1. Sport
  2. Fußball

Druck auf die Uefa nimmt vor dem Krisengipfel zu

Fußball : Der Druck auf die Uefa nimmt vor dem Krisengipfel zu

An diesem Dienstag wird die Europäische Fußball-Union das Geheimnis um ihren EM-Plan lüften. Eine Verlegung scheint alternativlos zu sein.

Am Fuße des Genfer Sees werden sie gar nicht gerne hören, wie da gerade über ihre millionenschweren Premiumprodukte hergezogen wird. EM 2020? Champions League? Völlig unwichtig. Und zu Zeiten der Corona-Krise die Wettbewerbe, auf die am ehesten verzichtet werden kann. Wenn die Europäische Fußball-Union (Uefa) an diesem Dienstag also über ihre dringendsten Fragen berät, scheint es nur eine richtige Antwort zu geben.

„Das Wichtigste ist die nationale Liga“, sagte Rudi Völler, Sport-Geschäftsführer des Bundesligisten Bayer Leverkusen, und machte klar: „Der Rest steht hintendran.“ Also unter anderem die für diesen Sommer geplante EM (12. Juni bis 12. Juli). Die Champions League mit all den internationalen Superstars. Und auch die Europa League.

Während sämtliche Szenarien mit Blick auf die EM in den Medien durchgespielt werden, hält sich die Uefa total bedeckt. Erst nach dem Krisengipfel, an dem via Telefonkonferenz die Vertreter der 55 Mitgliedsverbände, die Vorstände der Clubvereinigung ECA und der Vereinigung der europäischen Ligen sowie der Spielergewerkschaft FIFPro teilnehmen, soll die Öffentlichkeit informiert werden.

Alle Gedankengänge, die über eine Verschiebung der EM und die vorläufige Aussetzung der Clubwettbewerbe hinausgehen, wären angesichts der Entwicklungen jedenfalls hanebüchen. „Kein Mensch kann aktuell seriös voraussagen, wie lange uns das Thema Coronavirus noch beschäftigen wird“, sagte auch Bayern Münchens Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge: „Ich bin mir sicher, dass die Uefa mit Präsident Aleksander Ceferin an der Spitze eine seriöse und verantwortungsbewusste Entscheidung treffen wird.“

Bei der auch das Geld eine dominante Rolle spielen wird. Mit der Champions League erwirtschaftet die Uefa Unsummen, an der EM hängen unzählige Verträge. Dass alles ersatzlos gestrichen wird, dürfte deshalb ebenso ausgeschlossen sein wie die planmäßige Durchführung. Auch deshalb treten immer mehr Alternativen zutage. So berichtet der „Daily Telegraph“ aus England von einer Verlegung des EM-Turniers in den Dezember. Diese könnte den Vorteil mit sich bringen, die EM als Testlauf für die Winter-WM 2022 zu nutzen und gleichzeitig eine Konfrontation mit dem Weltverband Fifa zu umgehen. Eine Verschiebung der EM-Endrunde um ein Jahr würde schließlich zu einer Kollision mit der reformierten Club-WM der Fifa führen, die für den Sommer 2021 in China geplant ist.

Auf Vereinsebene berichtete die spanische Zeitung „AS“ von einer Durchführung der Champions- und Europa-League-Spiele im Schnelldurchgang. Sobald alle Viertelfinalisten feststehen (wann auch immer das sein mag), sollen in einem K.o.-Duell die Halbfinalisten ermittelt werden. Die Sieger würden dann in einem Final Four in Istanbul (Champions League) und Danzig (Europa League) gesucht.

Über allem, forderte Ex-Bundesliga-Funktionär Andreas Rettig, stehe das „Brot- und Buttergeschäft“, also die nationalen Ligen: „Wir können nicht die Existenzgrundlage oder das Schwungrad des Fußballs riskieren, nur weil wir einen nachgelagerten Wettbewerb spielen wollen.“ Ähnlich argumentierte Leverkusens Vorsitzender der Geschäftsführung, Fernando Carro. „Es ist die beste Lösung, im Sommer die nationalen Wettbewerbe zu Ende zu spielen“, sagte das Mitglied des Uefa-Komitees für Club-Wettbewerbe.