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FCK findet keine Ruhe im Kampf um die Existenz

Fußball : Keine Ruhe im Kampf um die Existenz

Ex-Profi Andreas Buck kritisiert die Führung des FCK scharf. Die Entscheidung für den Investor Becca hinterlässt faden Beigeschmack.

Ruhe? Einigkeit? Die chaotischen Zustände beim 1. FC Kaiserslautern gehen auch nach der Entscheidung für den Einstieg des Luxemburger Investors Flavio Becca unvermindert weiter. Aktueller Auslöser ist Ex-Profi Andreas Buck, der fünf Tage nach seinem Rücktritt vom Vorstandsposten des e.V. auch als Markenbotschafter nicht mehr zur Verfügung stehen will und stattdessen die FCK-Führung scharf attackiert.

In einem Facebook-Beitrag wirft Buck der Geschäftsführung um Martin Bader und Michael Klatt sowie dem Beiratsvorsitzenden Patrick Banf fehlende Transparenz vor. Die genauen Details zu dem Angebot Beccas seien den weiteren Beiratsmitgliedern und ihm vorenthalten worden. „Mit dem Konzept der regionalen Investoren hätte ich mich dagegen zu 100 Prozent identifizieren können, weil dies eine Riesenchance gewesen wäre“, sagt Buck.

Nun fürchtet er weitreichende Folgen für den Verein. „Aufsichtsräte und Beiräte können wir zukünftig abschaffen. Die wichtigen Entscheidungen treffen andere: Unsere Finanzpartner bestimmen mit ihren Forderungen die Geschäftsleitung der KG. Quattrex bestimmt, wer Investor werden darf, Becca, wer im Aufsichtsrat bleiben darf oder gehen muss. Der Verein darf vielleicht zukünftig noch die Farbe der Servietten im Vip-Raum aussuchen.“

Buck hatte erst im Februar den Vorstandsposten beim viermaligen deutschen Meister übernommen. Nach seinem Rücktritt am vergangenen Montag verkündete der FCK, er werde den Verein künftig als Markenbotschafter repräsentieren. „Aufgrund der Richtung, die der Verein eingeschlagen hat, macht es keinen Sinn, als Markenbotschafter tätig zu sein“, teilt Buck mit.

Dabei hatte der FCK gehofft, die internen Grabenkämpfe erst einmal beenden zu können. Nach dem Einstieg des milliardenschweren Unternehmers Becca und dem Rücktritt von Michael Littig, Beiratsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender des e.V., wollte der Drittligist sich mit Hochdruck der Gestaltung einer sicheren Zukunft widmen. „Wir haben ein schlüssiges Konzept entwickelt, das sowohl im sportlichen als auch im betriebswirtschaftlichen Bereich den FCK zurück in die Erfolgsspur führen kann“, sagte Becca in einer Vereinsmitteilung.

Angesichts der moralisch fragwürdigen Forderung des Luxemburgers nach einem Rücktritt Littigs, der dieser im Interesse des Vereins nachkam, hinterlässt die Entscheidung für Becca einen faden Beigeschmack. Der Beiratsvorsitzende Patrick Banf stellte dennoch die Vorteile heraus: „Wir sind überzeugt, dass seine Kombination aus wirtschaftlicher Kraft und Kompetenz im Profisport perfekt zu unserem FCK passen.“

Becca hatte dem FCK ein Darlehen über 2,6 Millionen Euro angeboten, welches später in Eigenkapital umgewandelt werden soll. Zudem sollen in den nächsten fünf Jahren weitere 25 Millionen Euro fließen, um den Kader wieder zweitligatauglich zu machen. „Mein Ziel war es nie, hier ausschließlich den Feuerwehrmann zu spielen, sondern langfristig den Verein zu begleiten mit dem Ziel, in die Bundesliga zurückzukehren“, betonte Becca.

Dennoch birgt das Votum des Beirats für Becca und gegen das Alternativangebot der regionalen Investoren Brisanz. Denn die Lauterer Unternehmer Hans Sachs und Klaus Dienes hatten nach dpa-Informationen sogar drei Millionen Euro Eigenkapital sofort und ebenfalls 25 Millionen Euro in den kommenden Jahren in Aussicht gestellt. Zudem wollten sie einen Neubau der Geschäftsstelle und des Kabinentraktes auf dem Gelände des Nachwuchsleistungszentrums finanzieren, um die Betriebskosten des höchst defizitären Fritz-Walter-Stadions um jährlich rund ein bis zwei Millionen Euro zu senken. Daher stellt sich die Frage, warum das Investoren-Duo trotz des ähnlichen – oder sogar besseren – Angebots den Kürzeren zog.

Finanz-Geschäftsführer Klatt hatte sich zuletzt besorgt gezeigt, die notwendigen Vorgänge nicht rechtzeitig zum Ende des Lizenzierungsverfahrens am 28. Mai abschließen zu können. „Die Zeit drängte, es war eine Abwägung“, sagte Sportvorstand Bader. Zugleich kündigte er an, dass der auf 120 Millionen Euro taxierte Wert des Vereins von unabhängigen Wirtschaftsprüfern neu ermittelt werden soll.

Dass Becca nach der ursprünglichen Absage des FCK doch noch zum Zuge kommt, ist auch dem Finanzpartner Quattrex geschuldet. Der Kreditgeber gewährte dem FCK nur für den Fall eines Becca-Einstiegs ein weiteres Darlehen und drohte im anderen Fall mit einem Rückzug. Dies hätte eine Finanzlücke von drei bis vier Millionen Euro zur Folge gehabt.

Unklar ist weiter auch die Rolle der Stadt Kaiserslautern. Erst am vergangenen Montag hatte Becca mit Oberbürgermeister Klaus Weichel erneut über den Verkauf des Fritz-Walter-Stadions und weiterer höchst lukrativer Flächen im Stadtzentrum verhandelt (ehemaliges Gelände des Nähmaschinenherstellers Pfaff). Es bleiben also viele Fragen – und eine Gewissheit: Der neue Investor verschafft dem Verein höchstens eine Atempause im Existenzkampf, aber keine Ruhe.