Die Jagd auf den Henkelpott beginnt

Fußball : Die Jagd auf den Henkelpott beginnt

Borussia Dortmund eröffnet die neue Champions-League-Saison mit dem Kracher gegen den FC Barcelona.

In Panik verfallen die Verantwortlichen des deutschen Fußballs zwar noch nicht. Aber laut Julian Nagelsmann besteht zumindest „eine Gefahr“. Vor dem Start der Champions League an diesem Dienstag äußert der Trainer von RB Leipzig die Sorge, „dass Deutschland abgehängt wird“. Um diesem Eindruck entgegenzutreten, plant die Bundesliga nach der ernüchternden Vorsaison nun die Wiedergutmachung in der Königsklasse.

Aber wie soll das gelingen? Wird der FC Bayern München den eigenen Ansprüchen diesmal gerecht? Kann Borussia Dortmund seine schwere Gruppe überstehen? Spielen sich Leipzig oder Bayer 04 Leverkusen in einen internationalen Rausch wie in der Vorsaison Ajax Amsterdam? Oder ist der deutsche Fußball tatsächlich abgehängt?

Nein, findet Ottmar Hitzfeld. „Es geht darum, wieder selbstbewusst in diesen Wettbewerb zu gehen“, sagt der frühere Erfolgstrainer: „Deutschland muss sich nicht verstecken.“ Zwei Mal hat Hitzfeld während seiner Trainer-Karriere die Champions League gewinnen können. Von einem solchen Erfolg waren deutsche Clubs in der Vorsaison so weit entfernt wie selten zuvor. Für die Bayern, Dortmund und Schalke 04 war jeweils im Achtelfinale Schluss, die TSG Hoffenheim hatte nicht mal die Gruppenphase überstanden. Jetzt müssen die Münchner dem eigenen Anspruch zufolge deutlich weiter kommen.

Als Topfavorit sieht sich der Rekordmeister aber längst nicht mehr. Stattdessen gibt sich der Double-Sieger vor seinem ersten Auftritt am Mittwoch (21 Uhr/Sky) gegen Roter Stern Belgrad ungewohnt bescheiden. „Wir wollen in der Champions League mehr K.o.-Runden überstehen“, sagt Trainer Niko Kovac mit Blick auf das frühe Aus gegen den späteren Titelträger FC Liverpool im vergangenen Winter. Kovac und der frühere Bayern-Trainer Hitzfeld verweisen auf das Losglück, was man ab dem Achtelfinale haben müsse. Aber Hitzfeld sagt auch: „Der FC Bayern ist nicht der Topfavorit aufgrund der finanziellen Möglichkeiten der anderen Clubs.“

Liverpool, Manchester City, Real Madrid, der FC Barcelona, Juventus Turin oder Paris St. Germain besitzen für ihn die größten Chancen auf den Titel. Der BVB empfängt Barça gleich zum Auftakt am Dienstagabend (21 Uhr/Sky) – und ein guter Start ist angesichts der weiteren Gruppengegner Inter Mailand und Slavia Prag fast schon Pflicht. Die Klasse, um auch diese Gruppe zu überstehen, besitzen Marco Reus, Mats Hummels, Axel Witsel, Paco Alcácer und Co. an guten Tagen ohne Zweifel. Aus Sicht von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus kommt daher selbst ein Titelfavorit wie der FC Barcelona zu Beginn daher nicht ungelegen.

„Barcelona stottert. Es ist ganz gut, wenn man die am Anfang hat, weil Lionel Messi vielleicht nicht dabei ist“, sagt der 58-Jährige. Superstar Messi musste zuletzt wegen einer Wadenverletzung pausieren, steht aber zumindest im Aufgebot für Dortmund. So oder so wird die Borussia nicht als Favorit in die Partie gehen und damit mit einer anderen Ausgangslage als RB Leipzig. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann startet ebenfalls am Dienstag (21 Uhr/DAZN) bei Benfica Lissabon und peilt bei der zweiten Champions-League-Teilnahme der Vereinsgeschichte das erstmalige Erreichen der K.o.-Runde an – angesichts der weiteren Gruppengegner Zenit St. Petersburg und Olympique Lyon ein realistisches Ziel.

„Man hat keine übermächtigen Gegner. Die Gegner haben mehr Erfahrung, aber nicht mehr Klasse“, findet Hitzfeld. Genauso unbestritten ist allerdings auch, dass Bayer 04 Leverkusen es ziemlich schwer haben dürfte weiterzukommen. Bedingung dafür ist zunächst mal ein Auftakterfolg gegen Lokomotive Moskau am Mittwoch (21 Uhr/DAZN). Denn die weiteren Gegner lauten Juventus Turin mit Cristiano Ronaldo und Atlético Madrid. Aber vielleicht gelingt der Mannschaft von Trainer Peter Bosz ja eine Überraschung. Das würde dem gesamten deutschen Fußball gut tun.

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