Nationalspieler verabschieden sich mit Tore-Party in den Urlaub

Fußball : Mit einem Tore-Rausch in den Urlaub

Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt auch ihr drittes EM-Qualifikationsspiel. Der Umbruch im Team scheint zu gelingen.

Für den stolzen Zehn-Tage-Cheftrainer Marcus Sorg ist die Saison noch nicht zu Ende. Die neue Nationalmannschafts-Garde um das Turbo-Trio Sané, Reus und Gnabry düste dagegen sofort nach der Tore-Show von Mainz ab in den Urlaub. Alle – auch der nach einem Sportunfall zum TV-Zuschauer verurteilte Chefcoach Joachim Löw – nehmen nach dem begeisternden 8:0 (5:0) zum Saisonabschluss gegen Estland die Erkenntnis mit: Zwölf Monate nach dem WM-Debakel von Russland sind nicht nur eine positive Stimmung und viel Optimismus in Deutschlands wichtigstem Fußballteam zurück. Auch die sportliche Entwicklung stimmt zuversichtlich für die kommende EM-Saison.

„Die Mannschaft sprüht vor Energie. Sie ist gewillt, Siege einzufahren und mit Leidenschaft zu spielen“, sagte Sorg: „Der Bundestrainer kann im September mit einer optimalen Ausgangsposition weiterarbeiten.“ Dem ungefährdeten 2:0 in Weißrussland folgte in der Heimat ein munteres Torfestival gegen völlig überforderte Esten. Es war der dritte Sieg in der laufenden EM-Qualifikation. Mit fünf Erfolgen, drei Remis und zwei Niederlagen ist die Saisonbilanz zwar durchwachsen. Doch nach dem Abstieg in der Nations League blieb die Mannschaft sechs Mal ungeschlagen.

„Trotzdem müssen wir auf dem Boden bleiben. Wir wissen schon, dass Estland und Weißrussland nicht die Kategorie wie Holland oder Frankreich sind“, betonte Doppeltorschütze Marco Reus, mit 30 Jahren der älteste Feldspieler im verjüngten DFB-Kreis. Für Spieler und Trainer ist der September mit den Partien in Hamburg gegen die Niederlande und dann beim Tabellenführer Nordirland erst einmal weit entfernt. „Da haben wir noch Zeit. Wir wollen die Begeisterung mitnehmen“, sagte Aushilfs-Chef Sorg: „Es wächst etwas zusammen, das hat man gesehen. Aber jetzt Prognosen zu geben, ist schwer.“

Sorg selbst hatte mit seinem unaufgeregten, klaren Führungsstil einen großen Anteil daran, dass der Umbruch auch ohne Chef Löw weiter voranging. „Er hat einen sehr guten Job gemacht, das muss man echt sagen“, erklärte Ilkay Gündogan, der als Vertreter des fehlenden Mittelfeld-Taktgebers Toni Kroos überzeugte. Der 53 Jahre alte Löw-Assistent Sorg wollte seine Rolle selbst nicht in den Vordergrund stellen. „Nein, ich gehe nicht in die Geschichtsbücher ein. Ich bin kein Bundestrainer“, sagte er trotz zwei Siegen und 10:0 Toren beim Zwei-Spiele-Engagement als Chef. Sein Urlaub muss warten, er hilft jetzt noch bei der U21-EM in Italien.

Gündogan wies nochmals auf den mentalen Effekt bei der Neugestaltung in Löws Kader hin: „Es ist extrem schön, gerade durch die negativen Ereignisse im letzten Sommer. Das tut extrem gut, nicht nur mir. Wir hatten alle eine extrem schwierige Zeit im DFB-Trikot im letzten Jahr.“ Die umstrittene Erdogan-Affäre hat Gündogan im Unterschied zu Mesut Özil überwunden.

29 Akteure kamen in den zehn Partien nach dem historischen WM-Vorrunden-Aus vor einem Jahr zum Einsatz. Zunächst versuchte Löw, mit Akteuren wie Mark Uth, Sebastian Rudy (beide Schalke) und Nils Petersen (Freiburg) sowie den später aussortierten Weltmeistern Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller (alle FC Bayern) die Wende einzuleiten. Das schlug fehl, es gab vielmehr neue Tiefpunkte.

Die Bilanz von Zehn-Tage-Chef Marcus Sorg ist beeindruckend. Foto: dpa/Federico Gambarini

Inzwischen sehen Personal und Spielstil der Nationalmannschaft ganz anders aus – frisch und forsch. „Es ist eine Menge passiert. Wir haben unsere Lehren gezogen“, sagte Reus. Die Spielfreude begeisterte die 26 050 Fans in Mainz und über sieben Millionen Zuschauer vor den TV-Bildschirmen. Reus und Serge Gnabry mit je zwei Treffern sowie Leon Goretzka, Elfmeterschütze Gündogan, Timo Werner und Leroy Sané verwandelten die Entschlossenheit und die taktische Raffinesse der deutschen Elf in einen Festabend. „Das Publikum war sehr gut drauf – und wir hatten einen spielerischen Rausch“, frohlockte Kapitän Manuel Neuer. > Quali-Tabelle siehe Seite D3 (Sport in Zahlen)

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