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England nach Sieg gegen Dänemark zum ersten Mal im EM-Finale

Umstrittener Elfmeter : England nach Sieg gegen Dänemark zum ersten Mal im EM-Finale

Die englische Fußball-Nationalmannschaft steht zum ersten Mal im Endspiel der Europameisterschaft.

England hat das Halbfinale bei der Fußball-Europameisterschaft gegen Dänemark gewonnen und bestreitet am Sonntag das Endspiel gegen Italien. Die Mannschaft von Trainer Gareth Southgate setzte sich am Mittwochabend vor 64 950 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion mit 2:1 (1:1, 1:1) nach Verlängerung gegen das EM-Überraschungsteam durch. Für Dänemark traf zunächst Mikkel Damsgaard (30. Minute) per Freistoß. Ein Eigentor von Kapitän Simon Kjaer (39.) führte zum Ausgleich. Für die Three Lions erzielte Kapitän Harry Kane das Siegtor, indem er einen umstrittenen Foulelfmeter im Nachschuss verwandelte (104.).

Damit stehen die Engländer erstmals überhaupt in einem EM-Finale. Für sie wäre ein Erfolg der erste Turniersieg seit dem WM-Triumph 1966 im eigenen Land. Für Dänemark endete der Traum von einem erneuten Coup wie 1992, als die Auswahl völlig überraschend Europameister wurde. Mit dem Team von Chefcoach Kasper Hjulmand, das im ersten Spiel um das Leben seines Stars Christian Eriksen bangen musste, verabschiedete sich auch der große Sympathieträger des Turniers.

England im Elfmeter-Glück

In der Verlängerung war Kane (104. Minute) per Elfmeter-Nachschuss zur Stelle, nachdem Dänen-Schlussmann Kasper Schmeichel seinen umstrittenen Strafstoß zunächst pariert hatte. In der regulären Spielzeit waren die Three Lions durch ein Eigentor des dänischen Kapitäns Simon Kjaer (39.) wieder ins Spiel gekommen. Die Führung der Dänen durch einen Freistoßtreffer von Youngster Mikkel Damsgaard (30.) hielt nur neun Minuten an. 25 Tage nach dem dramatischen Zusammenbruch von Starspieler Christian Eriksen konnte sich Danish Dynamite aber mit großem Stolz vom Pan-Europa-Turnier verabschieden.

Es war der ganz besondere Fußball-Swing, der durch London, der durch ganz England schwirrte. Die in mehr als einem halben Jahrhundert aufgestaute Sehnsucht nach diesem immer wieder unerreichbaren Titel war überall spürbar, nirgends aber mehr als auf den Rängen des Wembley-Stadions. „It's coming home“, „Sweet Caroline“ und natürlich „God save the Queen“ wurden inbrünstig als Klassiker des EM-Sommers intoniert.

Unterdessen beschäftigt die Corona-Lage im Halbfinal- und Endspielort London weiter die Experten. Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC hat im Zusammenhang mit der EM bislang mehr als 2500 Corona-Infektionen gezählt. In der dritten Turnierwoche sei ein erheblicher Anstieg im Vergleich zur Woche davor zu verzeichnen gewesen, bestätigte die EU-Agentur auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Infektionsfälle in sieben Ländern ließen sich mit der EM in Verbindung bringen.

Schottland sei mit 1991 Fällen dabei am weitaus stärksten betroffen. Die schottische Mannschaft trug ihre EM-Gruppenspiele in Glasgow und im Londoner Wembley-Stadion aus. In Großbritannien breitet sich die als ansteckender geltende Delta-Variante des Virus stark aus. 436 Fälle seien zuletzt in Finnland registriert worden, vor allem nachdem Finnlands Fußballer in St. Petersburg spielten und Fans offensichtlich das Virus aus Russland mitbrachten. In Deutschland sind demnach keine Corona-Infektionen direkt im EM-Zusammenhang festgestellt worden.

Um die Austragung der EM während der Pandemie und die Zulassung Tausender Zuschauer war vor allem in Deutschland heftig debattiert worden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte die Haltung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) als „absolut verantwortungslos“ bezeichnet. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich im Hinblick auf die Zulassung von 60 000 Fans bei Halbfinals und Endspiel im Londoner Wembley-Stadion „sorgenvoll und skeptisch“.

Die Italiener genossen nach dem Elfmeterdrama im Halbfinale gegen Spanien ihren besonderen Triumph. „Das war ohne Zweifel die schönste Nacht meiner Karriere. Ein unglaublicher Traum“, sagte Federico Chiesa, der sein Team in Führung gebracht hatte. „Ein azurblaues Märchen ohne Ende“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“. Schließlich waren die Italiener mit der verpassten WM 2018 am Tiefpunkt. „Jetzt fehlt noch ein Spiel“, sagte Trainer Roberto Mancini mit Blick auf das Finale am Sonntag (21.00 Uhr) im Wembley-Stadion.

Bei den unterlegenen Spaniern herrschte nicht nur Trauer, sondern auch Unverständnis über die Angriffe in den sozialen Netzwerken auf Mittelstürmer Alvaro Morata. Seine Ehefrau Alice Campello-Morata postete am Mittwoch auf Instagram mehrere persönliche Nachrichten, die sich gegen sie, ihren Mann und die Kinder des Ehepaares richten. Morata hatte im Spiel mit seinem Treffer zum 1:1 Spanien in die Verlängerung gerettet, später aber im Elfmeterschießen nicht getroffen.

„Erinnern wir uns daran, dass es ein Sport ist, der die Menschen zusammenbringen soll, und der nicht dazu da ist, eurem Frust Luft zu machen“, schrieb seine Frau zu den Beleidigungen. Morata stand schon seit Beginn der EM wegen vergebener Großchancen in der Kritik und hatte nach der Vorrunde von Drohungen und Beleidigungen gegen seine Familie berichtet.

(dpa)