Kuntz freut sich schon auf die Olympischen Spiele

Fußball : Kuntz freut sich auf olympische Gefühle

Die deutsche U21-Nationalmannschaft erreicht bei der EM das Halbfinale und qualifiziert sich für die Sommerspiele 2020 in Tokio.

Die schwächste Turnierleistung seiner U21 hakte Stefan Kuntz schnell als lehrreiche Erfahrung ab, beim Gedanken an die Olympischen Spiele kam der Nationaltrainer aus Neunkirchen dann ins Schwärmen. „Das ist etwas, was du als Fußballer normalerweise nicht erreichen kannst“, sagte der 56-Jährige über die Sommerspiele im nächsten Jahr in Tokio. Durch das 1:1 (1:1) im letzten EM-Gruppenspiel gegen Österreich hatte sich der Europameister für Olympia qualifiziert und zudem natürlich das EM-Halbfinale erreicht.

„Wenn ich an Einzelsportler denke und überlege, was zum Beispiel Ringer oder Turner für einen Aufwand betreiben müssen, damit sie dann alle vier Jahre im Rampenlicht stehen“, sagte Kuntz: „Und bei uns musst du einfach nur dreimal schnäuzen und dann gibt es normalerweise schon eine Schlagzeile. Diesen Respekt mal ausdrücken zu dürfen und diese Sportler dabei hautnah unterstützen zu dürfen, das ist etwas, worauf ich Lust hätte.“

Diesen Wunsch wird sich der Saarländer nächstes Jahr in Japan erfüllen. Ohnehin will ihn der DFB keinesfalls ziehen lassen. „Wir wollen Stefan nicht abgeben. Ich hoffe, dass er die Stärken des DFB sieht. Wir werden ihm immer wieder interessante Angebote schaffen, auch außerhalb der Mannschaft“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der sich der Gefahr durch das Interesse etwa von Vereinsseite bewusst ist: „Die Sorge habe ich ständig bei unseren Trainern. Das ist auf der einen Seite immer eine Auszeichnung, weil es zeigt, dass wir gute Arbeit machen und auch die richtigen Trainer aussuchen. Es passiert aber immer wieder, jetzt auch bei Frank Kramer, dass sie uns verlassen“, sagte Bierhoff. Der bisherige U18-Trainer Kramer wird künftig sportlicher Leiter der Nachwuchsakademie von Red Bull Salzburg.

Kuntz hat beim DFB noch einen Vertrag bis zu den Spielen 2020 in Tokio. Seine Zukunft sei für ihn „im Moment überhaupt kein Thema“, sagte der 56-Jährige unmittelbar nach dem Remis gegen Österreich: „Ich wäre ein komischer Trainer, wenn ich direkt nach dem Spiel über die Zukunft reden könnte.“

Zumindest über die nahe Zukunft kann er das. Und er muss es mit seiner Mannschaft auch. Denn die Leistung der U21 war nicht überzeugend. Hätten nicht Torhüter Alexander Nübel und der Pfosten mehrmals einen Rückstand verhindert, hätte die deutsche Auswahl auch als Verlierer vom Platz gehen können. „Dieser Erfahrungsschatz ist sehr viel wert mit dem Ausgang“, urteilte Kuntz. Nach den zwei lockeren Siegen musste seine Mannschaft das erste Mal im Turnier Widerstände überwinden. „Das Glückliche, was bei dem Punkt heute dabei war, das haben wir uns erarbeitet“, lobte Kuntz: „Das war eine ganz wichtige Erfahrung.“

Wie schon auf dem Weg zum Titel 2017 erlebte die deutsche U21 im dritten Gruppenspiel den ersten Rückschlag. „Im Vergleich dazu haben wir einen kleinen Fortschritt hingelegt“, sagte Kuntz. Damals gab es ein 0:1 gegen Italien. Auch Bierhoff prophezeite: „Solche Spiele sind enorm wichtig. Sie helfen, weil der Mannschaft wieder deutlich wird, dass es kein leichtes Spiel gibt.“

Luca Waldschmidt, Torschütze des Traumtores zum 1:0 (14. Minute), konnte der schwächeren Teamleistung gegen Österreich auch Positives abgewinnen. „Das war wichtig auch mit Blick auf die Endspiele, dass wir da gewappnet sind“, sagte der Freiburger. Der Halbfinalgegner am Donnerstag stand erst nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe fest. Ohnehin soll die Vorschlussrunde nur eine Zwischenstation sein auf dem Weg zum Endspiel in Udine am kommenden Sonntag. „Wir wollen jetzt auch ins Finale“, sagte Benjamin Henrichs, der im Halbfinale allerdings gelb-gesperrt fehlen wird.

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