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DFB-Bewerberin Groth will ein bisschen provozieren

Fußball : DFB-Bewerberin Groth will „ein bisschen provozieren“

Die 60-Jährige aus Düsseldorf will Veränderungen im deutschen Fußball – und mit ihrer Kandidatur eine gesunde Diskussion über Probleme anregen.

Die Überraschungs-Bewerberin Ute Groth macht sich selbst keine Hoffnungen auf eine Wahl zur ersten DFB-Präsidentin. „Ich gehe nicht davon aus, dass ich eine Chance habe, gewählt zu werden. Aber es wird öffentlich über das Amt geredet, und ich habe den Eindruck, dass zumindest mal darüber nachgedacht wird, wie das Amt vergeben wird“, sagte die 60-Jährige in einem Interview.

„Ich will vor allem ein bisschen provozieren und eine gesunde Diskussion anregen“, erklärte die Vereinsvorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf und Projektleiterin im Krankenhausbau. Groth leitet seit 2007 den etwa 1300 Mitglieder zählenden Düsseldorfer Ableger der DJK. Der DJK-Sportverband, der im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, hat insgesamt rund 500 000 Mitglieder in 1100 Vereinen. „Wenn meine Bewerbung zu dem Ergebnis führt, dass sich beim DFB etwas ändert nach den vergangenen zehn Jahren, dann bin ich zufrieden.“ Wenn es „so weitergeht, wird der Fußball irgendwann uninteressant für den Zuschauer“.

Und die Bewerberin fordert eine neue Glaubwürdigkeit. „Wenn man etwas verändern möchte, dann muss man selber etwas tun. Nach zwei DFB-Präsidenten, die zurückgetreten sind, weil sie Dreck am Stecken hatten, hat es mir gereicht. Es geht um Ehrlichkeit im Ehrenamt. Auch der DFB-Präsident muss sich daran halten, sonst leiden alle unter dem Verlust der Glaubwürdigkeit“, sagt Groth.

Nach ihrer Bewerbung Anfang April habe sich der Deutsche Fußball-Bund gemeldet. „Ich habe Ende April eine schriftliche Rückmeldung bekommen, in der mir für die Bewerbung gedankt wurde mit dem Hinweis, dass sie an das Personalberatungsunternehmen Egon Zehnder weitergeleitet wurde, das nun eine qualifizierte Person suchen soll“, sagte Groth: „Der DFB kommt nicht mehr damit durch, einfach eine Person hinzustellen und zu sagen: Das wird der neue Präsident.“

Sie selbst habe zwölf Jahre Erfahrung in der Vereinsführung, und die „sind aus meiner Sicht viel wert“, meinte Groth. Denn der DFB vertrete „in erster Linie 25 000 Amateurvereine und erst in zweiter Linie die Profis. Ich habe meine Bewerbung immer ernst gemeint, bin aber überrascht von dem Echo.“

Den Stempel „katholische Kirche“, den sie als Mitglied des katholischen DJK-Sportverbands hat, hält Groth förderlich für ihre Bewerbung. „Auch wenn ich als Protestantin vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten bin, stehe ich hinter den Werten, die die Kirchen vertreten. Im Sport – ob auf Amateur- oder Profi-Ebene – benötigen wir Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit. Bei vielen Treffen im Diözesanverband sprechen wir über ethisches Verhalten und wie wichtig der Bereich ist.“ Die immer wieder aufkeimende Missbrauchsdebatte in der katholischen Kirche färbe aus ihrer Sicht nicht auf den betreffenden sportlichen Bereich ab.

Bis zum 26. Juli will der DFB einen Kandidaten für den nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel vakanten Präsidentenposten finden. Spekuliert wurde in den vergangenen Wochen auch über Prominente wie die Ex-Nationalspieler Philipp Lahm oder Christoph Metzelder. Die Nominierungsfrist läuft am 1. August ab. Gekürt werden soll der Grindel-Nachfolger beim DFB-Bundestag am 27. September in Frankfurt. In 119 Jahren DFB-Geschichte stand noch nie eine Frau an der Spitze des rund sieben Millionen Mitglieder zählenden Verbandes.