Confed Cup: Immer noch die beste Mannschaft der Welt

Confed Cup : Immer noch die beste Mannschaft der Welt

Nach dem Confed Cup fällt die Bilanz für Joachim Löw und sein Team sehr positiv aus. Jeder Spieler habe seine Position verbessert.

() Nach dem gemeinsamen Schlussbild der Confed-Cup-Mannschaft mit dem Goldpokal auf der Gangway des Charterfliegers hatten Joachim Löws übermüdete Fußballer nur noch einen Gedanken: ab in den Urlaub. Noch auf dem Rollfeld des Frankfurter Flughafens trennten sich gestern Mittag vier Wochen nach dem Start des einzigartigen deutschen Turnier-Abenteuers die Wege jener 21 Perspektivspieler, die in Russland für den Weltmeister erstmals den Confederations Cup gewonnen hatten. „Vor allem die Konstellation, dass wir noch nie zusammengespielt haben, macht diesen Titel so besonders“, resümierte Kapitän Julian Draxler.

Nach der kurzen Siegernacht in St. Petersburg fielen etliche Partymacher auf dem ruhigen Rückflug in einen kurzen Schlaf. Nur 14 Stunden nach dem mit Leidenschaft, Kampfgeist und Lars Stindls Tor erzwungenen 1:0 im hitzigen Finale gegen Chile endete der Sommereinsatz der 21 verschworenen Überraschungssieger unspektakulär ohne offiziellen Empfang.

Das mehr als konkurrenzfähige und in seinem Auftreten so sympathische Team auf Zeit war ein vorbildlicher Deutschland-Botschafter in Russland. „Ich bin megastolz auf diese Mannschaft“, schwärmte der Bundestrainer nach einem „magischen Spiel“. Nicht nur Team-Manager Oliver Bierhoff hatte Löw den „Spaß“ angemerkt, „mal wieder mehr zu coachen“. Mehr, als das bei ausgelernten Könnern wie Neuer, Kroos, Boateng und Co. nötig ist.

Mit dem Siegerpokal in der Hand schlenderte Löw nach dem finalen Kraftakt am Sonntagabend durch die Katakomben des Krestowski-Stadions und lächelte selig. Der anfangs belächelte Confed Cup hatte plötzlich höchste Bedeutung. „Arturo Vidal hat vor dem Endspiel gesagt, die Chilenen wollen den Pokal gewinnen. Dann seien sie die beste Mannschaft der Welt. Deutschland ist immer noch die beste Mannschaft der Welt im Moment nach dem Weltmeistertitel 2014 und diesem Cup“, berichtete Löw den Journalisten. „Dass es gerade diese Jungen geschafft haben, diesen Titel zu gewinnen, ist etwas Historisches und Einmaliges in der deutschen Geschichte“, schwärmte der Trainer.

Für ihn ist das anfangs kritisierte Confed-Cup-Projekt punktgenau aufgegangen. Die oberste Priorität für ihn hatte, Spieler Richtung WM 2018 weiterzuentwickeln. „Alle Spieler, die jetzt dabei waren, haben eine bessere Position als vor dem Confed Cup“, sagte der 57-Jährige.

Im Handgepäck nach Frankfurt befanden sich neben dem Siegerpokal auch der Goldene Ball für Julian Draxler als bester Turnierspieler und der Goldene Schuh für Topscorer Werner, der vor den ebenfalls dreifachen Turniertorschützen Lars Stindl und Leon Goretzka diese persönliche Trophäe abräumte. Der Gladbacher Stindl war als Torschütze aber der größte der 13 eingesetzten Finalsieger. „Insgesamt war auch das Tor eine Mannschaftsleistung, das spiegelt das ganze Turnier wider“, sagte der 28-Jährige.

Es war am Ende kein Turnierchen mehr, das da gewonnen wurde, auch wenn bei einer Weltmeisterschaft viermal so viele Teams mitspielen und dann Topnationen wie Brasilien, Argentinien, Italien, Spanien, Frankreich als Gegner erwartet werden. Leon Goretzka, der wohl in Schalke bleiben wird, verspürte auch Genugtuung: „Das Schöne ist, dass wir die vielen Kritiker, die die Nominierung skeptisch gesehen haben, vom Gegenteil überzeugt haben.“

Nach der reichen Sommerernte des DFB mit dem ersten Confed-Cup-Titel und dem EM-Triumph der U21-Junioren in Polen ist die Lust auf die WM 2018 geweckt – und auch die Erwartungshaltung. „Deutschland gehört doch immer zu den Favoriten, ganz egal, zu welchen Turnieren wir gehen“, äußerte Löw gelassen zum Druck. Die Mixtur des Nationalteams wird sich jedenfalls verändern. „Joachim Löw hat eine reiche Auswahl“, sagte Bierhoff mit Blick auf die Nominierung für die Punktspiele Anfang September in Tschechien und gegen Norwegen. „Es gibt wenig Unantastbare“, erklärte der Manager. Löw muss nun die richtige Mischung aus Etablierten und jungen Wilden finden – für das nächste Happy End 2018 bei der WM in Russland. Dem steht allerdings noch der Aberglaube entgegen, denn noch nie wurde ein Confed-Cup-Sieger anschließend auch Weltmeister.

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