Gastgeber Frankreich scheidet bei Frauen-WM nach 1:2 gegen die USA aus

Frauenfußball-WM : Frankreich trägt Trauer, USA feiern Rapinoe

Der Gastgeber der Frauen-WM scheidet nach einem hochklassigen 1:2 gegen den Titelverteidiger im Viertelfinale aus.

Spät in der Nacht spendete der Präsident den traurigen französischen Fußballerinnen aus dem fernen Osaka Trost. „Trotz Ihrer Anstrengungen und ihres Talents endet der Wettbewerb für unsere Blauen hier. Aber Sie haben definitiv die Herzen der Franzosen gewonnen! Vielen Dank, meine Damen“, schrieb Emmanuel Macron via Twitter vom G20-Gipfel.

Doch das tränenreiche Aus im Viertelfinale der Heim-WM und der im Pariser Prinzenpark geplatzte Titeltraum schmerzten noch immer. „Der Kater“ titelte die Sporttageszeitung „L‘Équipe“ am Morgen nach dem 1:2 (0:1) gegen Weltmeister USA, das 11,8 Millionen Franzosen an den TV-Bildschirmen verfolgt hatten. Die so ersehnte blau-weiß-rote Finalwoche in Lyon ein Jahr nach dem WM-Triumph der Männer findet ohne die Gastgeberinnen statt. Nationaltrainerin Corinne Diacre musste entsprechend zerknirscht zugeben: „Es war im fußballerischen Sinne ein Versagen, das können wir nicht leugnen.“ Wie Staatspräsident Macron äußerte sie trotz der zudem verpassten Olympia-Qualifikation die Hoffnung, „dass wir die Herzen der Menschen mit diesem Spiel und diesem Turnier gewonnen haben“.

Es bleibt dabei: Wenn es ans Eingemachte geht, scheitert die französische Auswahl. Obwohl sieben Spielerinnen mit Olympique Lyon Titel um Titel gewinnen, fehlt bei Turnieren der letzte Wille. Zum fünften Mal in Folge war bei einem großen Event in der Runde der letzten Acht Schluss. Auch wenn natürlich die Hürde bei diesem so besonderen Turnier nicht größer hätte sein können. Doch Les Bleues – das einzige Team, das die USA in den vergangenen zwei Jahren bezwungen hat – spielten dem Favoriten vor 45 595 Zuschauern in die Karten. Durch den Rückstand per Freistoß der überragenden Megan Rapinoe (5.) war der Matchplan früh passé.

In der zweiten Hälfte genügte den USA Rapinoes zweiter Treffer (65.), weil die hochveranlagte französische Offensive um Aktivposten Kadidiatou Diani es eben nicht schaffte, die Überlegenheit gegen immer defensivere Amerikanerinnen in Tore umzumünzen. Einzig die großgewachsene Innenverteidigerin Wendie Renard (81.) traf nach einem Freistoß. Ex-Nationalspielerin Diacre, seit zwei Jahren im Amt, schloss bei aller Kritik vor allem an ihren Personalentscheidungen einen Rücktritt aus. „Ich bin kein Mensch, der aufgibt. Ich habe einen langfristigen Vertrag und noch Arbeit zu erledigen“, sagte die 44-Jährige. Doch die Entscheidung, ob sie wie geplant bis zur EM 2021 an Bord bleiben darf, obliege natürlich dem Verbandspräsidenten Noel Le Graet.

So oder so – die dreiwöchige Euphorie um Les Bleues soll in der Weiterentwicklung des französischen Frauenfußballs münden. „Unsere Liga ist gut, aber nicht alle Teams sind professionell, nur zwei Vereine spielen um den Titel“, sagte Stürmerin Eugenie Le Sommer: „Das muss sich verbessern.“

Frankreichs Torschützin Wendie Renard winkt mit einem traurigen Blick ins Publikum. Foto: AP/Alessandra Tarantino

Derweil ließen sich Matchwinnerin Megan Rapinoe und ihr US-Team von Tausenden amerikanischen Fans feiern und drehten Ehrenrunden. „Wenn junge Spielerinnen ins Team kommen, sage ich ihnen immer, sie sollen sich an Megan wenden, wenn es um große Momente geht. Sie verkörpert wie keine andere die Einstellung, niemals aufzugeben. Sie lebt für solche Momente“, schwärmte US-Trainerin Jill Ellis. Die 33 Jahre alte Frontfrau der US-Girls wurde wie beim 2:1 im Achtelfinale gegen Spanien, als sie beide Tore per Elfmeter beisteuerte, zur besten Spielerin der Partie gekürt.

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