Deutschland spielt in EM-Qualifikations in Hamburg gegen Niederlande

Wichtiges Spiel gegen die Niederlande : Neuer Jugendstil wärmt das Herz des Trainers

Bundestrainer Löw erwartet große Zukunft seines umgestellten Teams. Heute Abend EM-Quali-Kracher gegen die Niederlande.

Joachim Löw lachte herzhaft, als er vor dem Klassiker zum Auftakt des EM-Jahres gegen die Niederlande plötzlich über ein abgelegtes Laster reden sollte. „Das Rauchen habe ich schon länger aufgehört, das war kein Problem“, sagte der Bundestrainer und trank einen Schluck Wasser. Wasser? In der Tat: Auch auf seinen geliebten Espresso verzichtet Löw immer häufiger.

Kein Nikotin, weniger Koffein – seine neue, junge Mannschaft bringt Löw schon genug in Schwung. „Die Stimmung ist wirklich verdammt gut, die Jungs haben richtig Bock, miteinander einen erfolgreichen Weg zu gehen“, sagte Löw vor dem richtungweisenden Qualifikationsspiel an diesem Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Hamburg gegen die starke Elftal um Ausnahmeverteidiger Virgil van Dijk. Dieser Weg soll zu Titeln führen – am liebsten schon in neun Monaten bei der EM.

Löw wird bei der Arbeit mit den Youngstern regelrecht warm ums Herz, Erinnerungen an die glorreiche Vergangenheit werden wach. „Ich vergleiche es mit 2010“, sagte Löw über die jungen Himmelsstürmer um Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, die vier Jahre nach der Halbfinalteilnahme bei der WM in Rio den vierten Stern holten. „Diese Jahrgänge sind gut ausgebildet“, sagte Löw über die 95er und 96er mit seinem neuen Abwehrchef Niklas Süle, Anführer Joshua Kimmich oder Turbo-Stürmer Serge Gnabry: „Sie haben gutes Tempo und Teamspirit. Die Mannschaft kann die nächsten Jahre einiges erreichen.“

Zunächst aber steht ihr auf dem Weg zur Endrunde 2020 mit der Niederlande „der nächste harte Prüfstein“ im Weg, wie DFB-Direktor Oliver Bierhoff betonte: „Daran werden die jungen Spieler wachsen.“ Mittelfeldchef Toni Kroos, der nach seiner Pause im Juni wie der damals durch einen Sportunfall verhinderte Löw zurückkehrt, erwartet „ein interessantes, schwieriges Spiel. Es ist kein Geheimnis, dass sie sich unglaublich verbessert haben.“

Das bekam die DFB-Auswahl seit Oktober 2018 mehrfach zu spüren. 0:3 in Amsterdam, 2:2 nach 2:0-Führung in Gelsenkirchen, Abstieg aus der Nations League. Erst danach leitete Löw den Umbruch ein, über den er in Hamburg sagte, sein Team habe diesen „gut hingekriegt“. Das war beim jüngsten 3:2 über Oranje im Hinspiel zu bestaunen. „Besser“ als vor der WM 2018 sieht Kroos die Mannschaft, Löw sagte: „Wir haben wieder mehr Schnelligkeit, mehr Zielstrebigkeit zum Tor. Den Gegner in Gefahr bringen: Das können wir wieder viel besser.“

Allerdings fehlt ihm Leroy Sané (Kreuzbandriss), der wichtigste Protagonist des neuen Stils. „Das tut uns weh“, sagte Löw, „Leroy hat sich zu einem sehr wertvollen Spieler bei uns entwickelt und die Spiele geprägt.“ Als Ersatz hatte der Bundestrainer offenbar wie zuletzt in Amsterdam Leon Goretzka vorgesehen, doch der Münchner muss wegen muskulärer Probleme ebenfalls passen. „Das ist ein Wermutstropfen“, sagte Löw. Nun seien Julian Brandt und Timo Werner „erste Optionen“ auf den freien Platz neben Marco Reus und Serge Gnabry, den Löw adelte: „Serge Gnabry spielt immer. Er ist für den Gegner schwer zu greifen.“ Vor Kapitän Manuel Neuer im Tor wird eine Dreierkette um Süle erwartet.

Auf der Tribüne im Volksparkstadion wird Fritz Keller Platz nehmen, erstmals als designierter DFB-Präsident. Mit Vize Rainer Koch und Uefa-Boss Aleksander Ceferin kann auch er sich ein Bild vom neuen deutschen Jugendstil machen. Löw, der „viele Gespräche in kleinen Gruppen“ geführt hat, betonte: „Es sind noch einige Hürden zu nehmen, alle haben Verbesserungsbedarf.“ Aber: „Der Weg ist gut.“

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