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FCK könnte zum Profiteur der Krise werden

Planinsolvenz während Corona? : FCK könnte zum Profiteur der Krise werden

Der Fußball-Drittligist könnte die Corona-Pandemie nutzen, um sich zu sanieren – falls die Juristen mitspielen. Der DFB tut es bereits.

Die Phrase von der „Krise als Chance“ hört man derzeit beinahe jeden Tag. Sie ist ziemlich abgegriffen, beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern erscheint sie dieser Tage aber glaubwürdiger denn je. Der viermalige deutsche Fußball-Meister und zweimalige Pokalsieger könnte die Wirren der Corona-Pandemie nutzen, um sein drohendes Aus im Sommer abzuwenden. Das Zauberwort beim FCK heißt „Planinsolvenz“.

Die Gedankenspiele der Pfälzer, die 20 Millionen Euro Schulden angehäuft haben und denen zwölf Millionen Euro an liquiden Mitteln für die Zulassung zur kommenden Saison fehlen, und von Clubs in ähnlicher Lage kreisen um die Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) von diesem Freitag.

Bei Stellung eines Insolvenzantrags während der laufenden Saison wird laut DFB kein Punktabzug in der 3. Liga verhängt. Vorher waren es neun. Tritt der Fall in der Saison 2020/2021 ein, werden dem jeweiligen Club drei Punkte abgezogen. Die DFL hatte mit Blick auf die Bundesliga und die 2. Liga bereits am Dienstag beschlossen, das Lizenzierungsverfahren zugunsten der Clubs anzupassen. Der DFB folgte diesem Vorgehen am Freitag.

Und diese Entscheidung des DFB eröffnet dem 1. FC Kaiserslautern, bei dem sich die Profis wie alle anderen Angestellten aufgrund der Saison-Unterbrechung derzeit in Kurzarbeit befinden, nun tatsächlich einen Weg aus der Schuldenfalle. Ohne den Abzug von neun Punkten könnte der drohende Abstieg sowie das derzeit im Raum stehende „normale“ Insolvenzverfahren wohl vermieden werden. Der Club könnte die sogenannte „Planinsolvenz“ einleiten, bei der das Ziel der Erhalt des Unternehmens ist.

FCK-Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt würde in diesem Fall im Amt bleiben und bekäme einen Insolvenzverwalter zur Seite gestellt. Die laufenden Verträge der Profis wären weiter gültig, die Verbindlichkeiten könnten durch Verhandlungen mit den Gläubigern beseitigt werden. Der FCK könnte saniert einen Neustart wagen – in der 3. Liga und mit seinem jetzigen Kader.

Der Schuldenschnitt könnte sogar den Gläubigern sinnvoll erscheinen, da sie bei einer regulären Insolvenz im Sommer wohl komplett leer ausgehen würden. Zudem hätten die Pfälzer wieder deutlich bessere Chancen bei ihrer Suche nach Investoren. Die standen zuletzt aufgrund des hohen Schuldenberges nicht gerade Schlange.

Im Hinblick auf mögliche FCK-Überlegungen in Richtung „Planinsolvenz“ gab Voigt zu Protokoll, dass die Verantwortlichen in der „hochbrisanten wirtschaftlichen Situation“ alle Optionen prüfen, um der „Verantwortung gegenüber dem Club gerecht zu werden“.

Prüfen müssten das Insolvenz-Konstrukt in jedem Fall die Juristen. Vor allem Konkurrenten könnten es als unlautere Trickserei anprangern und anführen, dass der FCK auch ohne Corona auf die Pleite zugesteuert wäre. Ob dieses rechtliche Schlupfloch tatsächlich geschlossen werden könnte, erscheint fraglich. Eine mögliche Argumentation des FCK, wonach er ohne die Krise neue Geldgeber gefunden hätte, wäre schwer zu widerlegen.

Schwierig bleibt die Situation so oder so. Um das finanzielle Loch zu schließen, gilt der Verkauf von U21-Nationaltorhüter Lennart Grill an Bayer Leverkusen (für zwei Millionen Euro) bereits als sicher. Auch die Offensivspieler Christian Kühlwetter und Florian Pick, beide bis 2021 an den FCK gebunden, sollen wohl gewinnbringend abgegeben werden.