Für Timo Werner ist in der Nationalmannschaft vorne kein Platz mehr

Fußball : Für Werner ist vorne kein Platz mehr

Der Stürmer von RB Leipzig ist in der Nationalmannschaft plötzlich nur noch Ersatz.

Bei den Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft steht Timo Werner nach wie vor hoch im Kurs. Sein Autogramm ist begehrt, Selfies mit ihm vor allem bei den jungen Anhängern sehr gefragt. Doch Werner fällt es zurzeit nicht ganz so leicht, in die vielen Handykameras zu lächeln.

Der 23-Jährige hat seinen Stammplatz im neuen deutschen Tempo-Angriff verloren, obwohl er der schnellste DFB-Stürmer ist. Gegen Weißrussland und Estland war er lediglich Ergänzungsspieler, immerhin traf er gegen die Esten nach seiner Einwechslung noch zum zwischenzeitlichen 7:0. Seine Rolle wird sich dadurch aber nicht verändern. Außerdem ist seine Zukunft weiterhin ungeklärt. Der von ihm angestrebte Wechsel zu Bayern München hängt in der Schwebe.

Das Thema Werner, sagte Präsident Uli Hoeneß kürzlich, sei „aktuell nicht so heiß“. Diverse Zeitungen wollen nun erfahren haben, dass der Rekordmeister Werner lieber erst 2020 und dann ablösefrei an die Isar holen würde. Dazu passt Hoeneß’ Hinweis von vor einigen Wochen, Werner habe ja bei RB Leipzig noch ein Jahr Vertrag.

Die Bayern bemühen sich aktuell verstärkt um Leroy Sané, der Werner auch bei der DFB-Auswahl den Rang abgelaufen hat. Sané ist dort im offensiven Dreizack ebenso gesetzt wie der Münchner Serge Gnabry und Dortmunds Kapitän Marco Reus. Werner bringt wie seine Konkurrenten höchstes Tempo mit, ist aber nicht so variabel und im Dribbling nicht so stark.

Das war im März gegen Serbien (1:1) zu beobachten, als Werner letztmals in der Startelf stand. Er zeigte sich sehr lauf- und einsatzfreudig, spielte aber ohne Fortune, vergab zwei große Chancen. Beim anschließenden Start in die EM-Quali in den Niederlanden (3:2) ließ ihn Bundestrainer Joachim Löw nach zuvor elf Länderspielen von Beginn an (zwei Tore) erstmals auf der Bank – und dort blieb er auch am vergangenen Samstag gegen Weißrussland (2:0) und am Dienstag gegen die Esten (8:0). Schon in den jüngsten Topduellen mit RB gegen die Bayern in Liga (0:0) und Cupfinale (0:3) war er blass geblieben.

Das Vertrauen der DFB-Trainer in Werner ist jedoch ungebrochen. Löw-Ersatz Marcus Sorg redete sich am Montag geradezu in Rage, als er auf den angeblichen „Verlierer“ angesprochen wurde. „Ich finde es nicht korrekt, daraus ein riesiges Thema zu machen und Timo so zu titulieren, dass er jetzt durchfällt“, sagte der Assistenzcoach: „Wir werden alle noch sehr froh sein, dass wir ihn haben.“

Gegen Weißrussland und Estland habe Werner nicht gespielt, „weil wir wussten, dass es vorne eng wird“. Dies aber ist häufig der Fall, das Gros der deutschen Gegner setzt auf defensive Bollwerke. Was das für Werner bedeutet, mit dem der neue Leipziger Trainer Julian Nagelsmann gerne langfristig zusammenarbeiten würde? „Es ist wichtig, dass wir unseren Weg sehen“, sagte Sorg, „auf diesem Weg ist Timo ein fester Bestandteil.“ Wenn auch derzeit nicht als Stammspieler.

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