Vereine nicht miteinander verflochten sein dürfen, hier anders als zwischen Leipzig und Salzburg nicht greifen.

„Unser Wunsch ist es, dass wir jedes Jahr einen Tyler Adams entwickeln“, sagte Rangnick mit Blick auf den 20 Jahre alten US-Nationalspieler, der nach seinem Wechsel aus New York bei RB auf Anhieb überzeugte. Darauf hofft auch RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, der den Rangnick-Abschied jedoch „mehr mit einem weinenden Auge“ sah: „Ich hätte ihn gerne dauerhaft in Leipzig gehabt.“

Rangnick und Mintzlaff – beide saßen in weißen Polo-Hemden auf dem Podium – demonstrierten auf der Pressekonferenz Einigkeit. Doch Rangnicks Abschied wirft Fragen auf. Ist es nur Zufall, dass er zeitlich in die Anstellung von Trainer Julian Nagelsmann fällt? Hinter den Kulissen wird immer wieder geunkt, die beiden Alphatiere würden nicht miteinander harmonieren. Auch Rangnicks Verhältnis zu Mintzlaff soll merklich abgekühlt sein. Wie freiwillig war Rangnicks Wunsch nach einem neuen Aufgabenfeld also wirklich?

Rangnick wird Nagelsmann und Krösche nun als Berater zur Seite stehen, sein Lebensmittelpunkt bleibt Leipzig. Doch Macht hat Rangnick bei RB, seinem „sportlichen Lebenswerk“ (O-Ton Rangnick), nicht mehr. Seit er 2012 nur noch für den Standort Leipzig verantwortlich war, ging es mit dem erst drei Jahre zuvor gegründeten Club rasant bergauf. Zwei Mal sprang Rangnick auch als Trainer ein – mit großem Erfolg. In der Saison 2015/2016 führte er die Sachsen zum Aufstieg in die Bundesliga, in der vergangenen Spielzeit wurde Leipzig unter Rangnick Bundesligadritter und zog ins Endspiel des DFB-Pokals ein.

Den neuen Sportdirektor Krösche bezeichnete Rangnick als „begabten und besonderen Menschen“. RB zahlt für den Aufstiegs-Manager und langjährigen Profi des SC Paderborn eine Ablöse um die 700 000 Euro und schloss mit Paderborn eine sportliche Kooperation.