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Die große Show des Serge Gnabry

Fußball : Die große Show des Serge Gnabry

FC Bayern München setzt mit grandiosem 7:2-Sieg in Tottenham ein Ausrufezeichen.

Nach seiner famosen Vier-Tore-Show musste Serge Gnabry noch zwei Schreckmomente überstehen. Erst grätschte ihn sein Kumpel Niklas Süle beim Feiern auf dem Rasen spaßeshalber um. Und dann ballerte Teamkollege Javi Martínez auch noch den Spielball in den Münchner Fanblock, was Gnabry schier fassungslos machte. Aber der Fußball-Nationalspieler hatte Glück: Das wertvolle Souvenir flog irgendwann zurück zu ihm – und so endete Gnabrys „Wahnsinns-Abend“ beim unwirklich anmutenden 7:2 des FC Bayern beim letztmaligen Champions-League-Finalisten Tottenham Hotspur doch noch perfekt.

Mit „seinem“ Ball posierte Gnabry später beim Bankett im Londoner Teamhotel für ein Selfie. „Vier Tore habe ich seit der F-Jugend nicht mehr gemacht. Das war ein grandioser Abend für mich – und für die Mannschaft“, sagte Gnabry stolz. Von einem „historischen Tag für Bayern München“ schwärmte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge in seiner Bankettrede: „Das war unglaublich, was wir erlebt haben!“

Der 24-jährige Gnabry war natürlich „mit seinen vier die Krönung“, wie Trainer Niko Kovac sagte: „Es war sicherlich sein bestes Spiel.“ Eines, in dem nach der Pause nicht nur Gnabry, sondern allen Bayern offensiv fast alles gelang. „7:2 ist eigentlich im Profifußball ein bisschen unrealistisch“, meinte Joshua Kimmich, neben Gnabry und dem zwei Mal erfolgreichen Robert Lewandowski weiterer Torschütze.

Nur gut, dass der Mann des Abends auf Jean-Hermann Gnabry gehört hatte. „Papa hatte mittags noch einmal gesagt, dass ich gut spielen muss. Das habe ich erledigt. Ich glaube, der Druck hat geholfen“, berichtete Gnabry lächelnd. Rechts, links, rechts, rechts – jeder seiner Schüsse nach der Pause schlug im Tor von Frankreichs Weltmeister-Torwart Hugo Lloris ein.

Gnabry genoss den schönsten Moment seiner Karriere. „Meine ersten vier Champions-League-Tore direkt an einem Tag zu erzielen, war grandios“, sagte der Angreifer, der sich in einen illustren Kreis katapultierte: Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Zlatan Ibrahimovic oder Robert Lewandowski gehören zu den wenigen Kickern, denen in der Champions-League-Historie vier Tore in einer Partie glückten. Gnabry ist der zweite Deutsche nach Mario Gomez (2012 bei Bayerns 7:0 gegen Basel), dem das gelang.

Gnabry hat in London seinen Status in der Münchner Luxus-Offensive deutlich erhöht. Im Nationalteam, mit dem er in der kommenden Woche den nächsten Schritt zur EM 2020 machen möchte, hat ihm Joachim Löw erst jüngst das Gütesiegel unverzichtbar verpasst. „Gnabry spielt immer“, äußerte der Bundestrainer zuletzt über den Stürmer, der in zehn Länderspielen neun Mal traf – eine herausragende Quote.

Die Bayern-Gala mit Hauptdarsteller Gnabry war ein Ausrufezeichen, das der deutsche Serienmeister in Europa setzte. Rummenigge erinnerte an die Bundesliga-Schmach des letzten Frühjahrs, als das Trio Bayern, Dortmund und Schalke im Achtelfinale gegen Liverpool, Tottenham und Manchester City K.o. ging: „Heute haben zumindest wir nachhaltig bewiesen, dass wir durchaus in der Lage sind, eine Premier-League-Mannschaft der Topklasse zu besiegen.“