Lewandowski wird zur Münchner Lebensversicherung

Fußball : Historisch starke „Lebensversicherung“

Robert Lewandowski hat bereits 13 Saisontore erzielt. Der Allzeit-Rekord von Gerd Müller scheint erreichbar.

Eine gläserne Trophäe in der Hand, ein breites Lächeln im Gesicht: Robert Lewandowski war der Stolz über seine historische Großtat anzusehen. Doch überbewerten wollte der überragende Torjäger von Bayern München seinen Bundesliga-Torrekord nicht. „Natürlich freue ich mich, aber es zählt, dass wir gewonnen haben“, betonte der 31 Jahre alte Pole.

Doch längst ist Lewandowski zur „Lebensversicherung“ für den deutschen Fußball-Rekordmeister, aber auch für den angezählten Trainer Niko Kovac geworden. Der dürftige 2:1 (1:0)-Zittersieg ideenloser Bayern gegen Aufsteiger Union Berlin legte wieder einmal erhebliche Schwächen offen. Ohne die 19 Pflichtspiel-Treffer von Lewandowski hätte sich die leichte Herbst-Depression der Bayern längst zur handfesten Krise ausgeweitet. Der Druck bleibt aber vor dem Pokalspiel in Bochum an diesem Dienstag (20 Uhr/Sport1) und den folgenden Ligaspielen bei Eintracht Frankfurt und gegen Borussia Dortmund hoch.

„Er ist in der Form seines Lebens“, hatte Kovac seinen Angreifer schon vor der Partie gelobt: „Wir sind wirklich froh, dass wir ihn haben, er ist derjenige, der uns im Moment oben hält.“ Thomas Müller hoffte entsprechend, „dass sein Lauf noch lange anhält, das ist gut für uns. Lewy hat eine überragende Verfassung.“

Lewandowski ist seit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 (53.) der erste Spieler in bisher 56 Bundesliga-Jahren, der in den ersten neun Spielen mindestens einmal traf. 13 Tore sind es in der Liga in dieser Saison bereits, selbst der legendäre Rekord von „Bomber“ Gerd Müller, der 1971/1972 40 Treffer erzielt hatte, scheint nicht mehr unerreichbar. Doch davon will Lewandowski (noch) nichts wissen. „Ich lese das alles nicht“, sagte er: „Ich muss fokussiert bleiben.“

Gegen Union gelang dies dem Polen erneut – allerdings mit Hilfe des Berliners Felix Kroos, mit dem Lewandowski Doppelpass spielte. Er habe den Gegner „in unnachahmlicher Weise aussteigen lassen, düpiert fast schon“, scherzte Müller über das Billard-Tor des Angreifers.

Ansonsten gab es wenig Grund zur Freude für die angeschlagenen Münchner. Kovac hatte unmittelbar nach der Partie auf das gewohnte Abklatschen mit seiner Bank verzichtet und war mit finsterer Miene in die Kabine geeilt. „Wenn man die engen Spiele sieht in den letzten Wochen, ist es nicht immer leicht, entspannt aus den Spielen rauszugehen“, sagte er. Der zuletzt so redselige Präsident Uli Hoeneß verzichtete auf eine Einordnung der bescheidenen Leistung. „Ich schaue mir nur die Tabelle an“, sagte Hoeneß lapidar.

Doch meisterlich zeigte sich das Münchner Starensemble um den blassen Philippe Coutinho erneut nicht. „Wir arbeiten daran, besser zu spielen. Das geht nicht von einem auf den anderen Tag“, bat Lewandowski um Geduld. Man müsse sich „Schritt für Schritt reinarbeiten“, meinte Müller. Er wünsche sich, sagte Kovac, „weniger Fehler im Spielaufbau, in der Ballannahme, bessere Entscheidungen“.

Benjamin Pavard traf eine solche, als er die Bayern gegen zähe Hauptstädter per Dropkick-Tor in Führung (13.) brachte. Doch selbst das frühe 1:0 brachte die Bayern nicht in die Spur. Wie tief der Frust aktuell sitzt, zeigte Kapitän Manuel Neuer, der seine Vorderleute in einem mittelschweren Tobsuchtsanfall zusammenstauchte (51.) – und von den Fans dafür Applaus erhielt.

Dass es nicht noch schlimmer kam, war neben Lewandowski auch Neuer zu verdanken, der sein Team mit einer starken Parade beim Handelfmeter von Sebastian Andersson (58.) zunächst vor dem Anschlusstreffer bewahrte. Gegen den Strafstoß von Sebastian Polter (86.) nach einem Foul von Pavard war er aber machtlos.

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