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Gosens will sich in Champions League für DFB-Team empfehlen

Fußball : Gosens’ wundersamer Aufstieg

Der deutsche Linksverteidiger sorgt mit Atalanta Bergamo auch in der Champions League für Aufsehen.

Das „affengeile“ Gefühl, auf dem Platz zu stehen und die Champions-League-Hymne zu hören – Robin Gosens wird an diesem Mittwoch wieder eine Gänsehaut bekommen. Der Deutsche ist so etwas wie ein heimlicher Fußball-Star geworden. Der Verteidiger tritt mit dem italienischen Erstligisten und Überraschungs-Club Atalanta Bergamo im Achtelfinale gegen den FC Valencia an (21 Uhr/Sky) – ein schon jetzt historisches Ereignis für die Italiener und für Gosens.

Das Team kam bei seiner ersten Teilnahme in der Champions League gleich unter die besten 16. Zugleich ist die Mannschaft erst die zweite in der Geschichte der Königsklasse, die nach drei Niederlagen zum Auftakt der Gruppenphase noch das Achtelfinale erreichte.

„Als ich die Hymne gehört habe, dachte ich: Alter, was ist das? Was machst du hier überhaupt?“, erzählte Gosens über seine Auftritte in der Champions-League-Vorrunde. „Ich hatte eine wahnsinnige Gänsehaut, die ging gar nicht mehr weg. Die hatte ich noch beim Anpfiff.“ Es sei ein „Träumchen“, gegen hochkarätige Spieler wie zum Beispiel in der Vorrunde bei Manchester City von Pep Guardiola anzutreten.

Juventus, Inter, Neapel? Nein, Atalanta Bergamo macht in Italien von sich reden. In der Serie A steht das Team aus der hübschen Stadt bei Mailand derzeit auf dem vierten Platz. Gosens hat in der Saison bereits acht Tore geschossen, wohlgemerkt als Verteidiger. Eine Spitzenleistung. Und Grund genug für den Mann vom Niederrhein, sich auch in seiner deutschen Heimat ins Gespräch zu bringen. „Mein größter Traum ist nach wie vor die Bundesliga – und Schalke ist der Verein, von dem ich immer noch Fan bin“, sagte Gosens. Vage Gerüchte kursierten zuletzt über ein Interesse von RB Leipzig und sogar vom FC Bayern.

Gosens Karriere verlief nicht geradlinig, eigentlich wollte er Polizist werden. Geboren in Emmerich an der holländischen Grenze spielte er dann in der Niederrheinliga beim VfL Rhede. In einem Probetraining bei Borussia Dortmund scheiterte er. Seine Profikarriere begann er stattdessen in den Niederlanden, wo er erst in der 2. Liga und dann bei Heracles Almelo in der Ehrendivision spielte. Seit 2017 ist er in Italien in Bergamo, einer Stadt an den italienischen Alpen mit rund 120 000 Einwohnern und einer Stadtmauer, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Die Göttin, „La Dea“, nennen die Fans ihren Fußballclub. Gosens berichtet, wenn er durch die Stadt gehe, gehe „es nicht so ganz ohne Erkennen“. „Total abgefahren“, findet er das. Gosens will aber offensichtlich geerdet bleiben. „Wenn ich mir eine Bodylotion für 16 Euro kaufe, weil die so geil riecht, hinterfrage ich mich schon“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Dann denke ich, die hätte ich jetzt auch für 1,99 kriegen können.“

Nun ist auch Deutschland auf ihn aufmerksam geworden. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sagte unlängst, er würde Gosens gern mal im Kreis der deutschen Nationalmannschaft sehen. „Er ist torgefährlich und einer, den ich fast in der internationalen Klasse sehe“, erklärte Matthäus. Er wisse nicht, warum Bundestrainer Joachim Löw ihn nicht mal testen solle. Auch Löw ist der Verteidiger nicht unbekannt. „Gehen Sie davon aus, dass wir ihn schon gesehen haben“, sagte Löw zuletzt Mitte Januar.

Gosens selbst gibt sich selbstbewusst. „Nicht dass ich den Anruf von Jogi Löw erwarte“, sagte er. Aber es sei auch nicht so, dass „ich allzu weit weg bin von der Nationalmannschaft. Ich habe schon die Ambitionen, mich dafür zu empfehlen.“ Eine bessere Bühne als die Champions League gibt es dafür kaum. Positionskonkurrenten wie Jonas Hector aus Auersmacher (1. FC Köln) oder Marvin Plattenhardt (Hertha BSC) können sich maximal im Abstiegskampf der Bundesliga zeigen.