30. Spieltag: VfB-Debakel in Augsburg - Weinzierl muss gehen

30. Spieltag : VfB-Debakel in Augsburg - Weinzierl muss gehen

Nach dem historischen Debakel ahnte Markus Weinzierl wohl, dass es seine letzten Stunden als Trainer des VfB Stuttgart sein würden.

„Ich habe heute keine Argumente mit diesem Ergebnis geliefert für mich“, sagte er nach dem blamablen 0:6 (0:3) beim FC Augsburg und der höchsten Niederlage der Clubgeschichte. „Ich kann mich für die Leistung nur entschuldigen.“ Mit einem fußballerischen Offenbarungseid verspielten die Schwaben „praktisch die letzte Chance auf den direkten Klassenerhalt“ in der Bundesliga, wie ein fassungsloser Torhüter Ron-Robert Zieler sagte.

Wenige Stunden später stand fest: Weinzierl muss als VfB-Coach gehen. „Wir haben mehrfach betont, dass es unser klarer Wunsch war, die Saison mit Markus Weinzierl und dem Trainerteam zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen“, wurde Sportvorstand Thomas Hitzlsperger auf der Webseite des Clubs zitiert. „Nach dem überaus enttäuschenden Spiel in Augsburg sind wir aber zu der Überzeugung gekommen, dass wir die Situation neu bewerten müssen und ein klarer Schnitt zwingend notwendig ist, um den Ligaverbleib zu schaffen.“

Gegen die nun fast sicher geretteten Augsburger hatte sich Stuttgart fast kampflos in sein Schicksal ergeben, fast alle wichtigen Zweikämpfe verloren, kein Rezept gegen die schnellen Konter der Gastgeber gefunden und offensiv komplett versagt.

Auch wenn der VfB weiter auf dem Relegationsrang 16 steht und den Vorsprung von drei Punkten auf den Tabellenvorletzten 1. FC Nürnberg (0:2 in Leverkusen) hielt, müsse gehandelt werden. „Das war sicher ein Tiefpunkt in der aktuellen Situation“, sagte Zieler. „Es gibt keine zwei Meinungen, dass wir uns so in der Bundesliga nicht präsentieren können. Die Mannschaft hat heute versagt.“

Rani Khedira (11. Minute) und André Hahn (18.) eröffneten den Torreigen, mit zwei Doppelpacks sorgten Philipp Max (29./58.) und Marco Richter (53./68.) für den höchsten Augsburger Sieg in der Bundesliga. „Wir sind noch nicht durch“, meinte Trainer Martin Schmidt zwar - bei nun zehn Punkten Vorsprung auf den VfB und nur noch vier Partien zu spielen ist die Aussage aber reines Understatement.

Vor 30.660 Zuschauern in der ausverkauften Augsburger Arena hatten sich die Stuttgarter neuen Mut holen wollen. Doch es wurde alles noch viel schlimmer und der VfB kassierte zum vierten Mal in seiner Bundesliga-Historie - und erstmals nach mehr als 33 Jahren - ein 0:6.

Mit einfachen, schnellen und schnörkellosen Kontern nahm der FCA den VfB auseinander. „Aufwachen!“, skandierten die vielen mitgereisten VfB-Anhänger nach 25 Minuten beim Stand von 0:2 - vergeblich. Kurz danach ließ sich Stuttgart wieder übertölpeln. „Alle könnt ihr gehen! Alle könnt ihr gehen“, brüllten die frustrierten Gäste-Fans ihren Spielern zu, und Weinzierl versank immer tiefer im Trainersessel.

Dabei hatte Augsburg große Personalprobleme: Stammtorhüter Gregor Kobel wurde nach einer leichten Gehirnerschütterung nicht fit, zudem fehlten die Offensiv-Stammspieler Ja-Cheol Koo und Alfred Finnbogason. Während den Koreaner eine Grippe stoppte, ließ sich der Torjäger aus Island am Donnerstag an der Wade operieren und wird den Rest der Saison fehlen, wie der FCA vor Anpfiff mitteilte.

Die Ausfälle fielen nicht ins Gewicht, auch ein Rumpfteam überzeugte. Nachdem die Stuttgarter Fans ihr Team mit einem lauten Pfeifkonzert zur 2. Halbzeit auf dem Rasen willkommen geheißen hatten, verließen die meisten schon nach weniger als einer Stunde Spielzeit die Arena. „Ich habe vollstes Verständnis, dass sie sagen: Das wollen wir uns nicht mehr antun. Das ist die traurige Wahrheit“, sagte Hitzlsperger. Immerhin blieben den Anhängern dann die weiteren Gegentore erspart.

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