Marozsan fühlt sich bereit für das Viertelfinale

Frauenfußball : Marozsan fühlt sich bereit für das Viertelfinale

Verheilt ist der gebrochene Zeh noch lange nicht, aber die 27-Jährige will ab kommenden Samstag wieder auf dem Platz stehen.

Dzsenifer Marozsan lief beim Gang durch die Interview-Zone mit geöffneten Schnürsenkeln nicht ganz rund, der gebrochene Zeh schmerzte noch immer – doch die Frauenfußball-Bundestrainerin plant bereits das WM-Comeback ihrer Spielmacherin. „Dzseni wird im Viertelfinale wieder auflaufen“, sagte Martina Voss-Tecklenburg mit funkelnden Augen nach dem 3:0 (2:0)-Erfolg im Achtelfinale gegen Nigeria: „Dafür sind wir marschiert, dafür haben wir alles gegeben.“

Marozsan hatte am Samstagabend im voll besetzten Stade des Alpes von Grenoble zumindest schon mal wieder auf der Ersatzbank gesessen. Doch für einen Einsatz ausreichend verheilt war der seit dem Auftaktspiel gegen China (1:0) vor zwei Wochen gebrochene linke Mittelzeh eigentlich noch nicht. „Ich habe der Trainerin gesagt, ich bin bereit, vom Kopf her frei. Aber natürlich war es gut, dass ich noch nicht zum Einsatz gekommen bin. Das hilft der Heilung, wenn ich Zeit gewinne“, sagte die erleichterte Marozsan nach dem Abpfiff.

Statt dieser für sie so besonderen Endrunde in der Wahlheimat ihren Stempel aufdrücken zu können, musste die 27-Jährige von Olympique Lyon drei Spiele lang zuschauen, mitfiebern und -leiden. Nun hat sie bis zum Spiel am Samstag (18.30 Uhr/ARD und DAZN) in Rennes noch fast eine Woche, um im Training mit einem Tape um den lädierten Zeh Sicherheit zu gewinnen – und eben Zeit für den Heilungsprozess: „Der Zeh ist immer noch gebrochen. Und er wird nicht schneller zusammenwachsen.“

Nach einer beidseitigen Lungenembolie im vergangenen Sommer weiß Marozsan aber auch, so eine nach sechs bis acht Wochen verheilte Knochenfraktur einzuordnen. „Es gibt Schlimmeres als einen Zehenbruch“, betonte Marozsan mit Blick auf ihre schwere Erkrankung, die sie drei Monate lang außer Gefecht gesetzt hatte: „Wenn man so etwas erlebt, geht man mit einer anderen Sicht durch die Welt.“ Verbittert wirkt sie nicht – was sie durchaus sein könnte, denn auch schon bei den Titelkämpfen vor vier Jahren in Kanada schleppte sie sich mit einer Knöchelblessur mehr schlecht als recht durch das Turnier und konnte die hohen Erwartungen an ihre Person nicht erfüllen.

Nun drohte der Saarbrückerin das gleiche Schicksal. Gegen China spielte sie trotz der Verletzung durch, blieb aber (hinterher verständlicherweise) weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. In den übrigen WM-Partien, inklusive Nigeria, sprang nun eine andere Spielerin als Ballverteilerin und Taktgeberin in die Bresche: Lina Magull von Bayern München – sehr zur Zufriedenheit von Marozsan: „Sie ist eine geile Kickerin, eine Straßenfußballerin. Ich habe viel Spaß und Freude, ihr zuzuschauen.“

Beim Kampf ums Halbfinale gegen Schweden oder Kanada soll die begnadete Technikerin aber wieder selbst auf dem Feld die Fäden ziehen und mit ihren Standards für noch mehr Torgefahr sorgen. Ihr ganz großes Ziel ist die letzte WM-Woche, wenn in Lyon, ihrer Stadt, ihrer neuen Heimat, die Halbfinals (2./3. Juli) und das Endspiel (7. Juli) stattfinden. „Natürlich würde ich mich freuen“, sagte Marozsan, „aber so weit denke ich noch nicht.“ Was zählt, ist der nächste Tag, das nächste Training. Fit werden, um überhaupt am Samstag eine gute Leistung zeigen zu können. Und das wird gegen Schweden oder Kanada auch nötig sein.

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