Champions-League-Finale zwischen FC Liverpool und Tottenham Hotspur

Finale in der Champions League : Zwei Menschenfänger vor der Krönung

Liverpools Jürgen Klopp und Tottenhams Mauricio Pochettino können am Samstag erstmals die Champions League gewinnen.

Den begehrten Henkelpott haben beide noch nicht geliefert, dennoch zweifelt niemand ernsthaft an Jürgen Klopp oder Mauricio Pochettino. Die Teammanager des FC Liver­pool und von Tottenham Hotspur haben das Niveau ihrer Mannschaften in den vergangenen Jahren auf ein neues Niveau gehoben. Einer der beiden kann diese Entwicklung jetzt im Champions-League-Finale in Madrid mit einem Titel untermauern. Endlich.

Der 51-jährige Klopp geht mit den Reds an diesem Samstag (21 Uhr/Sky und DAZN) nach einer bärenstarken Saison leicht favorisiert in den Kampf um den wichtigsten aller Vereins-Pokale, auf der Insel schlicht „Silverware“ genannt. Die Spurs hoffen nach Triumphen unter anderem gegen Borussia Dortmund und den englischen Champion Manchester City auf den letzten Coup – auch wenn Pochettino gegen Klopp bisher alles andere als gut aussah. Nur ein Sieg aus neun Spielen gelang den Spurs unter der Leitung des Argentiniers gegen Liverpool.

Natürlich glaubt der Südamerikaner, dass das nichts bedeutet. „Es wird ein völlig anderes Spiel“, versichert der 47-Jährige, dessen Team in der abgelaufenen Saison zweimal knapp mit 1:2 das Nachsehen hatte: „Es ist eine andere Situation in einem Wettbewerb, in dem wir uns noch nie zuvor begegnet sind.“

Mit einem Triumph im Stadion Wanda Metropolitano würde Pochettino sein persönliches Märchen fortsetzen. Als er 2013 von Espanyol Barcelona in die Premier League kam, sprach er kein einziges Wort Englisch – und trotzdem machte er sich einen Namen. Erst beim FC Southampton, den er vor dem Abstieg bewahrte und dann auf den starken achten Platz führte. Dann bei den Spurs, bei denen er vor fast genau fünf Jahren als Teammanager vorgestellt wurde.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten reifte Tottenham unter dem „Menschenfänger“ zu einem Spitzenteam. Der Trainer, dessen Sprachprobleme sich längst aufgelöst haben, impfte der Mannschaft einen belebenden und strukturierten Ballbesitzfußball ein. Bemerkbar machte sich das vor allem in der Saison 2016/17: 86 Punkte, 86 Tore und nur 26 Gegentreffer bedeuteten Platz zwei. In diesem Jahr führte Pochettino sein Team auf den vierten Platz – ohne vor der Saison nur einen Cent für neue Spieler investiert zu haben.

Klopp kann all das nach der besten Saison der Vereinsgeschichte (97 Punkte) gar noch toppen. Auch er verhalf Liverpool seit seiner Ankunft 2015 zu alter Stärke und scheiterte vergangenes Jahr im Finale der Königsklasse an Real Madrid. Damals patzte Liverpools Torwart Loris Karius mehrfach, er war zuvor wie Stürmerstar Mo Salah von Reals Sergio Ramos gefoult worden, Salah musste schon vor der Pause raus.

Klopp entwickelte einerseits Spieler wie Trent Alexander-Arnold (20), gab andererseits aber auch Millionen aus, um seinen Kader mit der nötigen Klasse zu verstärken. „Ich versuche alles, um so erfolgreich wie möglich zu sein. Ich lebe zu einhundert Prozent für die Jungs und für die Mannschaft“, beschreibt er sich selbst.

Ein Satz, den wohl auch Pochettino so unterschreiben würde. Denn beide Trainer kommen über den Austausch, die Ansprache, die Emotion. Klopp ist ohnehin dafür bekannt, Pochettino wurde es spätestens, als er nach dem dramatischen Halbfinaltriumph über Ajax Amsterdam in seinem azurblauen Anzug auf den Rasen sank und den Tränen freien Lauf ließ. Er verhalf zahlreichen Spielern zum Sprung in ihr Nationalteam. Nicht zuletzt Superstar Harry Kane reifte unter ihm zum Weltklasse-Stürmer.

„Unsere Arbeitsweise ist die, dass wir versuchen, die Spieler im Inneren zu berühren. Es geht um mehr als das Professionelle. Wenn du einen Menschen berührst, schaffst du die Basis, dass dieser sich als Spieler verbessert“, erklärte Pochettino kürzlich. Es gäbe kein Limit, „wie vertraut wir miteinander sein können“, sagte er.

Da wundert es nicht, dass für den Taktikfuchs das Spiel am Samstag im Kopf entschieden wird. „Es geht nicht um einen Kampf Klopp gegen Pochettino oder Taktik gegen Taktik. Es geht um Emotionen. Wer die besser im Griff hat, wird gewinnen“, sagt der Spurs-Trainer. Klopp sieht das ganz ähnlich: „Wir müssen uns in die richtige Stimmung bringen, um genau das Spiel abzuliefern, das wir wollen.“

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