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Die großen Pläne für die verschobene Fußball-EM 2021 wackeln

Verschobenes Turnier : Die großen EM-Pläne für 2021 wackeln

Die verschobene Fußball-Europameisterschaft könnte ein völlig anderes Gesicht bekommen. Der Rückzug von eingeplanten Spielorten ist möglich. Auch München hat sich noch nicht entschieden.

Die Uefa-Pläne für die auf 2021 verlegte Fußball-EM könnten ins Wanken geraten. Der Wunsch des Dachverbands, das pan-europäische Turnier wie geplant auch im nächsten Jahr in den gleichen zwölf Spielorten auszurichten, droht zu platzen. Medienberichten zufolge gibt es in mehreren Städten Probleme mit dem neuen Termin. Auch aus dem einzigen deutschen Spielort München gibt es noch keine endgültige Zusage an die Uefa. „Nach der Verschiebung der Fußball-Europameisterschaft auf das Jahr 2021 wird das weitere Vorgehen aktuell stadtintern geprüft“, teilte das Sportreferat mit.

Ob es Zweifel an einer erneuten Gastgeber-Rolle in München gibt und welche Rolle die veränderten Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat mit den Grünen als nun stärkster Kraft spielen, blieb offen. Zuletzt hatte der deutsche EM-Botschafter Philipp Lahm bestätigt, dass auch der deutsche Spielort auf dem Prüfstand stünde. In der Münchner Arena soll neben den deutschen Gruppenspielen gegen Frankreich, Portugal und einen Playoff-Sieger noch ein Viertelfinale stattfinden.

Konkreter sollen die Probleme mit den neuen Spieldaten der wegen der Corona-Pandemie verlegten EM in Bilbao sein, berichtete der „kicker“. Die britische „Daily Mail“ will auch von ernsthaften Zweifeln beim italienischen Fußballverband am Spielort Rom erfahren haben. Zudem gibt es demnach in Amsterdam, Glasgow, Dublin und am Finalort London Kollisionen mit anderen für 2021 geplanten Veranstaltungen in den jeweiligen Arenen.

„Die Uefa steht in dieser Angelegenheit mit allen zwölf Austragungsorten in Kontakt. Weitere Ankündigungen werden zu gegebener Zeit erfolgen“, hatte die Europäische Fußball-Union dazu mitgeteilt. Der Spielplan sei „noch nicht offiziell bestätigt“. Eine Entscheidung könnte Ende April fallen. Eigentlich sollte die EM in diesem Jahr zur Feier des 60. Jahrestags der ersten Turnierauflage 1960 in zwölf Ländern stattfinden. Als neuer Termin ist nun der Zeitraum zwischen dem 11. Juni und dem 11. Juli 2021 angesetzt. Laut Uefa „mit der Absicht, den gleichen Spielplan und die gleichen Austragungsorte zu haben“.

Das russische Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees, Alexej Sorokin, sprach jedoch bereits von möglichen Alternativ-Szenarien: „Sollte irgendeine Stadt ausfallen, bleiben nur wenige Varianten.“ Es würden neue Austragungsorte ausgewählt oder Spiele auf die übrigen Städte verteilt. „Die zweite Option ist weniger zeitaufwendig“, sagte Sorokin, der auch das Organisationsteam des Spielorts St. Petersburg leitet.

In Russland selbst sei ein Rückzug kein Thema, versicherte Sorokin. Sollten einige Städte wegen der Corona-Krise abspringen, könnte Russland gerne aushelfen. Vor der Verschiebung hatte Russland angeboten, als alleiniger Ersatz-Gastgeber einzuspringen. Auch Aserbaidschan will in jedem Fall am Spielort Baku festhalten. Regionale Medien spekulierten zuletzt über mögliche Vorteile einer Absage anderer Gastgeber wie Rom oder Bilbao. So könne Baku weitere Spiele erhalten.

Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi hatte nach der Verschiebung beteuert: „Wir wollen die EM in Sorglosigkeit und ohne Risiken erleben.“ Italien ist eines der Länder, das am schwersten von Corona betroffen ist. Auch Spanien leidet stark unter der Ausbreitung von Sars-CoV-2. Ein Sprecher des nationalen Verbands versicherte jedoch, dass es „kein Problem“ sei, 2021 Partien in Bilbao auszutragen. Bilbaos Bürgermeister Juan María Aburto dagegen will sich nicht öffentlich äußern.

Kopenhagen will unbedingt EM-Spielort bleiben und zusammen mit dem Start der Tour de France 2021 „einen riesigen Sportsommer“ feiern, wie Oberbürgermeister Frank Jensen sagte. Die Dänen gehen aber von erhöhten Kosten aus. Für den als großen Fußballfan bekannten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban ist dies jedoch kein Grund, am Spielort Budapest zu rütteln.

Auch Bukarest kann sich der weiteren Unterstützung durch Rumäniens Regierung sicher sein. Die Investitionen für die EM würden „gerade in diesen Zeiten die Wirtschaft stützen“, sagte Sportminister Ionut Stroe. Der niederländische Turnierdirektor Gijs de Jong sagte zum Status in Amsterdam: „Sobald sich die gesundheitliche Situation in Europa wieder normalisiert hat, machen wir dort weiter, wo wir aufgehört haben.“ In Dublin, Glasgow und London läuft derzeit noch die Abschätzung von Risiken und Chancen.