Europa: League: Özil trifft mit FC Arsenal im Finale auf den FC Chelsea

Özil will mit Arsenal Finale der Europa League gewinnen : Zuerst ein Titel und dann die Hochzeit

Ex-Nationalspieler Mesut Özil trifft mit dem FC Arsenal im Finale der Europa League am Mittwoch auf den FC Chelsea.

Mesut Özil erlebt mal wieder äußerst turbulente Tage. Erst vor Kurzem dinierte der ehemalige DFB-Spieler in Istanbul mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, am 7. Juni will er dann seiner Lebensgefährtin Amine Gülse das Ja-Wort geben. Dazwischen soll der 30-Jährige – fast beiläufig – auch noch mit dem FC Arsenal eine ziemlich mittelmäßige Saison retten - durch den Triumph in der Europa League.

Wie wichtig das Finalduell mit dem Stadtrivalen und Eintracht-Frankfurt-Bezwinger FC Chelsea an diesem Mittwoch (21 Uhr/RTL Nitro und DAZN) im Nationalstadion von Baku deshalb für Özil und die Gunners ist, stellte er in den sozialen Netzwerken heraus. „Unser großes Endspiel!“ schrieb der 92-malige deutsche Fußball-Nationalspieler, der auf einem riesigen Banner im Flughafen der aserbaidschanischen Hauptstadt zu sehen ist, unter seinen persönlichen Countdown bis zum Finale. Bei der Abreise, im Flugzeug und auf dem Trainingsplatz wirkte Özil dabei fokussiert und glücklich zugleich.

Das war nicht immer so gewesen. Der Mittelfeldspieler kam im ersten Jahr unter dem neuen Teammanager Unai Emery lediglich zu 34 Einsätzen, ihm gelangen dabei immerhin sechs Treffer. Die zahlreichen Pausen und häufige Kritik zeugten aber von einer schwierigen Spielzeit, in der sogar über einen vorzeitigen Abgang aus London spekuliert worden war.

Im Spiel der Saison ist das vergessen, die Gunners stehen zusammen. „Trainer, Spieler und Fans wollen im Fußball spezielle Momente erleben. Das Endspiel wird für alle ein solcher Moment sein“, sagte Emery, der bereits seinen vierten Triumph in der Europa League anpeilt. „Wir können einen Titel gewinnen und noch die Champions League erreichen, wir sind also voll fokussiert.“

Anders wird es gegen die Blues, die durch Platz drei in der Premier League das Ticket für die Königsklasse bereits in der Tasche haben, auch nicht möglich sein. „Vielleicht haben wir mehr Feuer drin, weil wir gewinnen müssen. Auf uns lastet aber auch mehr Druck“, sagte Schlussmann Bernd Leno. Landsmann Shkodran Mustafi, der sich mit Özil 2014 zum Weltmeister gekrönt hatte, warnte aber: „Chelsea wird es nicht egal sein, wenn sie ohne Titel abreisen. Darum geht es im Fußball nun mal.“

Und darauf wartet Arsenal auf internationaler Ebene nun schon seit einem Vierteljahrhundert. 1994 hatte der 13-malige englische Champion den Europapokal der Pokalsieger geholt, die letzte Finalteilnahme datiert vom 17. Mai 2006. Seither haben die Gunners zwar dreimal den FA Cup gewonnen, im selben Zeitraum gewann Chelsea aber satte 13 Titel – darunter die Champions League 2012 und die Europa League 2013.

So will sich Özil mit einem Sieg in den Sommerurlaub verabschieden, ein verlorenes Endspiel soll schließlich nicht zum Stimmungskiller für seine Hochzeit am 7. Juni werden. Zu dieser hat der gebürtige Gelsenkirchener auch Erdogan eingeladen, trotz der immer häufigeren Treffen der beiden steht eine Zusage des Politikers noch aus. Kaum vorstellbar allerdings, dass er sich die mögliche Inszenierung mit einem Europa-League-Sieger entgehen lässt.

Die Gunners wollen auch für Henrich Mchitarjan siegen. Dass der Ex-Dortmunder wegen Sicherheitsbedenken nicht mit nach Aserbaidschan reiste, ist für Leno schlicht „ein Skandal“. Mitspieler, sogar Gegner und viele Polit-Kritiker geben ihm Recht. Im Gegenzug wirft das Außenministerium der autoritär geführten Ex-Sowjetrepubllik Mchitarjan vor, seine Absage für politische Zwecke zu missbrauchen. Die Arsenal-Spieler hatten vor, sich geschlossen in Mchitarjan-
Trikots warm zu machen. Doch die Uefa erlaubt das nicht. Auch auf eine geplante Stellungnahme vor Ort wollen die Verantwortlichen laut „Daily Mail“ verzichten, weil sie den Konflikt nicht schüren möchten.

Beim FC Chelsea, der leichter Favorit ist, fällt Nationalspieler Antonio Rüdiger nach seiner kürzlich erfolgten Meniskus-Operation aus. Und bei Arsenal stehen mit Sokratis, Pierre-Emerick Aubameyang (beide früher in Dortmund), Sead Kolasinac (Schalke) und Granit Xhaka (Mönchengladbach) vier weitere Ex-Bundesliga-Profis im Kader.

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