Im deutschen Fußball endet eine Ära

VW neuer Top-Sponsor der Nationalmannschaft : Der deutsche Fußball pfeift auf den guten Stern

FRANKFURT (sid/dpa) Der Stern ist dem DFB bald schnuppe: Nach über 45 Jahren beendet der Deutsche Fußball-Bund seine Partnerschaft mit Mercedes-Benz und fährt stattdessen ab 2019 Volkswagen. Wie der Weltmeister-Verband gestern nach einer Präsidiumssitzung mitteilte, wird VW der neue Generalsponsor – und die WM-Endrunde in Russland damit die letzte „Sternfahrt“ mit dem ausgestochenen Automobilkonzern aus Stuttgart.

FRANKFURT (sid/dpa) Der Stern ist dem DFB bald schnuppe: Nach über 45 Jahren beendet der Deutsche Fußball-Bund seine Partnerschaft mit Mercedes-Benz und fährt stattdessen ab 2019 Volkswagen. Wie der Weltmeister-Verband gestern nach einer Präsidiumssitzung mitteilte, wird VW der neue Generalsponsor – und die WM-Endrunde in Russland damit die letzte „Sternfahrt“ mit dem ausgestochenen Automobilkonzern aus Stuttgart.

Der bisher so markentreue DFB bricht also mit einer langen Tradition – wie so oft des lieben Geldes wegen. Angeblich soll VW für sein Sponsorenpaket zwischen 25 und 30 Millionen Euro zahlen – pro Jahr wohlgemerkt. Das würde knapp 20 Millionen mehr in die Fußball-Kassen spülen als der noch bis Ende 2018 laufende Vertrag mit Konkurrent Mercedes, der sein Angebot aber auch deutlich erhöht hatte. „Die signifikante Steigerung der Einnahmen durch den neuen Vertrag gibt uns künftig mehr Spielraum, den vielfältigen Aufgaben des Verbandes nachzukommen und die gemeinnützigen Zwecke noch nachhaltiger umzusetzen“, sagte DFB-Boss Reinhard Grindel.

Das Präsidium fällte seine Entscheidung einstimmig. Die Marke mit dem Stern war seit 1972 Partner der besten deutschen Kicker, seit 1990 Generalsponsor des Verbandes und der Nationalteams. Gemeinsam wurden fünf WM- und elf EM-Titel gefeiert. „Wir blicken auf über vier Jahrzehnte einer spannenden und überaus erfolgreichen Partnerschaft zurück“, teilte Mercedes mit: „Wir wünschen den Nationalmannschaften auch nach unserer Partnerschaft alles erdenklich Gute für eine erfolgreiche sportliche Zukunft.“

Die wird der DFB mit Volkswagen bestreiten – trotz der Abgas-Affäre, trotz der vielen negativen Schlagzeilen der vergangenen Monate. Auch wenn die Vorgänge nicht vergleichbar seien, sagte Grindel, so eine den DFB und VW doch „die Notwendigkeit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die richtigen Maßnahmen für die Zukunft abzuleiten“. Während der Verband durch die mysteriösen Umstände der WM-Vergabe 2006 in eine Vertrauenskrise geraten ist, möchte VW angesichts des immer noch nicht ausgestandenen Diesel-Skandals vor allem mit dem heiß begehrten Spitzenprodukt Nationalmannschaft sein angekratztes Image aufpolieren.

VW setzte sich im erstmals durchgeführten Bieterverfahren durch, nachdem die Verträge zwischen DFB und Mercedes zuvor immer wieder ohne Ausschreibung verlängert worden waren. DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius sprach von „offenen und respektvollen Gesprächen“, beide Parteien hätten sich „mit guten Geboten und eindrucksvollen Präsentationen um die Partnerschaft beworben“. Doch VW zahlt deutlich mehr. Insgesamt geht es bis zum Jahr 2024 um bis zu 165 Millionen Euro. Der Gewinner der Verhandlungen stand damit schon im Vorfeld fest. Denn der DFB, auf den durch den Neubau einer rund 140 Millionen Euro teuren Akademie und die Kosten im Zuge des Sommermärchen-Skandals erhebliche Mehrausgaben zukommen, darf sich über noch höhere Millionen-Einnahmen freuen.

Für die Wolfsburger ist der DFB-Vertrag ein Coup, schließlich wurde ein großer Konkurrent verdrängt. Eine Verlängerung des Vertrages hätte nämlich auch Mercedes gut getan, denn die Stuttgarter sind mittlerweile ebenfalls in die Abgas-Affäre verwickelt. Darauf nahm der DFB aber keine Rücksicht.

VW wird somit zum Top-Geldgeber im deutschen Fußball. Bundesligist VfL Wolfsburg bekommt als 100-prozentige Konzerntochter derzeit rund 80 Millionen Euro pro Saison. Auch bei anderen Erstligisten wie Werder Bremen, RB Leipzig und Hannover 96 ist Volkswagen engagiert. Unterstützung erhält zudem der Zweitligist Eintracht Braunschweig.