Frauenfußball. Deutschland startet in Rennes gegen China in die WM

Vor dem deutschen Auftaktspiel bei der Frauenfußball-WM : Deutsche Spielerinnen fühlen sich gerüstet

Mit dem Spiel gegen die Wundertüte China beginnt für die DFB-Frauen bei der WM die Jagd nach dem dritten Stern.

Mit starkem Teamgeist und bei bestem Fritz-Walter-Wetter peilen Deutschlands Fußballerinnen die perfekte Initialzündung für die Reise zum dritten Stern an. „Ich bin überzeugt, dass wir bereit sind, den ersten großen Schritt zu machen“, sagte Martina Voss-Tecklenburg vor dem WM-Auftakt an diesem Samstag (15 Uhr/ARD und DAZN) gegen China im verregneten Rennes.

Vor ihrem ersten Pflichtspiel als Bundestrainerin betonte die 51-Jährige auf der gut besuchten Pressekonferenz im Roazhan Park: „Es macht mich stolz und demütig. Und wenn der Anpfiff näher kommt, wird es auch mal im Magen grummeln oder feuchte Hände geben.“ Vize-Kapitänin Svenja Huth ergänzte: „Die positive Anspannung wächst. Wir sind voller Vorfreude.“

Kurze Vorbereitung, große Herausforderung: Zwei Jahre nach dem EM-Debakel unter Steffi Jones in den Niederlanden, als der Rekordeuropameister im Viertelfinale scheiterte, befindet sich die deutsche Auswahl eigentlich im Umbruch. Voss-Tecklenburg ist erst ein hal­bes Jahr im Amt, das DFB-Team die fünftjüngste Mannschaft der 24 Teilnehmer. 15 Spielerinnen sind erstmals bei einer WM dabei.

Dennoch gibt man sich im Lager des Olympiasiegers selbstbewusst, wie schon der Werbespot („Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“) bewies. „Es gibt nichts Schöneres, als sein Land bei einer WM zu vertreten“, sagte Huth: „Wir sind aus dem Tal herausgekommen und auf einem sehr guten Weg.“

Das große Ziel ist nun zunächst die Qualifikation für Olympia 2020 in Tokio. Das wird schwer: Denn dafür muss das DFB-Team unter die drei besten Teams Europas kommen. Holt Deutschland den Titel, winkt eine Prämie von 65 000 Euro plus 10 000 Euro Olympia-Bonus.

Die schwer einzuschätzende erste Hürde China nimmt der zweimalige Weltmeister nicht auf die leichte Schulter. „Sie werden uns alles abverlangen. Wir werden viel zeigen müssen, um zu gewinnen“, sagte „MVT“ über den Weltranglisten-16.. Die Trainerin glaubt, „dass China bei der WM eine gute Rolle spielen wird“. Sie kündigte, ohne Namen zu nennen, eine im Vergleich zur Generalprobe gegen Chile (2:0) leicht veränderte Startformation an. Möglich ist, dass die Freiburgerin Giulia Gwinn für Lea Schüller (SGS Essen) auf die linke Offensivseite rückt und Kathrin Hendrich vom FC Bayern dafür rechts in der Viererkette verteidigt.

Die Spielerinnen fühlen sich gerüstet: „Martina und das Trainerteam arbeiten akribisch, so macht es viel Spaß.“ Das ausführliche Lob der 28-jährigen Huth kommentierte Voss-Tecklenburg augenzwinkernd: „Also du spielst morgen.“

Erstes Etappenziel der „Tour de France“: Platz eins in der Gruppe B, um einem Achtelfinale gegen die USA aus dem Weg zu gehen. Schlüsselspiel wird wohl das Duell mit Geheimfavorit Spanien am Mittwoch (18 Uhr/ZDF und DAZN) in Valenciennes. Gegen WM-Neuling Südafrika am 17. Juni (18 Uhr/ARD und DAZN) ist Deutschland wieder klarer Favorit.

Damit der Druck nicht zu groß wird, bekamen die Spielerinnen zwei Tage vor dem Spiel einen freien Nachmittag zum Abschalten. Den nutzten einige für einen Bummel durch die schöne Innenstadt von Rennes, am Freitagabend schaute das Team gemeinsam das Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Südkorea auf einer Leinwand im Teamhotel „Domaine de Cice-Blossac“.

Die Stimmung sei gut, betonte Huth, der gewählte WM-Hashtag „WIR#IMTEAM“ sei nicht nur ein Spruch. Selbst das wenig sommerliche Wetter kann die WM-Vorfreude nicht schmälern. „Mir liegt das, ich spiele gerne bei Fritz-Walter-Wetter“, sagte die Angreiferin grinsend.

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