Deutsche U21 bei EM in Italien und San Marino auf Halbfinalkurs

U21 in Italien und San Marino : Waldschmidt wird zum EM-Schlager

Deutsche U21 brilliert bei der EM mit einem 6:1 gegen Serbien. Zum Halbfinale genügt nun ein Unentschieden gegen Österreich.

Nach der erneuten Tor-Gala verwandelten Luca Waldschmidt und Marco Richter die Kabine wieder kurz in eine Mallorca-Disco. „Marco und Luca zuliebe haben wir den Song natürlich gespielt“, sagte Kabinen-Discjockey Benjamin Henrichs über das Lied vom „Bierkapitän“, das nach dem titelreifen 6:1 (3:0) bei der U21-Europameisterschaft gegen Serbien durch die Katakomben hallte. Sogar der „echte“ Kapitän Jonathan Tah sang kurz mit: „Mein Geschmack ist das nicht. Aber wenn jeder glücklich ist, bin ich auch glücklich.“

Waldschmidt und Richter hatten sich die Erfüllung ihres Musikwunsches aber auch redlich verdient. Die beiden Schlager-Fans geben bei der EM bislang den Ton an und haben maßgeblichen Anteil daran, dass die U21 heißester Titelkandidat bei der EM ist. Vier Tore hat der Freiburger Waldschmidt als bislang bester Turnier-Torjäger auf dem Konto, Richter folgt mit drei Treffern. „Die Jungs haben im Moment einen Lauf“, sagte DFB-Trainer Stefan Kuntz.

Kaum zu glauben, dass Kuntz vor dem Turnier die Offensive als „nicht so stark wie vor zwei Jahren“ eingeschätzt hatte. 9:2 Tore nach zwei Begegnungen sprechen eine andere Sprache. „Wir haben das so aufgefangen, dass es nicht auffällt“, sagte der Neunkircher und blickte zufrieden. Auch Waldschmidt, gegen Serbien drei Mal erfolgreich, meinte: „Es läuft gut. Es macht Spaß, die Kugel laufen zu lassen.“

Und doch hob Kuntz nach dem bislang höchsten EM-Sieg einer deutschen U21 auch mahnend den Zeigefinger. „Wir sind noch nicht im Halbfinale“, betonte der Trainer mehrfach. Allerdings müsste es schon mit dem Teufel zugehen. Gegen Österreich braucht das DFB-Team am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF) in Udine noch einen Punkt zum Gruppensieg und der gleichzeitigen Olympia-Qualifikation. Sogar eine knappe Niederlage könnte reichen, um als bester Gruppenzweiter weiterzukommen.

„Wir haben zwei Spiele gewonnen. Aber wenn wir das am Sonntag verdaddeln, fahren wir am Montag nach Hause. Und dann wickelt man mit den tollen Schlagzeilen der letzten Tage schnell den Fisch ein“, sagte Kuntz. Vor allem das Gegentor durch einen Elfmeter ärgerte ihn. „In dem Moment, wo du ein paar Prozent nachlässt, hast du einen Klicker drin“, mahnte Kuntz. Auch als Titelfavoriten sah er das deutsche Team noch nicht. „Das kann ich so nicht bestätigen“, sagte Kuntz knapp.

Bestätigen konnte Kuntz dagegen seine hohe Wertschätzung für Waldschmidt. Der 23-Jährige, der in Italien schon mit Lazio Rom in Verbindung gebracht wurde, passt perfekt in die Spielidee des Trainers. „Wir als U21 wollen die Leute daheim begeistern. Luca ist die Personifizierung dessen“, sagte Kuntz und schickte ein Lob an Trainer Christian Streich nach Freiburg: „Dort haben sie Luca entwickelt. Er ist zum Führungsspieler geworden.“

Und zum Torjäger. Genau dafür nimmt die U21 derzeit musikalische Experimente in Kauf – wie vor zwei Jahren, als Torhüter Julian Pollersbeck mit seinen „Fiderallala“-Zeilen den Teamgeist befeuerte. Marco Richter jedenfalls hat noch den ein oder anderen Schlager in petto: „Wenn es so weiter geht mit mir und Luca, dann dürfen wir uns noch einige Songs wünschen.“

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