Trainer Erik ten Hag und Alfred Schreuder bringen Ajax Amsterdam Erfolg

Ajax Amsterdam vor Finaleinzug in der Champions League : Ein bisschen Cruyff und ein bisschen Pep

Das Erfolgsgeheimnis von Ajax Amsterdam ist auch das von Trainer Erik ten Hag. Mittwoch Rückspiel gegen Tottenham Hotspur.

Erik ten Hag wiegte den silbernen „Tannenzapfen“ so stolz im Arm, als wäre der niederländische Fußballpokal sein Erstgeborener. „Dafür haben wir das ganze Jahr gekämpft“, sagte ten Hag nach dem 4:0 im Pokalfinale gegen Willem II und seinem ersten Titel als Trainer, dem ersten für Ajax Amsterdam seit 2014 und quälend langen 1834 Tagen. Doch der 19. Pokalsieg des Vereins, betonte er, sei „nur der erste Preis. Das steigert unseren Hunger nur noch.“

Vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Tottenham Hotspur an diesem Mittwoch (21 Uhr/Sky und DAZN) glaubt ganz Amsterdam ans Triple. Wegen des 1:0-Sieges im Hinspiel – und auch wegen ten Hag. Mit Assistent Alfred Schreuder, der im Sommer als Chefcoach zur TSG Hoffenheim wechselt, hat er aus jungen, talentierten Spielern Champions gemacht. Aber wie?

Ten Hags Philosophie ist eine Mischung aus altbekannten niederländischen Grundsätzen und modernen Ideen à la Pep Guardiola mit einem Schuss Matthias Sammer. Der 49-Jährige sieht sich in der Tradition des „totalen Fußballs“ der großen Ajax-Trainer Rinus Michels und Johan Cruyff, obwohl er sich ungern mit diesen Legenden vergleicht.

Als ten Hag Ende 2017 nach Amsterdam kam, wurde er kritisch beäugt. Als Chef hatte er bis dahin nur bei den Go Ahead Eagles, der zweiten Mannschaft von Bayern München und dem FC Utrecht gearbeitet. Als er dann noch mit dem quasi religiös verehrten 4-3-3-System brach, gab es einen Aufschrei. Doch seine Umstellung auf ein 4-2-3-1 war ein Coup: Ten Hag zog das Supertalent Frenkie de Jong vom Abwehrzentrum ins Mittelfeld vor und stellte ihm als Absicherung einen weiteren Sechser zur Seite. Seither brilliert de Jong – und Ajax.

Grundsätzlich setzt ten Hag wie Michels, Cruyff oder später Louis van Gaal auf „Offensivfußball, der begeistert“. Allerdings nicht blindlings. Er lässt „nach vorne verteidigen“, Ballbesitz ist bei ihm nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel, „um dem Gegner wehzutun“. Diesen Ansatz verfolgte er bereits als Co-Trainer in Eindhoven unter Fred Rutten (2009 bis 2012) und machte Sammer auf sich aufmerksam. Der damalige Sportdirektor hätte ihn gerne als U21-Coach zum DFB geholt, scheiterte aber am Veto von Bundestrainer Joachim Löw.

Als Sammer später Sportvorstand in München wurde, lotste er ten Hag als Coach der Reserve (2013 bis 2015) zum Rekordmeister. „Er hat eine klare Linie und Denkweise, dennoch ist er offen für die Entwicklungen des Fußballs. Das ist für mich ein moderner Trainer“, sagte Eurosport-Experte Sammer im vergangenen Herbst: „Wenn er Zeit bekommt, wird er alle belohnen.“ Danach sieht es jetzt aus.

Neben den niederländischen Granden habe ihn auch Guardiola inspiriert, sagte ten Hag, „ich habe damals fast jedes Training angeschaut, da habe ich methodisch viel mitgenommen“. Wegen Guardiola und Sammer sei die Zeit in München „wie ein Sechser im Lotto“ gewesen.

Heute ist ten Hag, der sich als „nüchternen Typen“ bezeichnet und Entscheidungen auch auf Grundlage von Datenanalysen trifft, selbst ein großer Trainer – und bereit für höhere Aufgaben? Zu Hause wird er wie Mark van Bommel (PSV Eindhoven) als künftiger Bondscoach gehandelt, sein Agent spricht von mehreren Angeboten europäischer Topclubs. Aber das ist Ajax inzwischen ja auch wieder – dank ten Hag.

Tottenhams Trainer Mauricio Pochettino setzt in Amsterdam gegen Ajax’ hochgelobten Konterfußball in Abwesenheit von Starstürmer Harry Kane auf den Südkoreaner Heung-Min Son, der im Hinspiel gesperrt war. Schiedsrichter ist Felix Brych (München).

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