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Europa League : Die Adler bleiben weiter hungrig

Eintracht Frankfurt schaltet in der Europa League mit Benfica Lissabon den nächsten Topclub aus. Jetzt wartet Chelsea.

Der letzte Nahkampf einer kraftraubenden Europapokal-Schlacht war für die „Krieger“ von Eintracht Frankfurt purer Genuss. Ohne Berührungsängste feierten sie umringt von ihren freudetrunkenen Fans den Triumph über Benfica Lissabon. An einem „historischen und außerordentlichen Abend“ machte der erste Einzug in ein europäisches Halbfinale seit 39 Jahren auch alle körperlichen Leiden vergessen – die Vorfreude auf die Duelle mit dem FC Chelsea ist riesig. „Welche Mannschaften wir in der Europa League ausgeschaltet haben, das ist sensationell. Aber wir sind weiter hungrig“, sagte Trainer Adi Hütter.

Der Hunger seiner Spieler ist ebenfalls noch nicht gestillt. Mit der Unterstützung der Fans soll die Reise durch Europa bis zum Finale nach Baku gehen. „Was die Anhänger und das Team geleistet haben, ist unbegreiflich“, sagte Mittelfeldspieler Sebastian Rode. Der 28-Jährige hatte zuvor nicht nur wie ein Berserker gekämpft, sondern seinen Verein auch in die Vorschlussrunde geschossen. Rode markierte beim 2:0 (1:0) gegen Portugals Rekordmeister den Endstand, der nach dem 2:4 im ersten Duell für die Jubelparty reichte.

Nach Olympique Marseille und Lazio Rom in der Gruppenphase sowie Schachtjor Donezk und Inter Mailand in der K.o.-Runde schalteten die Hessen, laut Vorstand Axel Hellmann „eine Mannschaft voller Mentalität und Leidenschaft“, nun also den nächsten namhaften Gegner aus. „Ob wir das verdienteste Team im Halbfinale sind, weiß ich nicht“, sagte der „wahnsinnig stolze“ Hütter: „Aber wir sind mit Sicherheit das überraschendste.“

Individuell vielleicht nicht so hochklassig besetzt wie Benfica oder der kommende Gegner Chelsea, lieferte der DFB-Pokalsieger vor 48 000 elektrisierten Zuschauern einen heldenhaften Kampf ab. Taktisch äußerst diszipliniert agierten die Schützlinge von Hütter gegen die gefährlichen Gäste. Die Fans peitschten ihre Lieblinge über die komplette Spielzeit lautstark an. „Wir waren müde, aber die Unterstützung hat uns die Kraft gegeben“, sagte Abwehrchef Makoto Hasebe.

„Mit diesen Fans im Rücken haben wir von der ersten Minute daran geglaubt weiterzukommen“, ergänzte Mijat Gacinovic, der die Führung vorbereitet hatte. Sein Pfostenschuss staubte Filip Kostic (36.) zum 1:0 ab – allerdings stand er dabei deutlich im Abseits. „Das war wohl das Quäntchen Glück, das wir diesmal benötigt haben“, sagte Flügelspieler Danny da Costa.

Die kaum für möglich gehaltene Aufholjagd hat beim letzten Bundesligisten auf der internationalen Bühne so sehr die Zuversicht gestärkt, dass selbst der sechsmalige englische Meister mit Nationalspieler Antonio Rüdiger in der Vorschlussrunde nicht als unüberwindbarer Gegner betrachtet wird. Im Hinspiel am 2. Mai soll vor heimischer Kulisse auch ohne den gesperrten Ante Rebic der Grundstein gelegt werden, um eine Woche später an der Stamford Bridge das Ticket für das Finale in Baku zu lösen.

In den „absoluten Krachern“ (Rode) gegen eine „Champions-League-Mannschaft“ (Abwehrchef David Abraham) dürfte die Eintracht zwar „nicht der Favorit“ (Hütter) sein. Aber das war ja auch schon gegen Donezk so gewesen. Und gegen Inter. Und gegen Benfica. „Wenn man sieht, gegen wen wir uns schon alles durchgesetzt haben, dürfen wir an uns glauben“, sagte da Costa.

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