Trainer Florian Kohfeldt ist ein "Glücksfall" für Werder Bremen

Emotionaler Trainer bringt Bremen nach vorne : Werders Glücksfall Kohfeldt steht vor großer Zukunft

Spieler schwärmen von Trainer. Der hat Bremen zu einem Club mit internationalen Ambitionen geformt – und suchte die Schuld fürs Pokalaus nicht beim Schiri.

Florian Kohfeldt wurde emotional. „Ich habe selbst mit mir zu kämpfen“, sagte der Trainer von Werder Bremen. Seine Mannschaft war trotz eines starken Auftritts knapp mit 2:3 im Halbfinale des DFB-Pokals an Bayern München gescheitert, auch wegen eines umstrittenen Foulelfmeters. „Brutal“ nannte Kohfeldt den Pfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) vor Robert Lewandowskis Siegtor. Doch der 36-jährige Trainer eröffnete keine Schiri-Schelte, im Gegenteil. „Das jetzt hier zu reduzieren auf Elfmeter oder einen Bayern-Bonus, das will ich nicht, das wird auch uns nicht gerecht. Das ist Quatsch.“

Der Bremer Trainer wollte lieber über sein Team reden. „Ich bin so stolz“, schwärmte Kohfeldt von seiner Mannschaft. „Mit was für Eifer, Enthusiasmus und Mut sie gegen die stärkste Mannschaft in Deutschland gespielt hat. Es war geil.“ Daran hatte auch der Trainer einen großen Anteil. Sein Plan, seine Taktik sei „zu zehntausend Prozent“ gegen die Bayern aufgegangen. „Es war ein 50:50-Spiel“, befand Kohfeldt. „Und das ist ein Kompliment an uns.“

Der Fußball-Lehrer, vom Deutschen Fußball-Bund vor Kurzem zum Trainer des Jahres 2018 gekürt, hat Werder Bremen wieder in die Spur gebracht. Seit seiner Amtsübernahme im Herbst 2017 hat er mit Sportchef Frank Baumann den damals vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit stehenden Traditionsverein wieder zu einem Anwärter auf die internationalen Plätze gemacht.

Am Mittwoch war sein Team sogar auf Augenhöhe mit dem Branchen-Primus. Und das mit begeisterndem Fußball und immer mit Blick nach vorne. Bayerns Thomas Müller outete sich sogar als „Bremen-Liebhaber“. „Für Werder Bremen ist er ein Glücksfall“, sagte DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff über Kohfeldt. Nicht viele Mannschaften hätten nach einem 0:2-Rückstand gegen gute Münchner noch so eine Rückkehr gestartet. Der bärenstarke Kosovare Milot Rashica legte das 1:2 vor und schoss das 2:2 selbst. Am Ende reichte es doch nicht für das Finale. „Aber wir sind eine geile Mannschaft und werden uns jetzt in den folgenden vier Spielen in der Liga mit dem Europa-League-Einzug belohnen“, erklärte Kohfeldt.

Doch zuvor ist er auch als Psychologe gefragt, um die Spieler vor der Partie des Tabellenachten gegen Fortuna Düsseldorf am Samstag (15.30 Uhr) wieder aufzurichten. Dies dürfte ihm gelingen, denn seine Mannschaft hört auf ihn. „Diese Mischung aus Nähe und Abstand, das hatte ich noch nie, obwohl ich mit Jürgen Klopp einen Trainer hatte, der den Spielern nahestand“, beschrieb ihn Nuri Sahin.

Ähnlich wie Klopp legt Kohfeldt ebenfalls wilde Auftritte während eines Spiels hin. Fast jeder Schiedsrichter-Pfiff gegen die Bremer wird mit lauten Worten kommentiert oder gestikuliert. Mit seiner Emotionalität nimmt er die Öffentlichkeit und die Zuschauer, aber auch seine Spieler mit. Er erreicht sie mit seiner ehrlichen, offenen Art und Weise. Nicht ohne Grund haben sich die von vielen Top-Clubs umworbenen Brüder Maximilian (zuletzt im Kader der Nationalmannschaft) und Johannes Eggestein vor Kurzem langfristig an den Club gebunden. Nicht nur, aber auch wegen Kohfeldt.

Milot Rashica bereitete das Bremer 1:2 vor und traf zum 2:2 – ehe auf den Jubel Enttäuschung folgte. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Hannover 96 bestätigte am Donnerstag den Wechsel von Stürmer Niclas Füllkrug zu Werder. Über die genauen Vertragsmodalitäten gab es noch keine Informationen, laut Medien soll die Ablöse 6,3 Millionen Euro betragen.

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