Ex-Adidas-Chef Hainer übernimmt am Freitag beim FC Bayern

Fußball-Bundesliga : Bühne frei für den Sport-Fan Hainer

Der ehemalige Adidas-Chef wird an diesem Freitag zum Präsidenten des FC Bayern München gewählt.

Beim Empfang des FC Bayern in der Staatskanzlei hielt sich der künftige Präsident Herbert Hainer dezent zurück, beim Münchner Oktoberfestbesuch mochte der Nachfolger von Uli Hoeneß nicht für Fotos posieren. Die Zeit im Hintergrund ist für den neuen starken Mann an der Spitze des deutschen Fußball-Rekordmeisters von diesem Freitag an aber vorbei. Der langjährige Adidas-Chef (65) soll dann von den Vereinsmitgliedern zum Club-Oberhaupt gekürt werden.

„Ich halte Herbert Hainer für einen Mann, der für diese Position absolut perfekt geschaffen ist. Er ist ein Mann des Sports, er hat viel Ahnung vom Sport, er hat viel Ahnung von Wirtschaft“, rühmte der scheidende Präsident Hoeneß (67) seinen guten Freund: „Herbert Hainer gebe ich keine Ratschläge, der ist ein gestandener Vollprofi.“

Eine Profi-Vergangenheit in rot-weiß wie Hoeneß oder Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kann der frühere Landesliga-Fußballer Hainer aber nicht vorweisen. „Ich war relativ schnell, aber meine technischen Fähigkeiten waren limitiert. Dafür habe ich immer bis zur letzten Minute gekämpft und nie aufgegeben“, sagte Hainer: „Ich glaube, das hat mich auch später in meinem Berufsleben ausgezeichnet: Ich sehe in einer Situation in erster Linie die Chancen, nicht die Probleme.“

Der als „Herr der drei Streifen“ titulierte Hainer bringt 15 Jahre Erfahrung als Chef eines Topunternehmens mit. Fordernd, zielstrebig und teamorientiert führte der 1954 in Niederbayern geborene Hainer den Sportartikelkonzern in die Moderne. Der Börsenwert wurde in der Zeit verfünffacht, der Umsatz mehr als verdoppelt. „Einer, der Adidas führen kann, kann auch den FC Bayern führen“, sagte Hoeneß. Man könnte es aber auch anders herum formulieren: Einer, der ein Milliarden-Imperium gelenkt hat, traut sich sicher den FC Bayern zu.

Hoeneß hinterlasse aber „riesige Fußspuren“, sagte Hainer, der schon 18 Jahre im Aufsichtsrat der Münchner sitzt. „Der Unterschied zu anderen Aufsichtsratsmandaten sind die Emotionen, wenn wir bei den Sitzungen über die vorangegangenen Spiele diskutieren“, umschrieb es Hainer. Anders als von Hoeneß, dessen emotionale und impulsive Art in der Liga berühmt und gefürchtet ist, sind vergleichbare Hainer-Momente nicht überliefert. Der Geschichte, dass er in einem eigenen Spiel beim Stand von 8:0 nach einem Elfmeterpfiff in der 90. Minute den Schiedsrichter attackiert haben soll, widerspricht er im Vereins-Magazin „51“ aber nicht. „Diese Geschichte liegt an meinem Gerechtigkeitssinn“, sagte der „Freund offener Worte“: „Und dann rege ich mich eben auch in einer 90. Minute bei einem 8:0 auf.“

Wie Hoeneß stammt Hainer aus einer Metzger-Familie. Von der Freundschaft rückte er nicht ab, als Hoeneß wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis war. „Und als unsere Tochter gestorben ist, war er der Erste, der anrief und fragte, wie er helfen kann. Entscheidend ist nicht, wer mit dir lacht, wenn es dir gut geht. Da hat man viele Freunde. Entscheidend ist, wer mit dir weint, wenn es dir schlecht geht“, sagte Hainer. Seine Tochter wurde 23 Jahre alt. Seitdem „gibt es tatsächlich nicht mehr viel, was mir Angst macht“, erzählte er.

Im Gegensatz zu Hoeneß wirkt Hainer, dessen Bruder einst für den TSV 1860 München spielte, fast schon asketisch. Beim Essen verzichtet er meistens auf den Nachtisch, „um über die Jahre nicht aus dem Leim zu gehen“, verriet der Sportfanatiker. Vor seiner großen Wirtschaftskarriere arbeitete er als Wirtshaus-Betreiber, stand im letzten Studienjahr selbst am Zapfhahn. Hainer ist durch seine 15 Jahre an der Adidas-Spitze von 2001 bis 2016 bestens vernetzt im Fußball. Phasenweise galt er sogar als Kandidat für das Präsidentenamt des DFB.

Zusammen mit Oliver Kahn als künftiger Vorstands-Chef soll Hainer die Erfolgsstory des FC Bayern fortschreiben. „Ich bin überzeugt, dass diese Kombination aus fußballerischem und wirtschaftlichem Background sehr gut funktionieren wird“, sagte Hainer. „Ich kann jedem nur versprechen, dass ich alles tun werde, um den FC Bayern auf dieser Erfolgsspur der letzten 20, 30 Jahre weiterzuführen.“