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Champions League
Ajax-Jugendstil lässt die alte Dame alt aussehen

 Was für ein Triumph: Die Spieler von Ajax Amsterdam bejubeln ausgelassen ihren Einzug ins Halbfinale der Champions League.
Was für ein Triumph: Die Spieler von Ajax Amsterdam bejubeln ausgelassen ihren Einzug ins Halbfinale der Champions League. FOTO: dpa / Luca Bruno
Turin. Amsterdam wirft nach Real Madrid auch Juventus Turin aus der Champions League und steht im Halbfinale. sid

Nach dem nächsten historischen Favoritensturz durch die „Enkel“ von Johan Cruyff gab es auch bei den alten Helden kein Halten mehr. Sportdirektor Marc Overmars ruinierte seinen Anzug per Bauchplatscher vor der Gästekurve, neben ihm tanzte Geschäftsführer Edwin van der Sar in die Turiner Nacht. „Das geht um die Welt“, sagte der frühere Weltklasse-Torwart nach dem sensationellen 2:1 (1:1) von Ajax Amsterdam bei Mitfavorit Juventus Turin um Superstar Cristiano Ronaldo im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League.


Der jungen, wilden Ajax-Mannschaft fliegen Europas Fußball-Herzen zu, weil sie dem inzwischen oft so kalten Milliardengeschäft einen Hauch Romantik verleiht. Und dies im Geiste des großen „König Johan“. „Wieso soll man einen reicheren Club nicht bezwingen können?“, hatte die Ajax-Legende einst gefragt: „Ich habe noch nie gesehen, dass eine Tasche voller Geld Tore schießt.“ Turins 105-Millionen-Euro Mann Ronaldo tat zwar genau das (28.), doch am Ende blieb ihm nur ein verzweifeltes Frustfoul (90.+3).

Donny van de Beek (34.) und der wie Mittelfeldchef Frenkie de Jong überragende Kapitän Matthijs de Ligt (67.) schossen Ajax als erstes Team, das durch drei Quali-Runden musste, ins Halbfinale. „Das Märchen geht weiter“, schrieb De Volkskrant. Die Fußball-Prominenz aus aller Welt gratulierte via Twitter, sogar die italienische Presse feierte die „Enkelsöhne Cruyffs“ (Gazzetta dello Sport) als „Kinder-Champions voller Persönlichkeit“ (La Stampa).



„Das ist ein unglaublicher Abend für Ajax, seine Spieler und den niederländischen Fußball“, sagte Trainer Erik ten Hag, der Bayern München 2015 nicht mehr gut genug für die zweite Mannschaft war: „Wir haben unsere Grenzen gesprengt.“ In der Vorrunde hatte er bereits die Bayern geärgert (1:1/3:3), im Achtelfinale Titelverteidiger Real Madrid ausgeschaltet (1:2/4:1). „Wir werden von Spiel zu Spiel besser“, sagte de Ligt nach dem ersten Halbfinaleinzug Amsterdams seit 1997. Routinier Daley Blind sprach von einer „großen Geschichte. Wir glauben an uns“. Das gilt vor allem für de Jong, der im Sommer zum FC Barcelona wechselt. „Er erinnert mich an Andrea Pirlo“, schwärmte Juve-Vize Pavel Nedved vom 21-Jährigen.

Ronaldo, den Juventus eigens für den großen Traum vom Henkelpott verpflichtet hatte, erlebte dagegen die „Apokalypse“ (Corriere dello Sport): Erstmals seit 2010 findet das Halbfinale ohne ihn statt. Trainer Massimiliano Allegri (Vertrag bis 2020) darf dennoch bleiben. „Der Kader ist jung und kann mit ihm weiter wachsen“, sagte Vereinschef Andrea Agnelli.