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Klinsmanns Rückkehr zum VfB Stuttgart steht bevor

Fußball : Klinsmanns Rückkehr steht bevor

Der Flirt des VfB Stuttgart mit seiner Vereins-Ikone wird immer heißer. Der frühere Bundestrainer soll neuer Vorstands-Chef werden.

Kommt er oder kommt er nicht? Die Personalie Jürgen Klinsmann ist nicht nur beim Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart zurzeit das Gesprächsthema Nummer eins. Und nicht nur wegen seines 55. Geburtstags am Dienstag. Nach „sehr positiven“ Gesprächen rückt ein Comeback des Club-Idols bei den Schwaben näher, eine Rückkehr des verlorenen Sohnes wird zunehmend wahrscheinlicher.

„Klinsmann ist bereit“, titelte die Stuttgarter Zeitung am Dienstag. Nach einem Treffen mit den Aufsichtsräten Wilfried Porth und Hermann Ohlicher sowie dem kommissarischen Vereins-Chef Bernd Gaiser sprach Klinsmann von einem „sehr positiven“ Informationsaustausch und versicherte: „Es werden schnell weitere Treffen folgen.“

Und so steigen die Hoffnungen beim VfB auf die ganz große Lösung. Klinsmann, das gilt als sicher, soll nicht als Club-Präsident und Grüßonkel kommen, es geht um das neu geschaffene Amt des Vorstands-Chefs der AG. Der frühere Welt- und Europameister soll den schlingernden Verein nach dem Bundesliga-Abstieg und dem Rücktritt des Präsidenten Wolfgang Dietrich in die Spur bringen, ihn zudem als Identifikationsfigur einen.

Klinsmann und der VfB – das ist seit jeher eine Liebesbeziehung. Kein Geringerer als der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte ihn kürzlich als Messias bei seinem zerrissenen Herzens-Club ins Gespräch gebracht. Der Grünen-Politiker schwärmte via Facebook von einer „Persönlichkeit mit Fußball-Kompetenz, die ausschließlich das Interesse des Vereins im Blick hat“. Jemand, „der von hier kommt, der zusammenführt und hinter dem sich die ganze VfB-Familie versammeln kann“ und „der den Brustring definitiv im Herzen trägt“.

Die Replik des (noch) in den USA lebenden Klinsmanns ließ nicht lange auf sich warten. Stuttgart sei „ein besonderer Verein für ihn“, hatte der Berater des Ex-Bundestrainers daraufhin ausrichten lassen. Klinsmann selbst hatte im vergangenen Herbst betont, dass „mein Herz noch immer für den VfB schlägt“ und es ihn „mit meiner Erfahrung und meinem Netzwerk in den Profizirkus zurückziehen“ werde.

Um die besondere Bande zwischen Klinsmann und dem VfB zu verstehen, muss man weit in die Vergangenheit zurückblicken. Mehr als 35 Jahre ist es her, als der stürmende Blondschopf in seiner Heimat begann, die Fußballwelt zu erobern. Beim VfB (186 Pflichtspiele zwischen 1984 und 1989, 94 Tore) schwang sich Klinsmann zum Nationalspieler auf, er avancierte zum Bundesliga-Torschützenkönig und wurde 1988 erstmals zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt.

Stuttgart bildete für den streitbaren Schwaben die Startrampe zu einer großen Karriere. Nach seinem Wechsel zu Inter Mailand im Sommer 1989 stieg der einstige Bäckerlehrling aus Göppingen zum Weltstar auf. Klinsmann wurde mit der Nationalmannschaft Weltmeister, begeisterte in seiner Zeit beim AS Monaco (1992 bis 1994) und eroberte auch die Herzen der englischen Fans bei Tottenham Hotspur und des FC Bayern nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Sturm.

Nach seiner Profi-Karriere reformierte Klinsmann als Bundestrainer mit ganz neuem Stil die Nationalmannschaft und galt als Spiritus Rector des Sommermärchens, das 2006 mit Platz drei endete. Klinsmann erhielt anschließend das Bundesverdienstkreuz. Nach einer weniger erfolgreichen Station bei Bayern München, wo er nach nicht einmal einem Jahr entlassen wurde, fand er als Nationaltrainer der USA (2011 bis 2016) seine Erfüllung.Derzeit arbeitet Klinsmann als Experte für den TV-Sender RTL bei Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft. Genügend Zeit für den VfB wäre also da.

Der wiederum solle sich gut überlegen, welche Schritte er einleiten wird, findet zumindest Karlheinz Förster. „Man sollte von Seiten des Vereins prüfen, ob man diese neue Position braucht“, sagte der Europameister von 1980 am Dienstag über seinen Ex-Club: „Was den sportlichen Bereich betrifft, hat der Verein mit Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat zwei gute Leute, und auch die Mannschaft und der Trainer Tim Walter machen einen wirklich guten Eindruck.“

Ein Veto gegen Klinsmann sei dies aber nicht, betonte Förster: „Prinzipiell ist gegen eine Rückkehr nichts einzuwenden. Natürlich wäre Jürgen Klinsmann ein geeigneter Mann für diese Position. Man sollte sich nur etwas Zeit lassen, um die richtige Entscheidung treffen zu können.“