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Die Uefa bastelt eifrig an ihrem „Corona Kalender“

Für Champions League und Europa League : Die Uefa bastelt eifrig an ihrem „Corona-Kalender“

Die Europäische Fußball-Union hat mehrere Modelle entworfen, um die Champions League und auch die Europa League bis 30. Juni beenden zu können.

Die Verschiebung der „Gelddruckmaschine EM“ auf 2021 hat die Uefa laut Präsident Aleksander Ceferin „Hunderte Millionen Euro“ gekostet – jetzt klammert sich die Europäische Fußball-Union verzweifelt an den letzten verbliebenen Goldesel. Der Verband hat offenbar einen „Corona-Kalender“ entworfen mit dem überaus ambitionierten Ziel, die Champions League bis Sommer zu Ende zu spielen. Das Finale in Istanbul soll laut Bild am Sonntag, der die Pläne vorliegen, am 27. Juni steigen – drei Tage vor dem Ende der Spielzeit 2019/2020.

Mit der EM-Verlegung habe die Uefa bereits „das größte Opfer gebracht“, sagte Ceferin: „Die EM ist unser Aushängeschild. Und sie ist in jeder Vier-Jahres-Periode die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle.“ Das gilt in jeder einzelnen Saison für die Champions League, daher soll sie so schnell wie möglich wieder weiterlaufen.

Erster möglicher Wiederaufnahme-Termin ist laut „Corona-Kalender“ der 14. April. Alle Spiele würden im unveränderten Modus stattfinden – also auch ein Achtelfinal-Rückspiel mit dem italienischen Meister Juventus in Turin oder ein Viertelfinale mit Atalanta aus der Krisen-Hochburg Bergamo. Gespielt werden würde an zehn Wochenenden und neun Mal unter der Woche, auch parallel zu den nationalen Ligen wie der Bundesliga, sofern diese wieder spielen sollten.

Verrückt? Offiziell wollte sich die Uefa auf Anfrage nicht zu den Plänen äußern. „Wir müssen verschiedene Szenarien im Hinterkopf haben, wir sollten sie nur nicht alle ausbreiten“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der auch Mitglied im Exekutivkomitee der Uefa ist. Es gehe darum, Pläne zu entwerfen, „um nach Corona nicht vor einem totalen Desaster zu stehen“.

Der neue Kalender soll den 55 Nationalverbänden in der abgelaufenen Woche präsentiert worden sein, gleich sieben Modelle für eine Fortsetzung der Champions League, aber auch mehrere Szenarien für die Wiederaufnahme der Europa League wurden darin skizziert.

„Wir haben jetzt eine Arbeitsgruppe mit Uefa-Mitarbeitern sowie Club- und Liga-Vertretern gegründet, die den weiteren Verlauf der Krise genau beobachtet und über notwendige Maßnahmen entscheiden soll“, sagte Uefa-Boss Ceferin: „Fakt ist: Wenn noch lange nicht gespielt werden kann, haben viele Clubs ein Problem.“ Deshalb soll der Ball überall so schnell wie nur irgend möglich wieder rollen.

Schon ein Aufschub um nur zwei Wochen brächte gravierende Veränderungen mit sich. Würde die Königsklasse statt am 14. erst am 28. April wieder gestartet, müsste der Kalender massiv zusammengedrückt werden. Möglich wäre dann, ab dem Viertelfinale nur noch ein K.o.-Spiel statt Hin- und Rückspiel auszutragen. Welcher Club Heimrecht hat, würde ausgelost. Konkretes soll die Arbeitsgruppe klären.

Falls es erst im Mai weitergehen kann, wie in den übrigen fünf Szenarien angedacht, müsste auch das Format der Königsklasse verändert werden. Der Grund: Ende Juni soll wegen der vielen dann auslaufenden Profiverträge unbedingt Schluss sein. Das könnte durch ein Final-Four-Turnier der vier Halbfinalisten gewährleistet sein.

„Was die Vereine angeht, so hängt alles davon ab, ob die Ligen bis Ende Juni zu Ende gespielt werden können. Wenn das möglich ist, halten sich die Auswirkungen in Grenzen“, sagte Ceferin über die finanziellen Folgen der Krise. Was die Uefa angehe, habe es vonseiten der Clubs und Ligen im Zuge der EM-Verschiebung lose Zusagen gegeben, „sich solidarisch mit uns zu zeigen, wenn es nötig ist“. Seine Union habe aber einen langen Atem, betonte der Slowene: Die Uefa verfüge aktuell über Reserven in Höhe von 575 Millionen Euro. Das reicht zumindest, um diesen Sommer zu überbrücken.