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DFL schöpft neue Hoffnung im Kampf um die Existenz: Fernsehgeld kommt

Deutsche Fußball-Liga : Neue Hoffnung im Kampf um die Existenz

Obwohl die Politik dem Profifußball (noch) kein grünes Licht für Geisterspiele gegeben hat, könnte bald frisches Fernsehgeld fließen.

Die Enttäuschung wich schnell wieder dem Eifer. Dem Profifußball blieb keine Zeit, viele Tränen über die vertagte Geisterspiel-Entscheidung der Politik zu vergießen. Der Kampf um die Existenz duldet keine Verzögerung, denn die kurzfristige Rettung steht offenbar kurz bevor. Die Clubs dürfen darauf hoffen, dass die Inhaber der Medienrechte die ausstehende letzte Rate für die laufende Saison trotz der anhaltenden Unterbrechung aufgrund der Corona-Pandemie bald überweisen.

„Wir sind in ständigem Austausch mit unserem langjährigen Partner DFL, insbesondere angesichts der aktuellen Situation der Bundesliga und 2. Bundesliga“, erklärte der größte Rechte-Inhaber Sky: „In diesem Zusammenhang gibt es aktive Diskussionen mit dem Ziel, auch im Hinblick auf Lizenzzahlungen und deren potenzielles Timing konstruktive Lösungen zu finden.“ Sollten die 304 Millionen Euro von Sky, DAZN, ARD, ZDF und Sport1 tatsächlich in den kommenden Tagen bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eingehen, darf sich DFL-Boss Christian Seifert bei der nächsten virtuellen Krisensitzung der Clubchefs am Donnerstag für seine erfolgreichen Verhandlungen feiern lassen. Schließlich wäre damit die Gefahr von Insolvenzen, von denen laut „kicker“ angeblich 13 der 36 Vereine bedroht sind, fürs Erste gebannt.

Der Profifußball würde Zeit gewinnen, um der Politik ohne Hektik ein schlüssiges Konzept für den Neustart der Spielzeit mit Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu präsentieren. Alles andere war schon vor dem am Mittwoch verkündeten Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August kein Thema mehr. Wenn es optimal für den Fußball läuft, machen Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten bei ihrer nächsten Konferenz am 30. April den Weg für die Geisterspiele frei – und Mitte Mai geht es wieder los.

Ob es so kommen wird, ist aber noch offen. Zu unterschiedlich sind die Haltungen der Politik. „Natürlich wird der Druck zunehmen, Geisterspiele zuzulassen“, sagte das Sportausschuss-Mitglied Erhard Grundl (Die Grünen): „Ich bin nicht dafür, dass man Extrawürste im Fußball brät.“ Wolfgang Kubicki sieht das anders. „Ich glaube, dass die Ministerpräsidenten sich darauf verständigen, Geisterspiele zuzulassen“, äußerte der FDP-Politiker: „Alles andere wäre absurd.“

Die DFL arbeitet bereits seit Wochen an der Logistik für Geisterspiele. Zudem wird bei den Clubs in Kleingruppen trainiert, um sich auf den „Tag X“ vorzubereiten. Entscheidend dürfte sein, wie der Fußball garantieren kann, dass durch die Ausführung der Spiele keine Gefahren einer Ansteckung bestehen und dass es keinen negativen Effekt für die Allgemeinheit geben wird. Das sieht auch Niklas Süle so. „Natürlich will ich wieder fit werden und spielen, aber wichtig ist doch, dass es meiner Familie gut geht, dass alle gesund sind“, sagte der Nationalspieler: „Ob wir jetzt früher oder später spielen, ist da nicht von Belang. Nichtsdestotrotz würde ich mich freuen, wenn wir wieder starten dürften. Es wäre vielleicht auch eine kleine Ablenkung für die Fans.“

Das Szenario für einen Wiederbeginn wird von der DFL-Taskforce unter der Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer erarbeitet. Der Profifußball benötigt etwa 20 000 Corona-Tests für die ausstehenden Begegnungen. Die DFL geht in diesem Zusammenhang von einer deutschlandweiten Testkapazität von mindestens 550 000 pro Woche aus. Die Argumentation ist klar: Angesichts einer Kapazität von mehreren Millionen über mehrere Wochen sind 20 000 Tests für die neun ausstehenden Spieltage in diesem Zeitraum vertretbar.

Noch elf Spieltage stehen in der 3. Liga aus. Dort ist die Hoffnung auf ein reguläres Ende der Spielzeit aber gesunken, da die Zuschauereinnahmen eine wesentlich wichtigere Rolle als in der Bundesliga und der 2. Liga spielen. Geschäftsführer Mario Kallnik vom 1. FC Magdeburg plädiert bereits für einen Saisonabbruch. „Die Verlängerung des Kontaktverbots ist ein weiteres Argument für einen Saisonabbruch“, sagte er der „Magdeburger Volksstimme“. Um die Saison bis zum 30. Juni sportlich abzuschließen, galt bislang der 16. Mai als spätester Zeitpunkt für den Wiederbeginn. „Dieser Termin ist aber nicht mehr haltbar, wenn wir erst ab dem 4. Mai wieder trainieren können“, sagte Kallnik.