Zu weit weg, Menschenrechte: Kritik am Finale der Europa League in Baku

Englische Fans bleiben lieber zuhause : Ein Finale an einem zweifelhaften Ort

Vor dem Endspiel der Europa League zwischen Arsenal und Chelsea hagelt es Kritik für den Austragungsort Baku in Aserbaidschan.

Vielleicht begreift Aleksander Ceferin den ganzen Unsinn ja, wenn er am Mittwochabend (21 Uhr MEZ) die verwaisten Plätze in Baku sieht. Wenn das Europa-League-Finale der Londoner Renommierclubs FC Chelsea und FC Arsenal um 23 Uhr Ortszeit zum stimmungsarmen Kampf um einen wichtigen Titel verkommt und sich ein Autokrat mit dem nächsten Großevent zu schmücken versucht. Vielleicht beharrt der Boss der Europäischen Fußball-Union (Uefa) allerdings auch auf seiner zweifelhaften Einschätzung – Kritik hin oder her.

„Die Menschenrechtslage ist hier ein Problem, das ist sie in anderen europäischen Staaten jedoch auch“, sagte Ceferin dem Nachrichtenmagazin Spiegel fast schon lapidar oder eben so, als sei die Vergabe des wichtigsten Spiels im Wettbewerb nach Aserbaidschan das Normalste dieser Welt: „Die Menschen dort lieben den Fußball. Und der darf von der Situation nicht gestoppt werden.“

So problemlos, wie sich Ceferin das alles ausmalt, ist die Sache allerdings nicht. Die Uefa sieht sich ein­einhalb Jahre nach der Vergabe des Endspiels zunehmender Kritik ausgesetzt. Politiker, Sportler und Fans fragen längst nicht mehr nur, warum die Partie zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal am äußersten östlichen Rand Eurasiens stattfindet, sondern auch nach der gesellschaftspolitischen Verantwortung der Uefa.

„Keine Veranstaltung, die in Baku ausgetragen wird, kann europäisch genannt werden. Wir leben nicht in einem wahren europäischen Land, wo Menschenrechte und Meinungsfreiheit respektiert werden“, kritisierte der in seiner Heimat schon einmal inhaftierte Oppositionspolitiker Ilgar Mammadow im Deutschlandfunk. Wohl auch deshalb wusste der deutsche Trainer Jürgen Klopp „nicht, was die Leute frühstücken, die so eine Entscheidung treffen. Das muss vernünftiger sein.“

Die Replik ließ nicht lange auf sich warten. Der Generalsekretär des aserbaidschanischen Fußball-Verbandes AFFA, Elchan Mammadow, war „unangenehm überrascht“ von Klopps Äußerungen, er hätte den Teammanager des FC Liverpool schließlich als „positive Person“ eingeschätzt. Mammadow sprach auch von „kleinen Problemen“ für Arsenals armenischen Angreifer Henrich Mchitarjan – der Club sah das anders, Mchitarjan wird das Finale deshalb verpassen.

Grund für die Sorge um den Ex-Dortmunder ist der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach. „Wir werden zum Ausdruck bringen, dass eine solche Situation nicht akzeptabel ist, und damit versuchen, so etwas künftig zu verhindern“, hatte Vinai Venkatesham, Geschäftsführer der Gunners, bereits vor dem geplanten Treffen mit den Uefa-Verantwortlichen gesagt.

Inakzeptabel ist für viele Anhänger auch die Anreise, sie verzichten angesichts von bis zu 27 Stunden langen Trips und Flugpreisen über 1000 Euro freiwillig darauf. Mehr als die Hälfte der 12 000 Tickets, die den Londonern zur Verfügung gestellt worden waren, wurden deshalb wieder zurückgeschickt. „Baku ist völlig unpassend als Austragungsort, die Reiselust ist massiv zurückgegangen“, teilte die Vereinigung der Chelsea-Fans mit.

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin steht im Mittelpunkt der Kritik. Foto: dpa/Niall Carson

Angeblich haben auch einige Sponsoren ihre Karten abgegeben – die Uefa bestreitet dies natürlich und geht trotz aller Kritik von einem vollen Stadion und einer perfekt inszenierten Show aus. „Wir haben ja auch eine sichere Europameisterschaft in Frankreich ausgetragen, als das Land Ziel von Terroristen war“, sagte Ceferin.

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