1. Sport
  2. Fußball
  3. Champions League

FC Bayern brilliert beim 3:0 beim FC Chelsea, Trainer Flick darf wohl bleiben

Bayern demontiert den FC Chelsea : Eine Ansage an die Konkurrenz

FC Bayern brilliert bei 3:0 beim FC Chelsea. Trainer Flick darf wohl über den Sommer hinaus bleiben. Lewandowski verletzt.

Im Glücksgefühl der rauschenden Münchner Fußballnacht in London überreichte Karl-Heinz Rummenigge beim Bankett ein symbolträchtiges Geburtstagsgeschenk an Hansi Flick. Das 3:0 (0:0) im Champions-League-Achtelfinale beim FC Chelsea war zwei Stunden alt, als der Vorstandsboss ein klares Zukunftssignal an den am Montag 55 Jahre alt gewordenen Baumeister eines in Europa wieder machtvoll auftretenden Bayern-Teams übermittelte. Denn Rummenigge lüftete vor den Edelfans, Sponsoren und mitreisenden Reportern auch das Geheimnis, was sich „in dem roten Päckchen befinde: „Ein Stift. Und mit Stiften unterschreibt man bei Bayern München manchmal auch Papiere.“

Durch den pompösen Ballsaal ging angesichts der Absichtserklärung für die geplante Verlängerung des Cheftrainer-Vertrages von Flick über das Saisonende hinaus ein Raunen. Rummenigge umschmeichelte Flick förmlich mit warmen Worten, die ihm bei dessen Vorgänger Niko Kovac selbst nach dem Double-Gewinn 2019 nicht über die Lippen kommen wollten. „Mach es weiter so. Bleib wie du bist. Wir sind sehr, sehr zufrieden – mit den Ergebnissen und dem Fußball, den die Mannschaft zelebriert.“

Flick hatte in den 90 Minuten zuvor an der Stamford Bridge, wo noch keine deutsche Mannschaft gewonnen hatte, auf der großen europäischen Bühne den Eignungstest als Bayern-Coach mit der Bewertung summa cum laude bestanden. „Die Mannschaft hat die Vorgaben super umgesetzt“, lobte er seine Spieler, bevor er sich ein Weißbier gönnte. Champagner könnte im Mai folgen für ein von Flick geformtes und entwickeltes Bayern-Kollektiv, das in London perfekt harmonierte und mit den Torschützen Serge Gnabry und Robert Lewandowski, der vor seinem elften Königsklassen-Treffer der Saison Gnabry das 1:0 und 2:0 aufgelegt hatte, gleich zwei herausragende Matchwinner hatte.

Lewandowski verletzte sich allerdings, er erlitt einen Anbruch der Schienbeinkante am linken Kniegelenk und werde laut Verein wohl rund vier Wochen ausfallen.

„Es tut immer gut, nach London zurückzukommen“, sagte Ex-Arsenal-Profi Gnabry, der schon in der Gruppenphase beim grandiosen 7:2 der Bayern bei Tottenham Hotspur vier Mal getroffen hatte. „Das ist eine Stadt, die mag uns, die mag Bayern“, bemerkte Rummenigge. Der Finalsieg 2013 in Wembley, das Tottenham-Torfest und jetzt das praktisch schon drei Wochen vor dem Rückspiel in München gebuchte Viertelfinal-Ticket gegen Chelsea, den Final-Alptraum von 2012, benannte der Bayern-Chef als Belege. „Es war ganz wichtig, wieder ein Statement zu setzen“, sagte Kapitän Manuel Neuer – eines an alle Münchner Titel-Konkurrenten in Europa.

Sieben Siege mit 27:5 Toren, davon 17 durch das Traumduo Lewandowski (11) und Gnabry (6), sind eine Ansage. „Das 3:0 ist nur die Konsequenz unserer Arbeit in den letzten Wochen und Monaten“, sagte Thomas Müller – und er meinte die vier Monate seit dem Wechsel von Kovac zu Flick. „Wir haben eigentlich nur positive Ergebnisse erzielt, wenn man die Bilanz sieht, seitdem der Hansi da ist“, erläuterte Neuer: „Für mich zählt nicht nur der Sieg, sondern auch die Art und Weise und die Philosophie des Trainers.“

 Nationalspieler Serge Gnabry schoss die Bayern mit seinen zwei Toren beim FC Chelsea schon so gut wie ins Viertelfinale.
Nationalspieler Serge Gnabry schoss die Bayern mit seinen zwei Toren beim FC Chelsea schon so gut wie ins Viertelfinale. Foto: AP/Frank Augstein

Flick erfand in großer Personalnot den Abwehrchef David Alaba. An der Seite des Österreichers erlebt Jérôme Boateng (31), der längst den Verein verlassen wollte und sollte, eine wahre Renaissance. Flick erfand die Doppel-Sechs Kimmich/Thiago im Mittelfeld. Unter ihm zündete Alphonso Davies (19) als linker Außenverteidiger wie eine Rakete. Parade-Bayer Müller, von Kovac zum Notnagel degradiert, ist wieder ein Antreiber – und vorne wirbeln der zum Teamspieler mutierte Ausnahmestürmer Lewandowski und dessen junger Kompagnon Gnabry. Gegen Chelsea zeigten die Flick-Bayern, was in ihnen steckt, wenn sie ihr Potenzial total abrufen. „Wir haben es auch besser durchgezogen als in anderen Spielen in der Bundesliga“, sagte Müller.